Mehr als ein Job – Unsere Mitarbeitenden erzählen
Arbeiten in einer Jugendherberge ist mehr als nur ein Beruf. Es ist eine Aufgabe mit Sinn und Herz. In der Küche, im Housekeeping, an der Rezeption oder in der Haustechnik: Unsere Mitarbeitenden schaffen Orte, an denen Kinder, Jugendliche, Familien und Gruppen sich wohlfühlen und unvergessliche Erlebnisse sammeln.
Ein gutes Beispiel ist die Jugendherberge Oldenburg. Sie liegt zentral in der Stadt – nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt und ist gut erreichbar. Was sie besonders macht: Sie ist ein Inklusionsbetrieb, in dem Menschen mit und ohne Behinderung Seite an Seite arbeiten. Hier wird „Gemeinschaft erleben“ jeden Tag gelebt – nicht nur von den Gästen, sondern auch im Team.
Was die Arbeit hier auszeichnet? Ein starkes Miteinander. Eine offene Atmosphäre. Und die Chance, eigene Ideen und Stärken aktiv einzubringen.
Vier Kolleg*innen berichten aus ihrem Arbeitsalltag. Sie erzählen, was sie motiviert, wie sie den Job erleben und warum sie sich hier am richtigen Ort fühlen.

„Jeder Tag ist eine neue Herausforderung“ – Torsten über Teamgeist, Verantwortung und das Wachsen an neuen Aufgaben
Torsten ist stellvertretender Küchenleiter im Inklusionsbetrieb des DJH – eine Aufgabe, die für ihn weit mehr ist als nur ein Job. Mit viel Erfahrung, Humor und einem ausgeprägten Sinn für Teamarbeit trägt er täglich dazu bei, dass in der Küche alles rundläuft – selbst wenn es mal turbulent wird.
Torsten, wie bist du zum DJH gekommen?
„Hallo, ich bin Torsten und seit 2019 beim DJH – damals noch als Aushilfe, da ich zu der Zeit in einem Betrieb an der Universität Oldenburg als Küchenleiter tätig war." Er blickt auf eine lange Berufserfahrung zurück: „Ich war 16 Jahre selbstständig und bin zehn Jahre zur See gefahren – auch als Koch. Man könnte sagen, ich habe schon einiges von der Welt gesehen.“ Seit September 2022 ist er fest im Team: „Jetzt bin ich hier stellvertretender Küchenleiter – und das mit ganzem Herzen.“
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
„Wir arbeiten in Früh- oder Spätschicht – das heißt, ich beginne entweder um neun oder um 14 Uhr“, erklärt er. „Wenn viel los ist, fangen wir auch mal früher an. Dann ist auch früher Feierabend – das ist hier flexibel.“ Der Alltag ist geprägt von klaren Zeiten: „Dreimal täglich müssen wir für unsere Gäste da sein – das bedeutet auch, dass wir sehr zuverlässig und strukturiert arbeiten müssen.“
Was macht dein Team für dich besonders?
„Ich arbeite sehr gerne hier – vor allem wegen des Teams“, sagt Torsten überzeugt. Besonders wichtig ist ihm der inklusive Ansatz: „Wir sind ein Inklusionsbetrieb, und das bringt eigene Herausforderungen mit sich. Aber genau das mag ich – Herausforderungen!“ Er beschreibt, wie vielfältig die Arbeit ist: „Es geht darum, mit Menschen zu arbeiten, die kognitive oder körperliche Einschränkungen haben. Jeder Tag ist anders, jede Situation neu.“
Wie gehst du mit diesen Herausforderungen um?
„Es ist ein Prozess – wir arbeiten miteinander, nicht nebeneinander“, betont Torsten. Ein Beispiel aus dem Alltag: „Heute hatten wir über 200 Gäste zum Mittagessen – zwei Buffets, zwei Hauptgerichte, dazu Dessert und Salatbuffet. Das ist schon eine Nummer!“ Er macht deutlich, worauf es ankommt: „Das geht nur gemeinsam. Man muss sich aufeinander einlassen, Geduld haben, flexibel sein.“
Was macht dich besonders stolz?
