Hast du schon mal einen Otter gesehen? Einen Wolf? Oder einen Bären? Die Tierwelt ist vielseitig und faszinierend schön. Das macht Tierparks und Naturerlebniszentren zu tollen Ausflugszielen, bei denen es viel zu entdecken gibt. Gleichzeitig sind diese Orte ein Weckruf: Denn wer die Artenvielfalt nicht schützt, verliert sie. Wir nehmen euch mit auf eine spannende Erlebnisreise.

Das Kreischen der Möwen in den Ohren, eine steife Brise im Gesicht, Salz auf den Lippen, am Horizont die rotierenden Windräder, hinter ihnen das tosende Meer – es ist Frühling an der Nordsee: Die ersten warmen Sonnenstrahlen locken Einheimische und Gäste der Hafenstadt Tönning vor die Tür. Darunter auch Madeleine (33) und Bernd (32) mit ihren Söhnen Sebastian (7) und Jona (3). Erst gestern haben sie in der Jugendherberge Tönning fürs Familienprogramm „Abenteuer Nordseeküste“ eingecheckt – schon stecken die vier mitten in ihrem ersten Wattabenteuer: Sechs Tage kunterbuntes Nordsee-Entdeckerprogramm und Naturerlebnisse im Nationalpark Wattenmeer wie Wattwanderungen, Schiffsfahrten und Krabbenpulen liegen vor ihnen. „Zum Start geht es heute ins Multimar Wattforum“, erzählt Mama Madeleine. „Darauf freuen wir uns sehr, denn wir waren noch nie an der Nordsee und wissen nur wenig über den besonderen Lebensraum.“ Wer diesen entdecken will, der ist im 3.125 Quadratmeter großen Multimar Wattforum an der richtigen Adresse: Denn hier erleben große, aber vor allem kleine Besucher die Vielfalt des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. An Spielstationen erfahren sie etwa alles über Ebbe und Flut, die Besonderheiten des Lebensraums Watt und seine Flora und Fauna. „Wir wollen erstmal zu den Tieren“, erklärt Madeleine. „Obwohl sie Haie nur aus Büchern kennen, lieben unsere Jungs diese Tiere. Sie reden schon den ganzen Morgen davon.“ Zwar sind die Katzenhaie, die im Großaquarium ihre Bahnen ziehen, nicht die imposantesten ihrer Gattung. Gemeinsam mit den Dorschen, Hummern, Stören und Seesternen, die sich in 250.000 Litern Nordseewasser tummeln, ziehen sie die Brüder aber gleich in ihren Bann. „Wow, ein Wal“, staunt Jona, als er wenige Meter weiter das lebensechte Replikat entdeckt. „Boah, ist der groß.“ Papa Bernd nickt: „Und schwer! Der Pottwal wiegt fast so viel wie 50 Autos.“ „Papa, wohnt der Pottwal auch hier im Meer?“ „Nein, nicht in der Nordsee“, schüttelt Bernd den Kopf. „Aber hier wohnen andere Meeressäuger: Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale.“ „Die will ich sehen!“ – Sofort ist Jonas Zeigefinger in die Luft geschossen. „Machen wir, Junge! Wenn das Wetter hält, nehmen wir später noch ein Schiff zu den Seehundbänken.“

"Fuchs und Hase sagen sich im Kinderbuch jeden Abend gute Nacht – aber wie diese Tiere live und in Farbe aussehen, das wissen viele Stadtkinder gar nicht mehr. Dabei ist unsere Natur so ein Schatz. Das will ich meinen Kindern zeigen … "

Jochen (43), Familienvater
Jugendherbergen bundesweit

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Bielefeld "Das gibt's doch!"

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ZU GAST BEI DEN OTTERN IN HANKENSBÜTTEL

Während die vier den Vormittag im Multimar Wattforum ausklingen lassen, setzen wir die Reise fort, denn deutschlandweit bieten die Jugendherbergen viele weitere tierische Erlebnisprogramme, die kleinen und großen Entdeckern einen unvergesslichen Zugang zur Tierwelt bieten: Hier begeben sie sich zusammen mit anderen Familien auf die Spuren unserer tierischen Mitbewohner in Wiesen, Wäldern, Bächen und Meeren, erfahren, wie diese aussehen, wie und wo sie leben, aber auch, dass viele von ihnen vom Aussterben bedroht sind, weil sich ihre Lebensbedingungen dramatisch ändern. Eine Tierart, auf die das im Besonderen zutrifft, besuchen wir 240 Kilometer südöstlich: im Otter-Zentrum Hankensbüttel am Isenhagener See. Anders als der Name vermuten lässt, können Besucher in dem sechs Hektar großen Park nicht nur Fischotter, sondern auch ihre nächsten Verwandten aus der Familie der Marder in Freigehegen bestaunen, etwa Nerze.

