GEMEINSAM FÜR DIE (JUGEND)ARBEIT: ENGAGEMENT MIT PARTNERN IM POLITISCHEN RAUM
Seit jeher setzt sich der DJH-Landesverband M-V gemeinsam mit Partnern aus der Jugendhilfe für eine bedarfsgerechte Anhebung der strukturellen Förderung von Jugendverbänden sowie der Förderung von Kinder- und Jugendfreizeiten ein. Das Phänomen der Einzelplatzstornierungen, das in 2023 vermerhrt auftrat und ein Warnsignal für sinkende Teilhabe darstellt, veranlasste den Verband bestehende Forderungen erneut in den politischen Raum zu tragen.
Die erhöhte Zahl an Einzelplatzstornierungen im Jahr 2023, die der DJH-Landesverband M-V anhand der eigenen Entwicklung in seinen Jugendherbergen belegen kann, ist nur ein Indiz für den stetig wachsenden Finanzbedarf in Strukturen von Schule und Jugendarbeit. Leidtragende sind Kinder und Jugendliche, denen durch fehlende finanzielle Mittel die Teilhabe verwehrt bleibt.
Im engen Austausch mit den eigenen Gästegruppen wurde im Jahresverlauf 2023 schnell deutlich, dass hinter den Einzelplatzstornierungen Kinder und Jugendliche standen, die aus finanziellen Gründen zu Hause bleiben mussten, während die übrigen Teilnehmenden der eigenen Jugendfreizeit und Klassenfahrt die geplante Reise antraten. Doch die Auswirkungen mangelnder Teilhabe sind viel umfassender. Kinder und Jugendliche aus armutsgefährdeten Familienverhältnissen fehlt oft auch das Geld für den Vereinsalltag. Somit verlieren etablierte Strukturen in der Jugendarbeit sukzessive den Zugang zur Peergroup.
Ein weiterer Grund für Einzelplatzstornierungen 2023 war ein steigender Betreuungsbedarf auf Reisen durch vermehrte Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen nach den Corona-Jahren. Hiervon berichteten insbesondere auch Lehrer*innen: Der für Klassenfahrten vorgesehene und damit finanzierbare Betreuungsschlüssel reichte oft nicht aus, um auch jene Kinder mitnehmen zu können, die einen erhöhten Betreuungsbedarf aufgrund von psychisch bedingten Belastungen benötigten.
Die Alarmsignale verdichteten sich! Deshalb setzte der DJH-Landesverband M-V gemeinsam mit dem Landesverband der Schullandheime M-V auch im Jahr 2023 seine in den Corona-Jahren begonnenen Bemühungen fort, die Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern auf die kritische Lage der Kinder und Jugendlichen hinzuweisen und eine stärkere Unterstützung der Jugendhilfestrukturen zu fordern.
In einem Spitzengespräch mit den Fachminister/innen zuständiger Landesministerien stellten beide Verbände Forderungen auf, bezogen auf die im Jahr stattgefundenen Haushaltsplanungen (Doppelhaushalt 2024/2025) der Landesregierung M-V:
Bedarfsgerechte Aufstockung des Landesjugendplans M-V im Bereich Zuwendung an Landesjugendverbände für Personal- und Sachkosten, um die geschwächten Strukturen der Jugendverbände im Land zu stärken.
Erhalt der in den Jahren 2021-2023 mithilfe des Corona-Aufholpaket erhöhten Fördersätze für Kinder- und Jugendfreizeiten und dauerhafte Aufnahme der Fördersätze in den Landesjugendplan M-V , um unvermeidbare Kostensteigerungen auf Anbieterseite nicht allein auf den vermehrt finanzschwachen Elternhäusern lasten zu lassen.
Verstetigung der investiven Förderung für Einrichtungen der Jugendarbeit/Jugendbildung sowie Jugenderholung im Landesjugendplan M-V, um die Infrastruktur der Einrichtungen nachhaltig zu sichern.