„Ich bin wirklich stolz auf mein Team“, sagt er mit einem Lächeln. „Wir lachen viel, necken uns – das schafft eine besondere Atmosphäre.“ Was für ihn zählt, ist das Miteinander: „Es ist schön zu sehen, wie wir trotz oder gerade wegen unserer Verschiedenheit gemeinsam etwas Großes schaffen.“
War die Arbeit mit Menschen mit Behinderung für dich Neuland?
„Ja, das ist tatsächlich das erste Mal in meiner Laufbahn. Und es hat meine Sichtweise verändert.“, erzählt er offen. „Ich hatte vorher wenig Berührungspunkte. Heute ist das ganz anders.“ Er beschreibt die Zusammenarbeit als Lernprozess: „Wir arbeiten eng zusammen – keiner von uns hat eine sozialpädagogische Ausbildung, wir nähern uns dem Thema mit gesundem Menschenverstand.“ Dabei geht es auch um Selbstreflexion: „Man lernt viel über sich selbst. Wo sind meine eigenen Grenzen? Was empfindet mein Gegenüber als zu viel? Diese Fragen begleiten einen und das ist gut so.“
Und macht dir deine Arbeit Spaß?
„Natürlich! Ich bin ein Workaholic“, sagt Torsten lachend. „Ich arbeite, seit ich denken kann und ich liebe es.“ Seine Arbeit im DJH beschreibt er so: „Sie fordert mich, sie erfüllt mich und sie macht einfach Spaß.“

„Ich bin stolz auf meinen Weg“ – Natascha über Neuanfang, Stärke und Zusammenhalt
Natascha arbeitet im Housekeeping der Jugendherberge Oldenburg und ist mit viel Engagement dabei. Im Interview erzählt sie von ihrem Weg in den Job, ihrem Arbeitsalltag und warum ihr das Miteinander im Team besonders wichtig ist.
Kannst du dich kurz vorstellen?
„Ich bin Natascha und arbeite seit August 2023 in der Jugendherberge“, erzählt sie. Offen spricht sie auch darüber, dass sie eine psychische Erkrankung hat.
In welchem Bereich arbeitest du und was sind deine Aufgaben?
„Ich arbeite im Housekeeping und sorge dafür, dass die Zimmer sauber sind und sich unsere Gäste wohlfühlen“, erklärt Natascha.
Wie bist du zu den Jugendherbergen gekommen?
Ihr Weg führte sie über ein Praktikum in die Jugendherberge Oldenburg. „Ich habe am Anfang eine Maßnahme über das Jobcenter gemacht und darüber erfahren, dass es die Jugendherberge hier gibt, die auch ein Inklusionsbetrieb ist.“ Daraufhin bewarb sie sich für ein Praktikum, das sie ein halbes Jahr absolvierte. „Seit August 2023 bin ich festangestellt.“
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ihr Arbeitsalltag richtet sich nach dem Schichtsystem. „Es kommt immer darauf an, in welcher Schicht ich eingeteilt bin“, sagt sie.
Im Frühdienst beginnt ihr Tag früh am Morgen: „Ich komme um Viertel vor sechs zur Arbeit, stempel mich ein, öffne die Putzräume und Fenster auf den Etagen und bereite den Reinigungswagen vor.“ Anschließend übernimmt sie erste Reinigungsaufgaben im Haus. „Dann wische ich den Speisesaal und den Haupteingang und mache die Toiletten sauber.“
Sobald Zimmer frei sind, startet die Zimmerreinigung. „Dann frage ich an der Rezeption nach und fange mit den Badezimmern, Oberflächen und Betten an – zum Schluss saugen wir die Zimmer.“
Was macht das Team für dich besonders?
