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Risiko- und Potenzialanalysen

Institutionelle Schutzkonzepte helfen dabei, Gefahrenpotentiale in Strukturen und Abläufen zu identifizieren und Maßnahmen zur Prävention und Intervention abzuleiten. Denn nur wer die Gefahr (er-)kennt, kann ihr auch wirksam begegnen. Insofern ist die Risiko- und Potenzialanalyse (RPA) ein wesentlicher Bestandteil des Schutzkonzeptes. 

Die Risikoanalyse verfolgt systematisch zwei Fragen: Welche Bedingungen vor Ort könnten Täter*innen ausnutzen (Jugendherberge als Schutzort)? Und: Finden betroffene Kinder und Jugendliche vor Ort Ansprechpersonen, die sensibilisiert sind, ihnen zuzuhören und zu helfen (Jugendherberge als Kompetenzort)?

Die Potenzialanalyse fragt, welche präventiven Strukturen oder Maßnahmen schon vorhanden sind, auf die das Schutzkonzept aufbauen kann, zum Beispiel zum Thema Sucht, Mobbing oder Gewalt. 

Die RPA haben wir auf unterschiedlichen Ebenen durchgeführt: Zum einen als übergeordnete RPA für unsere Landesverbände insgesamt und individuell für die 55 Jugendherbergen.

Übergeordnete Risiko- und Potenzialanalyse

Die übergeordnete RPA für die beiden Landesverbände Unterweser-Ems und Westfalen-Lippe wurde von den zuständigen Kolleginnen der Landesgeschäftsstellen in Zusammenarbeit mit transfer e.V. durchgeführt und im April 2025 abgeschlossen.

Fragen zu den Zielgruppen, den Räumlichkeiten (innen und außen) sowie zu den beteiligten Personengruppen sind von Jugendherberge zu Jugendherberge so unterschiedlich, dass sie im Rahmen der hausspezifischen RPA analysiert werden. Sie wurden daher bei der übergeordneten RPA ausgelassen. 

Abgefragt wurden die folgenden Bereiche: 

  • Personalverantwortung (Einstellung, Fortbildung)
  • Strukturen und Prozesse (Information, Kommunikation, Intervention, Krisenmanagement) 
  • Konzept (pädagogisches Konzept, Gästekontakt) 
  • Information (Beteiligung, Beschwerdemanagement, Ansprechpersonen, Beratung) 

Die RPA zeigt, dass die Landesverbände beispielsweise in den Strukturen und Prozessen schon gut aufgestellt sind (z.B. Krisenmanagement). Durch gezielte Maßnahmen werden diese durch Aspekte des Kinderschutzes gezielt ausgebaut, beispielsweise im Onboarding-Prozess, der Gastkommunikation oder im Schulungsbereich. 

Aus der RPA und dem Schutzkonzept insgesamt wurde ein Maßnahmenkatalog abgeleitet, der Schritt für Schritt umgesetzt wird.

Individuelle Risiko- und Potenzialanalysen in den Jugendherbergen

Unsere Landesverbände haben individuelle RPAs für alle 55 Jugendherbergen erstellt. Um in der Risiko- und Potentialanalyse unterschiedliche Perspektiven – beispielsweise von Gästen, Mitarbeitenden, Erwachsenen und Kindern – zu berücksichtigen, haben wir unsere Gäste und externe Kooperationspartner gebeten, mit offenen Augen durch die Jugendherberge und über das Grundstück zu laufen, Abläufe zu überdenken, auch Fragen zu Dingen zu stellen, die ihnen wichtig sind.

In der Projektgruppe wurden fünf individuelle Fragebögen für Leitungskräfte, weitere Mitarbeitende, (minderjährige) Gäste und Programmpartner erstellt. Diese wurden erstmalig als Online-Fragebogen Anfang 2025 in allen 55 Jugendherbergen ausgefüllt. Die Ergebnisse werden mit fachlicher Unterstützung durch den Verein transfer e. V. ausgewertet und ggf. nötige Maßnahmen pro Jugendherberge abgeleitet und geprüft.

Die RPA soll alle drei Jahre wiederholt werden, um sowohl das Rahmenschutzkonzept, als auch die 55 einrichtungsbezogenen Schutzkonzepte fortlaufend weiterzuentwickeln. Die Erkenntnisse der einzelnen RPAs fließen jeweils in die Entwicklung des hausspezifischen Schutzkonzeptes ein.

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