Hier in der Lüneburger Heide treffen wir Lisa und ihre Nichten Lou (7) und Ella (8) aus Cottbus. Es ist das erste Mal, dass die 35-Jährige mit den Kindern ihrer Schwester verreist. Auf das Ziel kamen sie per Zufall: „Eine Freundin, die für den Job nach Uelzen gezogen ist, hat mir davon erzählt“, berichtet Lisa. „Auf der Suche nach einer Unterkunft bin ich auf die Jugendherberge Hankensbüttel und das Programm, 'Naturerlebnis | Kultour' gestoßen. Praktisch, denn so unternehmen wir morgen noch etwas, worauf ich selbst nie gekommen wäre: Wir probieren Bogenschießen aus.“

Heute aber wollen die drei erstmal die Fischotter sehen. In Hankensbüttel kein Problem, denn die sonst scheuen Tiere werden bei rund 30 Schaufütterungen pro Tag aus der Deckung gelockt. Während sich die verspielten Otter über den Fisch hermachen, füttert Tierpflegerin Saskia die Besucher mit Wissen: „Fischotter fressen pro Tag bis zu einem Kilo, bei einem Körpergewicht von circa 16 Kilo eine beachtliche Menge. Leider zählt der Fischotter zu den bedrohten Tierarten, genauso wie Otterhunde, die einst gezüchtet wurden, um Otter zu jagen. Falls ihr sie noch nicht gesehen habt: Auch die leben hier bei uns im Park. Ihr Gehege befindet sich ganz in der Nähe.“

AUSSERSCHULISCHES LERNEN IN BIELEFELD

Unser nächstes Ziel liegt etwas weiter entfernt: Nach 2,5 Stunden Autofahrt erreichen wir den Heimat-Tierpark Olderdissen in Bielefeld, eines der beliebtesten Ausflugsziele im Familienprogramm „Bielefeld – das gibt‘s doch“ des Jugendgästehauses Bielefeld. Über 450 Tiere aus 90 Arten, darunter viele Vertreter der heimischen Tierwelt, haben in der am Hang des Teutoburger Waldes gelegenen Freianlage ein neues Zuhause gefunden. Das Besondere: Der 16 Hektar große Park ist nicht nur kostenlos betretbar, er hat sich dem aktiven Lernen in und mit der Natur verschrieben. Damit ist er für einen Stopp auf unserer Rundreise gerade prädestiniert: Auch das Deutsche Jugendherbergswerk macht sich seit seiner Gründung vor über 100 Jahren für die Umweltbildung stark – etwa mit vielseitigen erlebnispädagogischen Programmen, in denen Familien spielerisch Natur und Umwelt entdecken. Diesem Motto folgt man auch in Olderdissen. Ob beim Besuch der einmal im Monat stattfindenden Sonntagsschule oder bei den von der Zooschule „Grünfuchs“ jederzeit, sogar als „Nachtwanderung“, angebotenen Rundgängen: Hier wird nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen – egal, ob mit oder ohne Handicap – vermittelt, wie vielseitig die heimische Tierwelt ist. Gleichzeitig erfahren sie, dass man diesen Lebensraum schützen muss. Krönender Abschluss jeden Besuchs ist die Streichelwiese. „Schau mal, Papa, die Ziege frisst mir aus der Hand“, ruft Ava (6) und winkt Papa Fabian (39) zu, der im Schatten der Bäume mit Frau Bea (37) wartet. Ehe es für sie zurück zum Abendessen ins Jugendgästehaus geht, wollen die drei noch bei Max und Jule vorbeischauen, den Publikumslieblingen des Parks. So ein Braunbärenpaar sieht man schließlich nicht alle Tage.

