Kinder haben vielfältige Stärken und Talente. Diese lassen sich am besten weiterentwickeln, wenn das Kind ein natürliches Eigeninteresse mitbringt und von den Eltern spielerisch gefördert wird.

Kennt ihr die Stärken eurer Kinder? 

Die Stärken eines Kindes zu fördern, ist leichter gesagt als getan. Denn schnell liegt im Alltag der Fokus auf dem, was das Kind vielleicht noch nicht so gut kann. Doch zunächst einmal: Warum ist es überhaupt so wichtig, die Stärken eines Kindes zu erkennen und zu fördern? Und was ist eigentlich genau mit den Stärken eines Kindes gemeint?


Positive Eigenschaften fördern

Stärken sind positive Eigenschaften eines Kindes, die es in seiner Entwicklung prägen und fördern. Dazu gehören individuelle Begabungen, Interessen und Vorlieben. Erkennen, akzeptieren und fördern Eltern diese Eigenschaften und Interessen, stärkt das auf ganz natürliche Art und Weise das kindliche Selbstbewusstsein sowie Selbstvertrauen.

Fühlt sich ein Kind akzeptiert, ist es motivierter, seine Stärken und Interessen weiter auszubauen, zu üben und zu lernen. Sogar die Frustrationstoleranz steigt, wenn ein Kind seine eigenen Interessen und Talente kennt.

Schritt 1: Stärken und Begabungen erkennen

Erste Anhaltspunkte, die Rückschlüsse auf die Stärken eurer Kinder zulassen, sind ihre individuellen Interessen, Fähigkeiten oder Begabungen. Dazu können gehören:

  • Handwerkliche Geschicklichkeit und Kreativität
  • Musikalität
  • Logisches Denken und mathematisches Verständnis
  • Selbstständigkeit
  • Organisationsfähigkeit
  • Sorgfalt
  • Soziale Kompetenz: Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit
  • Sportlichkeit
  • Technisches Verständnis
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Zuverlässigkeit

Hinzu kommt, dass jedes Kind verschiedene Voraussetzungen und Veranlagungen mitbringt. Auch wenn sich kein Kind einer starren Kategorie zuordnen lässt, können Eltern Tendenzen und Vorlieben feststellen. Wichtig ist: Versucht, eure Kinder nicht nach euren Vorstellungen zu formen. Stattdessen: Beobachtet euer Kind im Alltag und in verschiedenen Situationen. Wie verhält es sich? Was bringt es mit?

Schnell lernt ihr Vorlieben eurer Kinder Stück für Stück kennen und könnt bestimmte Verhaltensmuster näher unter die Lupe nehmen. Für den Start können ihr euch folgende Fragen stellen:

  • Ist mein Kind besonders empathisch im Umgang mit anderen Kindern?
  • Verhält es sich besonders fürsorglich und fällt durch sein besonderes Einfühlungsvermögen auf? 
  • Begeistert sich mein Kind für Sport und Bewegung?
  • Ist das Sprachvermögen meines Kindes für sein Alter überdurchschnittlich gut entwickelt?
  • Ist mein Kind neugierig und möchte immer wissen, wie alles funktioniert?
  • Hat es eine hohe Auffassungsgabe für logische Zusammenhänge?

Zusätzlich lohnt sich auch ein Gespräch mit den Erziehenden und Lehrenden aus Kita und Schule des Kindes, um herauszufinden, womit eure Kinder außerhalb des familiären Umfelds positiv auffallen.

Schritt 2: Interessen und Vorlieben identifizieren

Die Interessen ihres Kindes können Eltern ganz einfach herausfinden: durch Nachfragen. Fragt eure Kinder, welche Hobbys und Tätigkeiten ihnen besonders viel Freude bereiten. Dazu können gehören: Musik hören, essen gehen, Filme schauen, Computer spielen, lesen, basteln, tanzen, fotografieren und vieles mehr. Spaß an einer Sache zeigt sich bereits im Kindesalter in Form von Engagement und Motivation. 

  • Kann sich mein Kind stundenlang mit sich selbst beschäftigen, zum Beispiel beim Lesen, Malen, Basteln oder Schreiben?
  • Was sind die liebsten Schulfächer meines Kindes und warum?
  • Möchte mein Kind einen bestimmten Beruf erlernen und warum?
  • Hört mein Kind gern Musik und möchte ein Instrument lernen, Songs schreiben oder singen?
  • Hat mein Kind Spaß daran, beim Kochen zu helfen und neue Rezepte auszuprobieren? 
  • Ist mein Kind gern draußen in der Natur und beobachtet Tiere und Pflanzen?
  • Tüftelt mein Kind gern mit Bausteinen herum, baut Häuser, Straßen und Türme?

Interesse vs. Begabung: Was, wenn beides nicht zusammenpasst?

Es kann durchaus vorkommen, dass Kinder viel Spaß an einer Sache haben, in der sie nicht sonderlich begabt sind. Vielleicht singt dein Kind gern – aber krumm und schief. Oder andersherum: Es ist ein Sport-Ass aber strickt lieber Schals, anstatt in der Leichtathletik-AG aktiv zu sein. Auch das ist okay. Denn jedes Interesse eines Kindes stellt in sich eine Stärke dar.

Wichtig ist: Gebt euren Kinernd nicht das Gefühl, zu schlecht für etwas zu sein oder für etwas nicht gemacht zu sein, sondern unterstützt sie in ihren Hobbys. Ein Kind zu stärken bedeutet auch, auf Vergleiche, Bewertungen, eigene Ansprüche und Hoffnungen zu verzichten, die man als Elternteil oft ganz automatisch auf sein Kind projiziert.

Schritt 3: Stärken fördern

Ihr habt euch ein Bild von den Stärken, Begabungen und Interessen eurer Kinder gemacht. Nun geht es an die Förderung. Am besten durch regelmäßige Unterstützung im Alltag.

  • Regelmäßiger Austausch: Fragt euer Kind nach seinem Tag und hört zu, wenn es von seinen Abenteuern, Herausforderungen und Erlebnissen berichtet. So fühlt es sich bestärkt in dem, was es tut. Je mehr du den Wissensdurst und die Interessen deines Kindes bestärkst, desto neugieriger und offener Neuem gegenüber bleibt es.
  • Das Kind ernst nehmen: Viele kindliche Ideen und Wünsche hören sich für Erwachsene erst einmal an wie unsinnige Flausen – und werden schnell abgetan. Doch wer weiß, welche Leidenschaft sich nicht doch noch daraus entwickeln könnte? 
  • Möglichkeiten schaffen: Du hast ein Interesse bei deinem Kind erkannt? Ermöglicht ihm, dieses auszuleben. Dein Kind liest gern? Wie wäre es mit einer kleinen Leseecke im Kinderzimmer? Auch neue Buntstifte oder ein neuer Fußball können Freude bereiten.   
  • Soziale Kontakte und Vereine: Förder die Stärken und Interessen deines Kindes, indem du ihm ermöglichst, sein Hobby mit anderen zu teilen und sich darin weiterzuentwickeln. Zum Beispiel im Sportverein oder der Musikschule.
  • Präsent sein: Glaube an dein Kind und zeige ihm das auch. Indem du zum Beispiel zu Vorführungen und Turnieren gehst oder dir das Hobby einfach mal zeigen lässt und vielleicht sogar mitmachst. 

Fotos: Envato/mstandret / Envato/bialasiewicz / Envato/ASphotostudio

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