Von den Bergen bis ans Meer – oder: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Das Reisefieber hat uns wieder gepackt und so packten wir die Rucksäcke. So weit so gut, aber wo sollte es diesmal hingehen? Die Entscheidung fiel schwer, einfach weil so viele großartige Jugendherbergen an so vielen wunderbaren Flecken Deutschlands darauf warten, entdeckt zu werden.
Wir wollten auf hohe Berge klettern, in glasklaren Seen schwimmen, historische Städte entdecken und uns in die Wellen stürzen.
Ob uns das in knapp zwei Wochen und nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gelingt, könnt ihr hier lesen.

Jugendherberge Garmisch-Partenkirchen
Am letzten Schulfreitag der Pfingstferien tauschten die Kinder schnell Ranzen gegen Rucksack und endlich ging er los: unser Roadtrip auf Schienen, quer durch die Republik. Gemütlich ratterte die Regionalbahn gen Süden und schon bald sahen wir am Horizont die ersten Bergspitzen blitzen. Die Vorfreude stieg und als in Farchant an der Bushaltestelle Kühe am örtlichen Brunnen getränkt wurden, war die Postkartenidylle perfekt.
In der Jugendherberge Garmisch-Partenkirchen angekommen erwartete uns ein leckeres Abendessen und noch bevor alle Betten bezogen waren, machten sich die Kinder auf, den Boulderraum im Keller zu erkunden.
Nach einem ausgiebigen Frühstück brachte uns der Bus direkt zu einem der schönsten Flecke Deutschlands. Schon nach ein paar Metern auf dem wunderbar schattigen Wanderweg lag uns der Eibsee in seiner ganzen Farbenpracht zu Füßen.

Die Kinder nutzten schon den ersten Halt, um die Temperatur des Sees zu testen. Ein weiteres Highlight für die Kinder waren die Kotbachwasserfälle, die etwa auf halber Strecke um den See zu einer Rast einladen. Während die Großen nur die Füße ins Wasser hielten, kletterten die Kinder die Felsen hinauf, bauten kleine Staudämme und genossen die Abkühlung. Man hätte sich noch viele Stunden in und um den See aufhalten können, aber die Sonne zog weiter, die Mägen knurrten und die Jugendherberge lockte ja auch noch mit einem fantastischen Außenbereich, der erkundet werden wollte.
Am nächsten Tag wollten wir dann hoch hinauf. Dank seiner guten Erschließung mit der Garmisch Classic Rundfahrt war der 2.050 Meter hohe Osterfelderkopf genau das richtige Ziel für kleine Kinderfüße, die aber trotzdem spektakuläre Ausblicke genießen und Ende Mai noch eine Schneeballschlacht machen wollen.
Ein leckeres Eis, sowie ein Abendessen später fanden wir uns wieder im Außenbereich, zu dem auch ein kleiner Teich gehörte, in dem sich zur Freude der Kinder jede Menge Kaulquappen tummelten.

Jugendherberge Magdeburg
Schweren Herzens nahmen wir Abschied von den Bergen und den „Kaulis“, wie die Kaulquappen von den Kindern getauft wurden und waren gleichzeitig gespannt auf das, was vor uns lag. Magdeburg war bis dahin ein weißer Fleck auf unserer Deutschlandkarte und wir freuten uns, ihn mit Farbe zu füllen.
Vom Bahnhof aus war es nur ein kurzer Fußmarsch bis zur Jugendherberge Magdeburg, die wunderbar zentral gelegen unsere Unterkunft für die nächsten 3 Nächte werden sollte.
Dank der großzügigen Raumaufteilung (zwei Zimmer und zwei Bäder), der wunderbaren Belegschaft und dem köstlichen Essen wurde aus der Unterkunft schnell ein Zuhause auf Zeit. Und auch Magdeburg entpuppte sich als wunderbar familienfreundlich.

Der Elbauenpark begeisterte die Kinder mit einem absolut gigantischem Rutschenturm, sowie abwechslungsreichen Spielplätzen, die man in der Stadt an der Elbe aber nicht nur hier, sondern in der ganzen Stadt findet. Aber nicht nur unter freiem Himmel ist hier einiges geboten. Im Jahrtausendturm taucht man auf verschiedenen Ebenen tief in die Geschichte der Menschheit ein.
Ob nun die Begegnung mit einem Höhlenbären, eine Expedition durch die geheimen Gänge der Pyramiden oder eine Erkundungstour durch eine römische Villa, dies alles und noch viel mehr ist hier möglich.
Anfassen und Mitmachen ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erlaubt und die Exponate werden von den Mitarbeitern gerne und mit viel Liebe zum Detail erklärt. Auch die Altstadt und der Tierpark haben uns begeistert und sind jederzeit eine Reise wert.

