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Ein Bus nach dem anderen fährt an der Jugendherberge Hannover vor. Sie sind voll besetzt mit Sportler*innen aus ganz Deutschland, einem Team aus den Niederlanden und einem aus Belgien. Die Kofferräume sind bis oben gefüllt mit Trikots, Handbällen, Sportrollstühlen und Gehhilfen. Was die Handballer*innen nach Hannover verschlägt? Die zweite internationale Rollstuhlhandball-Meisterschaft, ausgerichtet von der RSG Hannover ’94 im Auftrag des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands (DRS) unter der Marke Rollstuhlhandball Deutschland (RHD).

Eine Kooperation zwischen RHD und dem Deutschen Jugendherbergswerk soll das Thema Inklusion in den Blick nehmen und Barrieren im Sport, in der Gesellschaft sowie in den Jugendherbergen weiter abbauen.


Rollstuhlhandball: inklusiv auf allen Ebenen

Im Empfangsbereich werden nach dem Einchecken alte Bekannte begrüßt, manche setzen sich für einen kurzen Plausch zusammen. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird gelacht und sich zum Essen und Kartenspielen verabredet. Von angespannter oder konzentrierter Turnieratmosphäre ist nichts zu spüren. Man kennt sich untereinander und es scheint fast so, als vereinigten sich die verschiedenen Teams zu einem großen.

Einer der Spieler ist Fred Kallies. Ebenso wie Dr. Meike Lüder-Zinke, Organisatorin des Turniers, Vorsitzende der RSG Hannover ’94 und Fachbereichsleiterin Rollstuhlhandball des DRS. Sie gehört wie Fred zu den RSG Blue Bandits, dem hannoverischen Rollstuhlhandballteam. Was er am Sport so schätzt? Dass er durch und durch inklusiv ist und Frauen und Männer jeden Alters mit einschließt.

Bei der RSG Blue Bandits spielen Männer und Frauen zwischen 18 und 78 Jahren – mit und ohne Behinderung. Nicht alle Rollstuhlhandballspieler*innen sitzen auch im Alltag im Rollstuhl.

„Bei uns kann jeder mitmachen und ich kann zeigen: Ich kann das genauso gut, vielleicht sogar besser als Teammitglieder ohne Rollstuhl. Das zeigt für mich gegenseitigen Respekt“, erklärt Fred. Er selbst sitzt seit ein paar Jahren im Rollstuhl. Nach einer Sepsis, durch einen Insektenstich verursacht, musste ihm die Achillessehne entfernt werden. Auf sein Hobby wollte er deswegen jedoch nicht verzichten und stieß so auf den Rollstuhlhandball.

„Für die Psyche ist das unheimlich wichtig, dass man in der Gemeinschaft anerkannt wird, dass man Mitglied der Mannschaft ist. Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft und wir wollen alle gemeinsam Handball spielen“, erklärt er. 

Zweites Internationales Rollstuhlhandballturnier

Und das können sie so richtig gut: Beim Warmmachen nehmen die Spieler*innen langsam an Geschwindigkeit auf und werfen abwechselnd aufs Tor. Zehn Teams treten insgesamt beim Turnier gegeneinander an. Davon acht aus Deutschland, eins aus den Niederlanden und eins aus Belgien. Gespielt wird für 20 Minuten auf einem 20 mal 40 Meter großen Feld wie beim Handball. Das Tor ist an die Möglichkeiten der Torhüter*innen angepasst und oben mit einer Platte abgehängt, sodass es 1,70 Meter mal 3 Meter misst. 

Vor Spielbeginn einigt man sich auf einen fairen Wettbewerb, klatscht sich ab und dann geht’s los: Auf dem Spielfeld befinden sich pro Mannschaft ein*e Torhüter*in und fünf Feldspieler*innen. Für die RSG Blue Bandits wird es gleich ernst. Sie treten im Auftaktspiel gegen den Favoriten an, das niederländische Nationalteam. Anpfiff. Auf dem Spielfeld wird geschickt gewendet und beim Blocken gekonnt gegeneinandergeprallt. Der Torhüter leitet das Team vom Tor aus an und das Publikum jubelt. Schon ergibt sich die erste Torchance für die RSG Blue Bandits: Der Ball landet mit viel Wumms im Tor, aber der Treffer wird nicht gegeben – übergetreten! Abwurf. Die Gegner holen zum Gegenstoß aus. Die RSG Blue Bandits wird am Aufbau ihrer Abwehr gehindert, erobert den Ball zurück, geht zum Angriff über … Siebenmeter für die Hannoveraner*innen! 

