JAHRESBILANZ: ERFREULICHES ÜBERNACHTUNGSERGEBNIS VERSUS BEDROHTE TEILHABE

 

 

Stabiles Jahresergebnis & positive Übernachtungsentwicklung in schweren Zeiten

Der DJH-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern schloss das Geschäftsjahr 2023 mit insgesamt 292.350 Übernachtungen ab. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Zuwachs der Übernachtungen bei +4% gegenüber den im Jahr 2022 gezählten 281.350 Übernachtungen. Die Auslastungsquote in den Jugendherbergen des DJH-Landesverbandes M-V hat sich im Vergleich zu 2022 von 38,1% auf 39,5% im Jahr 2023 verbessert.
Gegenüber dem letzten normalen Geschäftsjahr „vor Corona“ lagen die Übernachtungen im Jahr 2023 um -9,6% gegenüber 2019 zurück, bereinigt um die zwischenzeitlich geschlossenen vier Jugendherbergen. Verglichen sind hier insofern nur die Übernachtungsergebnisse der Jugendherbergen, die sowohl im Jahr 2019, als auch im Jahr 2023 in Betrieb waren. Auch die durchschnittliche Auslastung der Jugendherbergen liegt noch unter dem Stand vor Corona (39,5% im Jahr 2023, 42,7% im Jahr 2019).

Obwohl das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht wurde, muss berücksichtigt werden, dass dennoch eine enorme Stabilisierung seit den Corona-Jahren 2020 und 2021 stattgefunden hat, in denen der Kinder- und Jugendreisemarkt praktisch völlig zum Erliegen gekommen war.

Die bei der Auslastungsberechnung berücksichtigte Bettenanzahl wird bei nicht ganzjährig geöffneten Jugendherbergen auf einen durchschnittlichen Jahreswert korrigiert.

* Abweichung Anzahl betriebener & geöffneter Jugendherbergen 2020-2022:
Die Zahl in den Balken (hier Spalte 2) gibt die Anzahl der vom DJH-Landesverband M-V im jeweiligen Jahr betriebenen Jugendherbergen wieder.
In den Jahren 2020/2021 waren die damals 14 vom DJH-Landesverband M-V betriebenen Jugendherbergen zeitweise geschlossen (Beherbergungsverbot, Teilöffnung).
In 2022 blieb die JH Waren betriebsbedingt vorübergehend geschlossen.
In 2022 öffneten 11 von 12 vom Verband betriebenen Jugendherbergen zum 27.03.2022.
Die Auslastung wird über das ganze jeweilige Kalenderjahr  hinweg wiedergegeben, auch wenn Häuser in 2020-2022 vorübergehend nicht geöffnet waren.

 

Die Steigerungen im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr zeigen, dass die Akzeptanz der Kernzielgruppen Schule und Jugendgruppe generell zurückgekehrt ist. Das ist umso erfreulicher, wenn man berücksichtigt, dass die Herausforderungen für Kinder- und Jugendreisen in den zurückliegenden Jahren stetig gestiegen sind:
Durch die Corona-Zeit nachhaltig geschwächte Strukturen und eine angespannte Personalsituation in Schule und Jugendarbeit machen es den Akteuren schwerer, Reisen zu organisieren und durchzuführen.

Seit der durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine weltweit ausgelösten Wirtschafts-, Energiekrise und Inflation macht sich stärker denn je ein Kaufkraftverlust in den Elternhäusern bemerkbar. Die verschlechterten Wirtschaftsbedingungen sorgen zudem dafür, dass
der DJH-Landesverband M-V unter enormem Kostendruck steht: Steigende Personalkosten, steigende Lebensmittelpreise, steigende Energiekosten, steigende Materialpreise und Leistungsentgelte für betriebliche Instandhaltung und Instandsetzung.
Das Preisniveau der Jugendherbergen lag im Jahr 2023 im Durchschnitt um +20% über dem Preisniveau von 2019. Wenngleich man auch betonen muss, dass die Akzeptanz der Zielgruppe hinsichtlich der gestiegenen Preise durch eine langfristige Preisfestlegung und Verlässlichkeit erreicht werden konnte. Die Gäste haben sich langfristig auf die Preisveränderungen eingestellt.,
In Hinblick auf diese erschwerten Bedingungen ist das Jahresergebnis 2023 erfreulich und gibt den 12 Jugendherbergen des DJH-Landesverbandes M-V und der gesamten Belegschaft ein positives Signal: Die Arbeit vor Ort wird wieder nachgefragt und wertgeschätzt.


Betriebsfähigkeit aller Jugendherbergen durch Stabilisierung in der Belegschaft

Auch in der Betriebsfähigkeit der Jugendherbergen konnte im Jahr  2023 eine weitreichende Stabilisierung erreicht werden: Nachdem noch im Jahr 2022 die Jugendherberge Waren aufgrund von Personalengpässen geschlossen bleiben musste  und übergangsweise als Geflüchtetenunterkunft vom Deutschen Roten Kreuz genutzt wurde, konnte für die Saison 2023 ausreichend Personal gewonnen werden. Zudem entspannte sich die Personalsituation in allen Häusern maßgeblich im Vergleich zum Vorjahr.