Im weiteren politischen Dialog fanden gemeinsame Fachgespräche des DJH-Landesverbandes M-V und des Landesverbandes der Schullandheime M-V mit Vertreter*innen der Regierungsfraktionen statt. Beide Verbände folgten in ihren Forderungen nach Ausfinanzierung der Jugendverbandsarbeit und Aufstockung der Förderung von Ferienfreizeiten dem Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern (LJR M-V). In einer gemeinsamen Pressemitteilung von LJR M-V und DJH M-V wurde im September 2023 die Notwendigkeit von bezahlbaren Ferienfreizeiten mit Unterstützung von betroffenen Verbänden nochmals unterstrichen.
Trotz der gemeinsamen Bemühungen wurden die Forderungen zur Ausfinanzierung und Aufstockung des Landesjugendplans M-V für die Haushaltsjahre 2024 und 2025 nur teilweise erfüllt:
1. Es erfolgte eine Anhebung der Fahrtenförderung von 2,50 € auf 10 € pro Kind und Tag. Gefordert waren jedoch eine Erhöhung auf 15 € pro Tag und Kind und 25 € pro Tag für Kinder mit besonderen Bedarfen.
2. Es erfolgte eine Aufstockung der Mittel für Personal- und Sachkosten der Landesjugendverbände um 2,3 %. Gefordert war jedoch eine Aufstockung der Mittel um mindestens 50%.
3. Es erfolgte eine Reduzierung der investiven Förderung für Einrichtungen der Jugendarbeit/Jugendbildung sowie Jugenderholung auf 0 EUR. Gefordert war jedoch eine Verstetigung auf rund 1.800.000 €, die noch in den Vorjahren aus Regierungsmitteln zur Verfügung standen.
Der DJH-Landesverband M-V und seine Partner werden sich weiterhin dafür stark machen, dass die öffentlichen Förderbereiche zusammen gedacht werden, um eine nachhaltige Stärkung von Jugendverbänden und Jugendübernachtungsstätten zu gewährleisten. Denn nur im Zusammenspiel von Jugendhilfeträgern mit ausreichend Ressourcen und Personal und nur mit einer stabilen Infrastruktur an betriebsfähigen Jugendübernachtungsstätten können die für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen so wertvollen Jugendfahrten überhaupt durchgeführt und die dafür bereitgestellten Mittel abgerufen werden.
Um den Zusammenhang von strukturellen Problemen im Umfeld von Schule und Jugendarbeit und deren Auswirkungen auf Jugendfahrten genauer zu beleuchten, führen der DJH-Landesverband M-V und der Landesverband der Schullandheime M-V gemeinsam eine Zielgruppenbefragung durch. Ziel ist es, bei Lehrer*innen, Gruppenverantwortlichen und engagierten Eltern herauszufinden, wie die Planungsverantwortlichen die Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Zielstellungen ihrer Fahrten einschätzen. Ersten Ergebnissen zufolge werden Finanzierungslücken für die Fahrtenplanung, Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen sowie fehlende Betreuungskapazitäten bei den Trägern als zunehmende Verhinderungsgründe genannt. Eine Endauswertung der Umfrage ist nach der Saison 2024 geplant.
Neben einer auskömmlichen Finanzierung für seine Zielgruppen setzte sich der DJH-Landesverband M-V in 2023 auch in vielfältiger anderer Form dafür ein, dass die jungen Gäste in den Jugendherbergen einen Ort der Begegnung, Bildung und Entfaltung vorfinden, der ihren Bedürfnissen gerecht wird. Gegenstand dieser Bemühungen waren unter anderem die Durchführung internationaler Jugendbegegnungen, eine jugendgerechte Produktgestaltung, verbesserte Vertriebsbedingungen sowie Investitionen und Neuerungen in den Jugendherbergen.
Hierzu weiterlesen: Begegnung & Vielfalt – Schlaglichter aus dem Jugendherbergsjahr 2023