Zur Halbzeit wird bei der RSG Blue Bandits komplett durchgewechselt. Jede*r soll mal zum Zug kommen. Das Spiel bleibt spannend bis zur letzten Minute. In der Schlussminute landen die RSG Blue Bandits den Ausgleichtreffer. „5:5 – und das gegen ein Nationalteam!”, freut sich Fred. Die nächsten Spiele verlaufen etwas ruhiger. Am Ende reicht es für die RSG Blue Bandits nach spannendem Siebenmeterwerfen nur für Platz fünf. Fred ist enttäuscht: „Wir wollten um Platz drei spielen!” Platz eins belegt das Favoritenteam aus den Niederlanden, gefolgt von der belgischen Mannschaft auf Platz zwei und Team Baden auf Platz drei. 

Eine Innovative Form des Handballs

Dem Team Baden gehört auch Christof Armbruster, ehemaliger Handball-Bundesligaspieler, an. Wie sich für ihn die Umstellung angefühlt hat? „Zwischen meiner Zeit in der Handballbundesliga und beim Rollstuhlhandball liegen schon gut dreißig Jahre”, sagt er lachend. „So viel unterscheidet die Sportarten aber gar nicht voneinander. In den Regeln ist man sofort drin”, sagt Christof. Der Rollstuhl darf dreimal angeschoben werden, wenn der Ball auf dem Schoß liegt. Danach muss abgespielt werden. Der Ball darf nicht vom Schoß eines Gegenspielers genommen werden.

„Sowohl für den Rollstuhlhandball als auch den Handball gelten die Regeln des DHBs und des EHFs. Wir brauchen für den Rollstuhlhandball nur eine Übersetzung für die Beine. Also spezielle Regeln für den Part, wo man im Sportrollstuhl sitzt”, sagt RHD-Fachbereichsleiterin Dr. Meike Lüder-Zinke. Während Basketball im Rollstuhl schon eine gewisse Bekanntheit in Deutschland genießt, ist Rollstuhlhandball den meisten noch kein Begriff. Das möchte sie ändern. Weltweit gibt es längst einen Turnierbetrieb im Rollstuhlhandball, Deutschland liegt deutlich in Rückstand. 

Höchste Zeit für eine Aufholjagd! RHD organisiert derzeit den strukturellen Aufbau dieser rasanten Sportart. „Wir brauchen einen Aufbau im Breiten- und Leistungssport. Das ist die Herausforderung, der wir uns stellen wollen”, erklärt Meike. Das zweite internationale Rollstuhlhandballturnier ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Beste Voraussetzungen im barrierearmen Umfeld

„Wir sind sehr stolz auf die Kooperation mit dem Deutschen Jugendherbergswerk. Wir werden uns gegenseitig in unseren Vorhaben unterstützen. In der Öffentlichkeitsarbeit und in dem Auftrag, den wir haben. Das macht uns sehr glücklich. So wie das bis jetzt gestartet ist, wird das ein voller Erfolg.” Sie fügt hinzu: „Eine Unterbringung für über hundert Personen mit ­Behinderung beziehungsweise mit Einschränkungen der Mobilität zu finden, ist sehr schwer. Das Deutsche Jugendherbergswerk hat uns ermöglicht, dass wir alle unsere Spieler*innen in einem Gebäude unterbringen konnten.”

Die JUGENDHERBERGE HANNOVER INTERNATIONAL liegt mitten im Stadtzentrum und trotzdem im Grünen. Das moderne Haus im Sportpark Hannover steht zwischen den Flüssen Ihme und Leine und nur einen Steinwurf vom Maschsee entfernt. In der näheren Umgebung befinden sich ein Hockeykunstrasenplatz, ein Rugbyplatz, eine Stadionschwimmhalle, eine Sporthalle im Bundesleistungszentrum, ein Sportplatz sowie Tennissand- und -hartplätze.

Damit ist die Jugendherberge für Sportgruppen bestens geeignet. Auch für solche, die besondere Anforderungen an ihre Unterkunft stellen. Von mehr als 100 Zimmern, davon 44 Zweibettzimmer mit eigenem Duschbad, sind 10 Zimmer für Rollstuhlfahrer*innen geeignet. Die Etage, auf der die Zimmer liegen, ist mit zwei barrierefreien Badezimmern ausgestattet. Die Jugendherberge verfügt außerdem über einen Aufzug, automatische Türöffner und eine Rezeption mit abgesenkter Theke. Das gesamte Haus ist ebenerdig und es gibt keine Schwellen. Auf den Websites unserer Häuser findet ihr unter „Ausstattung“ Hinweise für Rollstuhlfahrende.

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