DJH-Jahresbericht 2020

Unverschuldete Verluste durch Corona aber positiver Trend bei den Familien

Detmold/Berlin. Toleranz, Weltoffenheit, respektvolles Miteinander und außerschulisches Lernen – unabhängig von sozialer oder kultureller Herkunft. Für diese und viele weitere Werte steht das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) seit seiner Gründung und zählt damit zu den wichtigsten Akteuren für Gemeinwohl und Zivilgesellschaft im Land. Eigentlich wollte der 2,4 Millionen Mitglieder starke Verband 2020 den 111. Geburtstag der heute weltumspannenden Jugendherbergsidee mit vielen nachhaltigen Aktionen feiern – doch dann kam die Corona-Pandemie und mit ihr die monatelange Schließung der rund 450 Häuser.

Der Blick auf die Bilanz 2020 macht deutlich, wie schwer die Corona-Lage die Jugendherbergen getroffen hat. Konnten 2019 noch rund 10 Millionen Übernachtungen in den DJH-Häusern erreicht werden, waren es 2020 nur noch etwas mehr als 3,6 Millionen – ein deutlicher Rückgang von 63 Prozent. Besonders schwer wiegt in diesem Zusammenhang der fast gänzliche Wegfall von Klassenfahrten und anderen Gruppenaufenthalten, welche bisher die größten Gästegruppen im DJH darstellten. Zum Vergleich: 2019 verzeichneten die DJH-Häuser aus den Schulen und Hochschulen des Landes mehr als 3,6 Millionen Übernachtungen – 2020 waren es nur noch etwa 650.000 und damit 82 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei versprach der Reservierungsstand vor dem ersten Lockdown ein gutes Jahr für das DJH. „Daran sieht man, dass uns Corona vollkommen unverschuldet den Boden unter den Füßen weggezogen hat“, erklärt DJH-Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz. Zwar seien einige Jugendherbergen nach dem Ende des ersten Lockdowns vor allem von Familien und neuen Gästen in der Sommer- und Ferienzeit gut besucht gewesen, dies habe aber den Wegfall der Gruppenreisen nicht auffangen können. „Trotzdem haben wir ein überaus positives Feedback der Reisenden erhalten, die nicht nur die Jugendherbergen für sich neu entdeckt haben, sondern auch froh und dankbar waren, nach den kräftezehrenden Monaten endlich wieder als Familie eine unbeschwerte Zeit an tollen Standorten verbringen zu können“, resümiert der DJH-Hauptgeschäftsführer. Mit rund 42 Prozent der Gesamtübernachtungen stellten die Familien 2020 fast die Hälfte der Gäste in Jugendherbergen.

Treue Mitglieder und Zuspruch aus der Bevölkerung

Trotz der schwierigen Lage hat der Verband vor allem von der Öffentlichkeit und seinen Mitgliedern viel Unterstützung und Zuspruch erfahren. „Unsere Petition zur Rettung der Jugendherbergen wurde über 200.000 Mal unterzeichnet und im Bereich der Mitgliedschaft konnten wir 2020 so wenige Austritte verzeichnen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dies zeigt, dass die Jugendherbergen in breiten Teilen der Bevölkerung einen hohen Stellenwert genießen und eben mehr sind, als nur ein bloßer Übernachtungsanbieter“, erläutert Julian Schmitz und fügt an: „Dieser besonderen Rolle sind wir uns bewusst, denn Jugendherbergen stehen aus der Tradition heraus für Werte, die das Fundament des Gemeinwohls bilden. Deshalb ist es für uns auch selbstverständlich, nicht nur die getroffenen Maßnahmen der Regierung zu respektieren, sondern auch selbst aktiv zu werden und die Jugendherbergen in der Pandemie beispielweise für Sondernutzungen als Flüchtlingsunterkünfte, für Obdachlose oder aktuell als Impfzentren anzubieten“, fasst Julian Schmitz zusammen.

Das DJH in Zahlen

  • 438 Jugendherbergen in 14 DJH-Landesverbänden
  • 68.298 Betten
  • Rund 3,6 Millionen Übernachtungen, davon rund 72 % in Land- und Kleinstadtjugendherbergen, darunter 127.932 Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland.
  • Wichtigste Gästegruppe 2020: Familien (42 Prozent der Übernachtungen) vor Schulen/Hochschulen (18 Prozent) und Gruppen (13,5 Prozent)
  • 2.379.463 DJH-Mitglieder
  • Rund 4.500 hauptberufliche sowie etwa 800 ehrenamtliche DJH-Mitarbeitende