Jugendherberge Hamburg - Horner Rennbahn
Weiter ging die Reise Richtung Norden. Am frühen Nachmittag rollte der ICE in Hamburg ein und für unseren Großen erfüllte sich mit dem Besuch des Millerntor Stadions ein Fußballtraum.
Schön fand der weniger fußballbegeisterte Teil der Familie die fußläufige Lage zu den großen Wallanlagen, wo man prima die Seele baumeln lassen konnte.
Abends bezogen wir unser Zimmer in der Jugendherberge Hamburg an der Horner Rennbahn, auch hier fanden wir wieder den Luxus eines Familienzimmers mit zwei getrennten Schlafzimmern vor.

Den Morgen begannen wir dann klassisch an den Landungsbrücken. Immer wieder aufs Neue verzaubert der Anblick des Pegelturms und birgt die Verheißung auf die große weite Welt. Wo früher die Hoffnung auf ein besseres Leben begann, starten heute viele kleine Ausflugsboote ihre Rundfahrten durch die faszinierende Welt des Hamburger Hafens. Das Geschrei der Möwen noch in den Ohren, begaben wir uns weiter auf Erkundungstour und landeten für eine ausgiebige Mittagspause auf dem absolut empfehlenswerten Spielplatz am Grasbrookpark.
Hier werden Kinderträume war, ob Robinson Crusoe, Huckleberry Finn oder Käpt`n Sharky; zwischen Palmen, Schiffen, Baumhäusern und Hängebrücken lässt sich wohl jedes Abenteuer prima nachspielen. Am Nachmittag ließen wir uns gemütlich in einem der zahlreichen „Hop-on-hop-off- Busse“ durch die Stadt kutschieren. Viele Eindrücke reicher, erreichten wir schließlich wieder die Jugendherberge, wo wir nach einem leckeren und reichhaltigen Abendessen den Abend auf der Dachterrasse ausklingen ließen.

Jugendherberge Lübeck - Vor dem Burgtor
Von Hansestadt zu Hansestadt führte am nächsten Morgen die Reise, obwohl wir Lübeck erst einmal links liegen ließen und mit dem Zug direkt nach Travemünde Strand fuhren. Übrigens der Bahnhof, der in Deutschland einem Sandstrand am nächsten liegt.
Nach nur wenigen Metern durch den Ort kann man schon feinen Ostseestrand durch die Finger rieseln lassen und auch sonst lässt der Strand kaum Wünsche offen. Ob Fußballfeld, Spielplatz, Strandkorb oder Badevergnügen.
Für Wiederholungstäter bietet die Jugendherberge Lübeck - Vor dem Burgtor die ideale Ausgangslage, da sie direkt an den Buslinien liegt, die ans Meer führen. Aber nicht nur die Lage überzeugt, sondern auch der lichtdurchflutete Speisesaal, in dem auf Sonderwünsche eingegangen wird und der Außenbereich, der zum gemütlichen Zusammensitzen einlädt.

Lübeck selbst zeigte sich von seiner besten Seite und trägt ihren Titel „die Königin der Hanse“ zu Recht. Wenn die Backsteinfassaden im Licht der untergehenden Sonne orange leuchten, sich die 7 Türme der Stadt dem Himmel entgegenrecken und man selbst auf dem historischen Kopfsteinpflaster wandelt, wartet man fast darauf, dass Klaus Störtebeker um die Ecke biegt, dessen Geschichte übrigens im Lübecker Burgkloster das erste Mal aufgeschrieben wurde.
Wer noch tiefer in die Geschichte der Hanse eintauchen möchte, dem sei der Besuch des fußläufig gelegenen Hansemuseums sehr zu empfehlen.

Jugendherberge Warnemünde
Da wir ja in Travemünde schon Meeresluft geschnuppert hatten, wollten wir uns noch nicht von der See trennen und fanden uns kurzerhand in Warnemünde wieder. Wie schon im letzten Jahr lockten hier der lange feine Sandstrand, die blaue Ostsee und die wunderschöne Promenade, die, an der Jugendherberge Warnemünde vorbei, im Naturschutzgebiet Stoltera endet. Praktischerweise trennt nur der Parkplatz und eine Straße die Jugendherberge von all diesen Vorzügen.
Nachdem wir in den letzten Tagen schon genug Kunst und Kultur geschnuppert haben, entschieden wir uns, den Urlaub hier geruhsam ausklingen zu lassen.
Das sanfte Rauschen der Wellen im Ohr vergingen auch die letzten Nächte und nach einem letzten leckeren Frühstück verschwanden die Kinder auf den hauseignen Spielplatz. Ich packte die Rucksäcke und wir zogen die, für diesen Urlaub, letzte Jugendherbergstür hinter uns zu. Wir waren uns aber wieder alle einig, es war nicht die letzte Jugendherbergstour mit Bus und Bahn.
Zur Autorin
Kerstin: “Dass die Kombination Zug und Jugendherberge für mich ideal ist, habe ich dank Interrail schon früh herausgefunden. Zum Glück ist die Begeisterung auch auf die Familie übergesprungen und so lassen wir uns gerne deutschlandweit von kleinen und größeren Städten verzaubern und freuen uns jedes Mal neue Bekanntschaften in den Jugendherbergen machen zu dürfen.”