Für Natascha spielt das Team eine große Rolle. „Jeder bringt seine Fähigkeiten mit, jeder hat seine Stärken und Schwächen, wir ergänzen uns gegenseitig.“ Besonders schätzt sie die Atmosphäre: „Wir sind oft sehr positiv eingestellt, lachen viel und reden viel.“
Wie gehst du mit Herausforderungen um?
Herausforderungen fallen ihr nicht immer leicht, wie sie offen erzählt. „Es ist anfangs sehr schwierig für mich, Herausforderungen anzunehmen.“ In solchen Momenten nimmt sie sich bewusst Zeit für sich. „Ich ziehe mich kurz zurück, gehe etwas trinken und versuche, mich fünf bis zehn Minuten zu regulieren.“ Danach stellt sie sich der Aufgabe erneut. „Wenn ich merke, dass es zu viel wird, frage ich Kolleginnen oder Kollegen, ob sie mich unterstützen oder wir Aufgaben tauschen.“
Macht dir die Arbeit Spaß?
„Ja, mir macht die Arbeit sehr Spaß“, sagt sie. Besonders wichtig ist ihr das Miteinander: „Ich komme gerne zur Arbeit und freue mich jeden Tag, die Leute hier zu treffen.“
Gibt es etwas, das dich besonders stolz macht?
„Im Großen und Ganzen ist es mein Team und meine Abteilung“, erzählt sie. Aber auch auf ihren eigenen Weg blickt sie mit Stolz: „Dass ich mich aus einer sehr schwierigen Phase rauskämpfen konnte und auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten kann.“
War die Arbeit mit Menschen mit Einschränkungen neu für dich?
Anfangs war die Situation für sie neu, doch schnell änderte sich ihr Blick darauf. „Ich sehe nicht die Einschränkungen, sondern den Menschen an sich“, betont sie. Für sie zählt vor allem das Miteinander: „Mir ist egal, ob jemand gesund ist oder eine Einschränkung hat. Mensch ist Mensch.“
Die Begegnungen im Alltag geben ihr viel zurück: „Ich freue mich jeden Tag, die Leute hier zu sehen – schon ein ‚Guten Morgen‘ oder ein Lächeln gibt mir viel positive Energie.“

„Ich fahre jeden Tag gerne zur Arbeit“ – Julian über Barrierefreiheit, Teamgeist und eine echte Chance
Julian ist seit dem ersten Tag Teil des Teams der Jugendherberge – mit einem Arbeitsplatz, der genau auf ihn zugeschnitten ist, und einem Team, das ihn mit echter Kollegialität unterstützt. Im Interview erzählt er von seinem Alltag, seiner Behinderung und warum er jeden Morgen mit einem Lächeln ins Büro kommt.
Wer bist du und wie bist du zur Jugendherberge gekommen?
Julian ist seit 2019 Teil des Teams. Er arbeitet als Empfangsmitarbeiter an der Rezeption, begrüßt Gäste bei ihrer Ankunft, kümmert sich um Abreisen und bearbeitet Buchungsanfragen, die per E-Mail eingehen. „Mein Arbeitsplatz ist technisch so ausgestattet, dass ich trotz meiner Behinderung gut zurechtkomme“, erklärt er.
Welche Behinderung hast du und wie wirkt sie sich auf deinen Alltag aus?
Julian lebt mit Muskeldystrophie Duchenne. „Bei meiner Krankheit werden die Muskeln im Laufe der Zeit immer weiter abgebaut“, beschreibt er.
„In letzter Zeit hat sich zum Glück nicht so viel verändert.“ Dank der barrierefreien Gestaltung seines Arbeitsplatzes kann er seine Aufgaben gut bewältigen. „Ich komme mit dem Rollstuhl überall hin – das wurde hier von Anfang an perfekt auf mich abgestimmt.“
Wie läuft ein typischer Arbeitstag bei dir ab?
