Über unser Schutzkonzept
„Wir alle müssen lernen, für möglich zu halten, dass sexualisierte Gewalt in unserem ganz persönlichen Umfeld stattfindet, dass wir alle mit großer Wahrscheinlichkeit betroffene Kinder und wahrscheinlich auch Täterinnen und Täter kennen. Nur wer das begreift, wird sich zuständig fühlen und bereit sein zu handeln.“
Kerstin Claus, Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
Schutzkonzept in den Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland
Die Landesverbände Westfalen-Lippe und Unterweser-Ems im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) sind anerkannte Träger der freien Jugendhilfe und satzungsgemäß „vor allem für junge Menschen aus aller Welt tätig, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung oder politischen Partei und dienen dem gegenseitigen Verständnis und friedlichen Miteinander der Völker“.
In den 55 Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland fördern wir mit pädagogischen Konzepten nachhaltige Erziehungs- und Bildungsziele. Unsere Jugendherbergen sind anerkannte außerschulische Lernorte im Sinne einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und mit ihrem Bildungskonzept und ihrer Programmwelt seit Jahrzehnten ein erfahrener Partner für Schulen.
Im Jahr 2025 haben die Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland zusammen knapp 1,3 Millionen Übernachtungen realisiert und sind damit einer der größten Anbieter von Kinder- und Jugendreisen. Hauptzielgruppen sind Schulklassen, gefolgt von Freizeitgruppen und Familien.
Klassenfahrten, Feriencamps, Sportfreizeiten oder Gruppenreisen von Vereinen – sie machen die breite Palette der Angebote rund um Kinder- und Jugendreisen aus. Und sie alle haben zum Ziel, jungen Menschen unterschiedlichen Alters die Erfahrung von Reisen, Begegnungen, Gruppengefühl, neuen Welten und Eindrücken zu ermöglichen. „Diese Angebote tragen dazu bei, dass Kinder und Jugendliche auf Reisen ohne Eltern neue Selbständigkeit und relative Freiheit erleben und dadurch eine Stärkung des Selbstbewusstseins erfahren können“, fasst es die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Kerstin Claus, zusammen.
Die Veranstalter und Betreuer dieser Reisen haben dabei die Verantwortung für die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen. Der Schutz vor Gewalt und sexualisierter Gewalt im Allgemeinen und im Rahmen von Kinder- und Jugendreisen im Besonderen, stellt eine große Herausforderung dar. Auf Kinder- und Jugendreisen sammeln die Teilnehmenden auf verschiedensten Ebenen neue Erfahrungen, die für ein gesundes Heranwachsen wichtig sind. Gleichzeitig bergen Kinder- und Jugendreisen Risiken und Gefahrenpotentiale für Gewalt und sexualisierte Gewalt.
Diesen Gefahrenpotentialen begegnen wir als Landesverbände mit gemeinsam rund 1.200 Mitarbeitenden in den Geschäftsstellen und Jugendherbergen mit dem vorliegenden Schutzkonzept.
Unser Anspruch: Jede Jugendherberge ist für unsere Gäste, Mitarbeitende, Programmpartner und Dritte ein möglichst geschützter Ort mit gegenseitiger Achtung und Toleranz.
Ziele und Grundlagen unseres Schutzkonzepts
Ziele und Grundlagen unseres Schutzkonzeptes sind:
- Prävention: Wir setzen eine Vielzahl von Maßnahmen mit dem Ziel um, Gefährdungen des Kindeswohls vorzubeugen. Hilfe und Sichtbarkeit: Kinder und Jugendliche erfahren bei uns, an wen sie sich im Notfall wenden können.
- Sensibilisierung: Alle unsere Mitarbeitenden werden für das Thema Schutz vor Gewalt der bei uns untergebrachten Kinder und Jugendlichen sensibilisiert.
- Handlungssicherheit: Wir verpflichten Mitarbeitende und Partner*innen auf klare Verhaltensgrundsätze beispielsweise zum Thema Nähe und Distanz oder im Konfliktfall. Für den Ernstfall haben wir konkrete Präventions- und Interventionsmaßnahmen sowie Notfallpläne für die Jugendherbergen und Geschäftsstellen.
- Abschreckung: Unser Schutzkonzept ist ein klares Signal an potentielle Täter*innen und Betroffene, dass der Schutz vor Gewalt und sexualisierter Gewalt in unseren Einrichtungen ernst genommen wird.
- Vernetzung: Es gibt eine Übersicht über die wichtigsten regionalen und überregionalen Kontakt- und Fachberatungsstellen.
Unser Schutzkonzept soll dazu beitragen, das Risiko von Gewalt und sexualisierter Gewalt in unseren Jugendherbergen zu minimieren. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen als besonders vulnerable Gruppe hat hierbei einen besonderen Stellenwert. Gleichzeitig betrachten wir alle Maßnahmen bewusst ganzheitlich und beziehen hier auch unsere Mitarbeitenden sowie erwachsenen Gäste mit ein, auch wenn diese nicht immer ausdrücklich genannt werden.
Ein Schutzkonzept gibt es nicht „von der Stange“, jede Einrichtung oder Organisation sollte dieses selbst entwickeln. Nur mit Einbindung aller Beteiligten, unserer Mitarbeitenden, Gäste sowie Fachkräften und Beratungsstellen, können wir uns der Herausforderung zum Schutz vor Gewalt und sexualisierter Gewalt bestmöglich stellen und das vorliegende Papier mit Leben füllen.
Unsere Schutzkonzepte-Projektgruppe spiegelt diesen Anspruch wider: Wir arbeiten in einem Team aus Hausleitungen, Fachabteilungen der Geschäftsstellen sowie externen Fachleuten und Berater*innen an der Implementierung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der Schutzkonzepte. Auf Landesverbands-Ebene haben die Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland ein Rahmenschutzkonzept
entwickelt und implementiert. Dieses wird durch jeweils hausspezifische Schutzkonzepte für alle 55 Jugendherbergen ergänzt.
Unsere Schutzkonzepte werden fortlaufend evaluiert und weiterentwickelt.