In Bezug auf die Winteröffnungszeit der Ganzjahreshäuser kehrte man sukzessive zur Normalität zurück: Vom 01.01.- 15.03.2023 sowie vom 01.11.- 31.12.2023 wurden die Öffnungszeiten der als Ganzjahreshäuser betriebenen Jugendherbergen der Nachfrage angepasst. So waren  Buchungen in dieser Zeit ab einer Gruppenstärke von 20 Personen möglich, zudem gab es eine feste Öffnungszeit der Jugendherbergen Wismar, Warnemünde und Heringsdorf über Silvester. Ziel hierbei war es, sukzessive die  Winteröffnungszeit wieder zu etablieren und zugleich – bei generell schwacher Nachfrage im Winterhalbjahr – die Wirtschaftlichkeit im Gesamtbetrieb zu stabilisieren.

Das Ergebnis in den Jugendherbergen zeichnet sich wie folgt ab:

Die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern teilen sich seit jeher in sogenannte Saison- und Ganzjahreshäuser. Saisonhäuser werden regulär von März bis Oktober geöffnet und erzeugen entsprechend der saisonal bedingten Nachfrage im Sommerhalbjahr eine durchschnittlich  höhere Auslastungsquote. Bei Ganzjahreshäusern hingegen zahlt die stark abfallende Belegung in den Wintermonaten stets etwas negativ auf die Auslastungsquote ein, so auch im Jahr 2023.

 


Zielgruppenverhältnis & Quellmärkte kehren zum gewohnten Verhältnis zurück

In der Zielgruppenverteilung spiegelt sich im Jahr 2023 die Konsolidierung bei den Kernzielgruppen Schule und Jugendgruppe wieder:
In der Gesamtbetrachtung der Übernachtungszahlen haben sich die Zielgruppenanteile in den Jugendherbergen des DJH-Landesverbandes M-V wieder auf ein übliches Maß entwickelt. Der Anteil von Einzelgästen und Familien betrug ungefähr ein Drittel und die Gruppensegmente haben sich in ursprünglichen Größenordnungen wieder als Hauptzielgruppe mit einem Anteil von insgesamt zwei Dritteln konsolidiert.
In den Corona-Jahren hatte es eine Umkehr des Zielgruppenverhältnisses Familien/Einzelreisende und Gruppensegmente gegeben, was insofern problematisch war, als dass die Anzahl der Gesamt-Übernachtungen aufgrund des durch die Corona-Auflagen weitgehend verhinderten  Gruppensegments insgesamt um rund -67% gesunken war.


Ähnlich wie die Zielgruppenverteilung kann bei den Kernquellmärkten eine Rückkehr zu einer üblichen Verteilung der Vor-Coronazeit beobachtet werden:
Die Kernquellmärkte der Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern speisen sich seit jeher aus dem Nahbereich, da Schulen und Jugendgruppen traditionellerweise weniger entfernte Reiseziele ansteuern. Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg teilen sich im Jahr 2023 wie üblich die Spitzenpositionen. Wo in der Vergangenheit Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stets die Führung übernahmen, ist nun schon im fünften Jahr in Folge Sachsen mit steigenden Zahlen zu beobachten, im Jahr 2023 sogar erstmals auf Platz 2 vor Mecklenburg-Vorpommern.


Mitgliederentwicklung 2015 bis 2023

Im Jahr 2023 liegen die Mitgliederzahlen wieder leicht über denen der beiden Vorjahre. Auch hier ist eine, wenn auch zaghafte, Restabilisierung zu erkennen, (+2,1 % gegenüber 2022).
Von 2014 bis 2019 waren die DJH-Mitgliederzahlen in Mecklenburg-Vorpommern stetig gewachsen.
In den Corona-Jahren erlebten die Zahlen einen Einbruch. In den Corona-Jahren hatte die DJH-Mitgliedschaft wenig Nutzen, weil die Corona-Pandemie die sonst unbeschränkte Nutzbarkeit der Jugendherbergen verhinderte. Die Rückkehr der Kernzielgruppen schlägt sich 2023 erstmals wieder in steigenden Mitgliederzahlen wieder.

 

Die Mitgliederzahlen des DJH-Landesverbandes M-V setzen sich ausschließlich aus Mitgliedern zusammen, deren Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern liegt. DJH-Mitglieder, die in die Jugendherbergen Mecklenburg-Vorpommerns reisen, aber in anderen Bundesländern leben, sind nicht Teil der Mitgliederzahl des DJH-Landesverbands M-V.