„Ich werde morgens mit dem Taxi zur Arbeit gebracht. Dann logge ich mich am Computer ein, öffne die Kasse und starte in den Tag.“ Den Großteil seiner Arbeitszeit verbringt er vorne am Empfang – direkt im Zentrum des Geschehens.
Was ist das Besondere an deinem Team?
„Was ich an meinem Team richtig super finde: Alle sind total hilfsbereit. Wenn ich Unterstützung brauche, ist immer jemand da.“ Schon vor Arbeitsbeginn wird zum Beispiel sein Getränk bereitgestellt – in seinem eigenen Becher. „Und wenn ich morgens Hilfe brauche, um die Jacke auszuziehen, hilft mir auch jemand. Das ist einfach schön.“
Wie hast du die Unterstützung durch die Hausleitung erlebt?
Auch die Hausleitung unterstützt ihn stark: „Ich habe von Anfang an viel Rückhalt bekommen. Es wurde alles so eingerichtet, dass ich gut arbeiten kann – ohne Barrieren und mit viel Verständnis.“
Wie unterscheidet sich dieser Arbeitsplatz von früheren?
„Es ist gar nicht so leicht, überhaupt eine Firma zu finden, die so barrierefrei eingerichtet ist wie hier“, sagt Julian. „Oft gibt es Stufen am Eingang, zu enge Türen oder keine geeigneten Toiletten für Rollstuhlfahrer. Hier ist das ganz anders.“ Auch das Betriebsklima hebt er hervor: „Bei meinem früheren Arbeitgeber war das nicht so gut. Ich saß oft allein im Büro und hatte niemanden, der mir helfen konnte. Hier habe ich immer jemanden an meiner Seite.“
Hat sich durch die Arbeit hier deine Einstellung verändert?
„Auf jeden Fall“, sagt Julian. „Ich habe gemerkt, dass mir die Arbeit richtig Spaß macht. Ich habe hier mit vielen Menschen Kontakt – in jedem Alter. Und ich bin einfach froh, dass ich so eine Chance bekommen habe. Ich fahre jeden Tag gerne zur Arbeit.“

„Wir sind ein richtig gutes Team“ – Stephan über Neuanfänge, Zusammenhalt und echte Wertschätzung
Stephan ist technischer Leiter in der Jugendherberge und das mit voller Überzeugung. Im Gespräch erzählt er von seinem Start 2019, der besonderen Teamdynamik und warum er seinen Job als etwas ganz Besonderes empfindet.
Wer bist du und wie kamst du zur Jugendherberge?
Mit einem sympathischen Lächeln stellt sich Stephan vor. Seit dem 1. September 2019 ist er Teil des Teams in der Jugendherberge.
Was macht deinen Job für dich besonders?
„Ich bin voll zufrieden hier. Das ist wirklich einer der besten Arbeitgeber – vielleicht sogar der beste, den ich je hatte“, sagt Stephan mit Nachdruck. Was für ihn zählt, ist das Miteinander: „Das liegt an den Menschen hier. Wir haben ein super Team.“
Wie hat sich euer Team zu Beginn zusammengefunden?
„Als wir 2019 gestartet sind, kannte niemand den anderen. Wir wurden alle neu zusammengesetzt. Keiner wusste, worauf er sich einlässt – auch nicht in Bezug auf Inklusion.“ Dann hält Stephan kurz inne. „Wobei ich das Wort ‚Inklusion‘ eigentlich nicht mag. Ich sage einfach: Mitarbeiter. Denn genau das sind wir – Kolleginnen und Kollegen. Ganz normal.“
Wir für alle
Gemeinsam gestalten wir einen Ort, an dem Vielfalt gelebt wird und jede*r seine Stärken einbringen kann. Denn echte Inklusion bedeutet, dass wir voneinander lernen und miteinander wachsen.