BÄRENSTIMMUNG IN THÜRINGEN

Wir haben das Glück und sehen auf unserer Reise sogar noch mehr der gefährdeten Säugetiere. Dafür reisen wir nach Thüringen. Unser Ziel ist der Alternative Bärenpark Worbis, ein Tierschutzprojekt der „Stiftung für Bären“, die sich weltweit für den Erhalt dieser bedrohten Tierart stark macht. Im 1996 eröffneten Projekt finden Bären aus schlechter, nicht tiergerechter Haltung ein neues Zuhause, etwa Tiere, die in engen Käfigen gehalten und gequält wurden. „Das ist ja schrecklich, dass so etwas passiert“, findet Victoria (9), die den Bärenpark im Rahmen des Familienprogramms „Mühlhausen genießen“ in der nur 20 Kilometer entfernten Jugendherberge Mühlhausen besucht. Auf dem Bärenlehrpfad haben sie und Papa Lutz (51) schon viel Spannendes über die Tiere, ihr Verhalten und ihre traurige Herkunft erfahren. Lutz stimmt ihr zu: „Ein Glück, dass die Bären hier im Park eine neue Heimat gefunden haben, in der sie gut behandelt werden.“

WÖLFE AM EDERSEE

Einen anderen Schwerpunkt hat unser nächster Halt: der 53 Hektar große Wildtierpark am Rande des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Besucher erleben hier viele heimische Wildtiere – teils zum Greifen nah: So lassen sich etwa das Rot-, Dam- und Muffelwild im begehbaren Gehege streicheln. Farina (37) und Jochen (43), Philipp (8) und Ella (3) aus der Oberpfalz haben sich für ihren Start in den Tag ein anderes Ziel gesteckt: Als Teilnehmer des Familienprogramms „Ederseetour – Wasser, Wald, Wandern“ der Jugendherberge Hohe Fahrt am Edersee besuchen die vier heute das Wolfsgehege, wo gleich das Schaufüttern stattfindet. Noch hat sich kein Tier aus dem Dickicht gewagt. Doch kaum ist Tierpfleger Thomas aufgetaucht, nähert sich ein Wolf. Während sich die Tiere um die Futterstelle scharren, nutzt er die Chance, den Besuchern einiges über Wölfe zu erzählen: „Früher zählten sie zu den weitverbreitetsten Säugetieren, doch dann wurden sie hierzulande ausgerottet. Mittlerweile gibt es wieder einige wilde Rudel. Bei uns im Park wohnen fünf Wölfe – drei kanadische Timberwölfe, die ihr hier hinter mir seht, und zwei europäische, die ihr in einem anderen Gehege besichtigen könnt.“ Apropos Sichten: Die vier wollen heute auch noch ein anderes Tier vor die Linse bekommen, den Steinadler. Im Anschluss geht es darum weiter zur Greifenwarte. Während Philipp und Ella dem Flügelschlag der Greifvögel folgen, schwingen auch wir uns auf.

EIN ECHTER ZOO ALS HERBERGSNACHBAR

Als krönenden Abschluss haben wir uns den Zoo Heidelberg-International mit seinen rund 150 Tierarten ausgesucht – darunter die vom Aussterben bedrohten Berberlöwen und die einzige Jungbullengruppe Asiatischer Elefanten in Deutschland. Das Besondere: Wer in der Jugendherberge Heidelberg, die direkt neben dem Zoo liegt, übernachtet, der kann den eigens für Hausgäste angelegten Eingang in den Park nutzen. Das ist einmalig! Toll ist auch, dass sich der Zoo als Mitglied im Verband der Zoologischen Gärten aktiv für den Natur- und Artenschutz einsetzt. Durch spezielle Erhaltungszuchtprogramme, Aufklärungs- und Bildungsarbeit sowie die Unterstützung von Artenschutzprojekten weltweit trägt der Zoo zur Wahrung der Artenvielfalt bei. „Das gibt mir als Besucher ein besseres Gefühl“, stellt Arnd (45) aus Bonn fest, als wir mit ihm, seinem Sohn Leon (7) und anderen Jugendherbergsgästen am Abend zu einer Zooführung bei Dämmerung aufbrechen. „Es ist einfach so: Der Mensch schützt nur, was er kennt. Darum sind gerade für uns Stadtmenschen Zoos und Tierparks wichtig: Sie führen uns vor Augen, wie vielseitig, aber auch schutzbedürftig, die Tierwelt ist. Klasse, dass Zoos wie dieser darüber hinaus ihre Position nutzen und ihren Beitrag dazu leisten, die Artenvielfalt zu erhalten.” Jetzt sind wir gespannt: Für welches tierische Entdeckerprogramm werdet ihr euch wohl entscheiden?

Fotos: Getty Images / Unsplash