Gemeinsam reisen
Im Verein „Freizeit ohne Barrieren e. V." (FoB) engagieren sich junge Menschen ehrenamtlich, um Menschen mit Behinderung auf Urlaubreisen zu begleiten. Das funktioniert in enger Zusammenarbeit mit dem Reiseveranstalter YAT Reisen, der diese besonderen Gruppenreisen anbietet. Oft übernachten die Reisegruppen in Jugendherbergen.
Gut vorbereitet in den Urlaub starten
Um die Ehrenamtlichen optimal auf ihre Einsätze vorzubereiten, bietet der Verein regelmäßig bundesweite Basisschulungen an. Wir waren bei einer Schulung in der JUGENDHERBERGE DORTMUND dabei.
„Achtet auf euren Rücken!“, mahnt Schulungsleiterin Melina Kirsch während sie demonstriert, wie sie Teamkollegin Kaja vom Bett in den Rollstuhl umsetzt. Ihr Appell: Teamwork ist das A und O. „Holt euch jemanden dazu - ihr seid als Team unterwegs!“
Wie wichtig Teamarbeit und Aufmerksamkeit sind, zeigt sich beim Rollstuhlspaziergang auf dem belebten Wochenmarkt. Besonders dann, wenn es über Treppen und Kopfsteinpflaster geht. „Als Schieber*in siehst du die Fußstützen kaum. Da bist du ganz schnell an den Waden der Leute“, schmunzelt Reisebegleitung Charlen.
Trotz aller Herausforderungen sind sich nach der praktischen Übung alle einig: Das Engagement lohnt sich.

Jugendherbergen - beliebte Reiseziele
Melina leitet nicht nur Schulungen. Sie nutzt auch ihren kompletten Jahresurlaub, um als Reiseleiterin für FoB aktiv zu sein. Besonders gern mit Übernachtungen in Jugendherbergen. „In Jugendherbergen ist es oft entspannter als in Hotels, vor allem, wenn es mal laut wird oder individuelle Eigenheiten für Stress sorgen. Viele Gäste sind offen, wenn wir Situationen erklären. Zum Beispiel, dass jemand schreit, weil er sich freut. Die Berührungsängste verschwinden dann schnell."
Ein weiterer Vorteil von Jugendherbergen: „Wir können Gruppenräume nutzen, in denen wir basteln, Reisetagebücher oder Postkarten schreiben können", sagt Melina. „Außerdem liegen viele Häuser in schönen Regionen, wo man coole Ausflüge machen kann.”
Wie zum Beispiel die JUGENDHERBERGE HEIDELBERG direkt neben dem Zoo, der durch einen eigenen Eingang zu erreichen ist. Oder die JUGENDHERBERGE DORTMUND, die FoB für Schulungen nutzt, weil sie die passenden Seminarräume bietet und zentral liegt.

Barrierefrei - wo funktioniert's?
In Bezug auf Barrierefreiheit sind die Jugendherbergen auf einem guten Weg. „Die barrierefreien Bäder, die ich bislang gesehen habe, sind schon optimal!", sagt Melina. Auch bei den barrierefreien Zimmern sei vieles bereits so gestaltet, wie es gebraucht wird. „Nur wenn Stockbetten so niedrig sind, dass man sich nicht aufsetzen kann, wird es schnell schwierig." Positives Beispiel: die JUGENDHERBERGE SPEYER. „Hier wurde bei der Modernisierung bereits an solche Details gedacht."
„Bei unseren Reisenden ist die JUGENDHERBERGE HEILBRONN sehr beliebt. Dort ist sogar die Rooftop-Bar mit dem Rollstuhl erreichbar", freut sich Enja Günther, Schulungskoordinatorin beim FoB e.V. „Hoch im Kurs steht auch die JUGENDHERBERGE OLDENBURG mit Türen, die sich automatisch öffnen, und einer abgesenkten Rezeption."
Doch Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Rampen, Aufzüge und breite Gänge. Die Hindernisse für geräuschsensible Menschen sehen anders aus. Ein großer Speisesaal mit lauten Schulklassen kann schnell überfordern. „Trennwände oder Pflanzen können helfen, geschütztere Räume zu schaffen - so wie in Dortmund," rät Melina.