Einzelplatzstornierungen verhindern ursprüngliche Erwartungen

Trotz der erfreulichen Stabilisierung im Jugendreisen und der Entschlossenheit der für Jugendherbergen typischen Zielgruppen, wieder langfristige Reisepläne zu verfolgen, blieb der DJH-Landesverband M-V in 2023 hinter dem geplanten Jahresergebnis zurück.
Nach einem überraschend erfolgreichen Nach-Coronajahr 2022 lagen die Erwartungen für 2023 bei 306.700 Übernachtungen. Die im Ergebnis tatsächlich erreichten 292.350 Übernachtungen lagen jedoch um -4,7 % hinter den Erwartungen. Die Zielabweichung beträgt somit 14.350 Übernachtungen.

Grund hierfür waren nicht etwa ausgebliebene Buchungen. Schließlich war der langfristige Vorbuchungsstand für das Jahr 2023 schon zum Planungszeitpunkt im Herbst 2022 sehr vielversprechend. Entgegen der Prognosen, die anhand des Vorbuchungsstands gemacht werden konnten,  trat eine deutliche  Verringerung der Teilnehmerzahlen von Bestandsbuchungen im Gruppensegment ein. Das bedeutet die Gruppenbuchung blieb zwar bestehen, aber signifikant weniger Teilnehmende als ursprünglich angemeldet traten die Reise an.
Diese sogenannten Einzelplatzstornierungen innerhalb von Bestandsbuchungen minderten widererwartend das Ergebnis. Die Einzelplatzstornierungen traten verstärkt kurzfristig, wenige Monate vor Reisebeginn, auf und das bei Buchungen, die, wie im Gruppensegment üblich, bereits länger als ein Jahr im Voraus getätigt worden waren. Durch diese Einzelplatzstornierungen sind im Jahr 2023 insgesamt -16.608 Übernachtungen verloren gegangen.

Insofern waren Einzelplatzstornierungen ausschlaggebend für die Verfehlung des ursprünglichen Planziels für das Jahr 2023. Gute Vorbuchungszahlen, in denen sich das generelle Vertrauen und die Akzeptanz der Zielgruppe widerspiegelten, hielten nicht stand.  Durch die Kurzfristigkeit und Häufung ließ sich eine anderweitige Belegung in einem Großteil der Fälle nicht realisieren. Zwar konnten im Einzelfall vertraglich vereinbarte Stornierungsgebühren erhoben werden, jedoch gelang der damit verbundene Verlustausgleich nur anteilig.
Einzelplatzstornierungen waren schon immer ein typisches Gruppenphänomen, wenn beispielsweise durch plötzliche Erkrankung ein Schüler die Klassenfahrt nicht antreten konnte. Neu war im Jahr 2023 jedoch das Ausmaß und die weitreichende Betroffenheit in allen typischen Jugendsegmenten: Schulklassen, Jugendchöre, Sportgruppen, Ferienfreizeiten etc.
Nach eigenen Erhebungen im DJH-Landesverband M-V waren im Jahr 2023 insgesamt 824 Gruppenbuchungen von Einzelplatzstornierungen betroffen. Im Durchschnitt verlor jede betroffene Gruppenbuchung -13,21% der ursprünglich geplanten Teilnehmerzahl.

Als Ursache für die gestiegene Zahl an Einzelplatzstornierungen wird die Verbindung zur generellen Verschlechterung im gesamtgesellschaftlichen Umfeld gesehen, genauer gesagt zu Inflation und Kaufkraftverlust in Folge der seit 2022 bestehenden Wirtschafts- und Energiekrise.
Die Armutsquote in Deutschland hat im Jahr 2023 einen traurigen Höchststand erreicht. Laut Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes ist mehr als jedes fünfte Kind von Armut betroffen (21,8 Prozent). Unter Alleinerziehenden lag die Armutsquote bei 43,2 Prozent.[1]
Gleichzeitig wurden in den Strukturen von Schule, Bildung, Jugendhilfe und Jugendarbeit staatliche Zuwendungen nicht den sich insgesamt verschlechterten Gegebenheiten angepasst, so dass trotz steigenden Förderbedarfs der einschlägigen Jugendbereiche zu wenige Kompensationsmittel zur Verfügung standen und auch weiterhin nicht zur Verfügung stehen.

Das Ergebnis dieser traurigen Entwicklung ist die sinkende Teilhabe von immer mehr betroffenen Kindern und Jugendlichen an Angeboten der Jugendarbeit und Jugendhilfe, für die in vielen Bereichen die Jugendfahrten zentraler Bestandteil sind. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt sich der DJH-Landesverband M-V seit jeher gemeinsam mit Partnern aus der Jugendhilfe für eine bedarfsgerechte Anhebung der strukturellen Förderung von Jugendverbänden sowie der Förderung von Kinder- und Jugendfreizeiten ein.
hierzu weiterlesen: Gemeinsam für die Jugend: Engagement mit Partnern im politischen Raum
 

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