„Was mach ihr denn in Dessau?“ wurden wir häufig gefragt, wenn es um unser Reiseziel in den Faschingsferien ging. Um diese Frage zu beantworten, verbrachten wir 3 Nächte in der JUGENDHERBERGE DESSAU und fanden bald heraus, dass Dessau so viel mehr zu bieten hat als nur Bauhaus. 


Begonnen hat unsere Reise wie immer mit einer Zugfahrt, die uns erst einmal nur bis Erfurt führte. Auch wenn wir den Zwischenstopp so nicht geplant hatten, genossen wir es doch sehr, durch die Gässchen mit ihren kleinen Geschäften und den liebevoll dekorierten Schaufenstern zu schlendern. Passend zum schönsten Frühlingswetter findet sich an nahezu jeder Ecke eine Eisdiele und so erreichten wir schleckend den Domplatz, wo wir uns auf den Stufen eines Obelisken niederließen und den Blick über die enorme Weite des Platzes bis hin zum Dom Sankt Marien schweifen ließen.

Um viele schöne Eindrücke reicher ließen wir uns wieder in unsere bequemen Zugsessel fallen und erreichten im Licht der untergehenden Sonne Dessau und mit der Bauhauslinie auch direkt die Jugendherberge, wo wir zur besten Abendessenszeit eintrafen. Aber noch bevor wir die vier Stufen zur Eingangstür hinaufsteigen konnten, hatten die Kinder schon die Außenanlagen entdeckt und waren nur mit der Aussicht auf das kommende Abendessen davon abzuhalten, den Garten und die darin enthaltenen Spielgeräte zu entern. 

Nach einem unkomplizierten Check-In öffneten wir gespannt die Türe zu unserem Reich auf Zeit. Und es war tatsächlich ein kleines Reich. Großzügig geschnitten mit Bad und einem separaten Waschbecken bot schon das Elternschlafzimmer genügend Platz für Kinderwagen, Gepäck und drei lebhafte Kinder. Aber hinter einer weiteren Tür verbarg sich klein und schnuckelig ein zweites Zimmer mit noch einmal vier Betten, das aufgrund seiner Größe, den Balken und den schon bezogenen Betten so viel Gemütlichkeit ausstrahlte, dass es von den Kindern sofort begeistert in Beschlag genommen wurde.

Nach einem erholsamen Schlaf und einem leckeren Buffet waren am nächsten Morgen alle Energiereserven wieder aufgefüllt und so gab es nach dem Frühstück kein Halten mehr. Endlich konnte der Außenbereich erkundet werden. Ich schreibe hier bewusst Außenbereich, denn es ist so viel mehr als nur ein Garten und lässt wirklich keine Wünsche offen. Sei es eine Partie Fußball mit dem neu gefundenen Kumpel, ein wilder Ritt auf der Seilrutsche oder die barrierefrei zugängliche Kletter- und Rutschenanlage.

Das Highlight für unsere Kinder war jedoch der noch unbestuhlte Teil der Terrasse, der kurzerhand zur Rennbahn umfunktioniert wurde, da man hierauf so herrlich mit den von der Jugendherberge bereit gestellten Fahrzeugen auf und ab flitzen konnte. 

Schweren Herzens trennten sich die Kinder und wir bestiegen wieder die Linie 10, die uns direkt zum Bauhausmuseum brachte. Vorbei an einem verheißungsvollen Brunnen (ich musste Versprechungen abgeben, im Sommer wieder zu kommen) liefen wir über einen blühenden Krokusteppich zur Drehtür, die uns auf wundersame Weise fast 100 Jahre zurückkatapultieren sollte, in eine Zeit, als Persönlichkeiten wie Walter Gropius versuchten, etwas völlig Neues zu schaffen. Wer jetzt bei der Kombination aus Kindern, Kunst und Museum schon leicht ins Schwitzen kommt, der sei beruhigt. Diese Konstellation ist hier problemlos möglich, den im Foyer können sich die Nachwuchsbauhäusler an Schaumstoff- und Holzelementen in allen erdenklichen Formen und Farben austoben und schaffen dann auch locker die Runde im ersten Obergeschoss. 

Wieder im Erdgeschoss angekommen, sieht man durch die verschiedenfarbigen Glaspaneele schon den Turm des Rathauses blitzen, der uns den Weg zur Innenstadt und zum sogenannten „Eierschneider“ weißt, einer Fußgängerbrücke mit dem, in meinen Augen, schönsten Blick auf die Stadt.

Nach so viel Kunst und Kultur wurde dann der Ruf nach Technik laut und es verschlug uns ins Technikmuseum. Während der Große und ich auf den Spruen Hugo Junkers wandelten, sausten die zwei Kleinen mit den bereitgestellten Tretflugzeugen über den blankpolierten Betonboden. 

Müde, glücklich und mit Köpfen voller neuer Eindrücke ging es für uns zurück zur Jugendherberge, wo uns schon der nachgereiste Papa erwartete, sodass wir nun unseren Kurzurlaub zu fünft fortsetzen konnten.

Schon nach dem Öffnen der Eingangstüren waberte der Duft von frisch gebackener Pizza durchs Haus und zauberte ein Lächeln auf hungrige Kindergesichter. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass das Abendessen nicht schmecken sollte, steht natürlich auch ein üppiges Salatbuffet ferner Semmeln, Brot und der dazu passende Belag bereit. Selbst an Kindernöte wird gedacht und so holt der Küchenchef auch gerne noch eine Scheibe Käse ohne Löcher.

Mit vollem Bauch ging es zum sportlichen Ausgleich schließlich in den Keller. Hier findet sich neben einem kostenfreien Kickerkasten und einem Billardtisch auch ein kleiner, wunderschön gestalteter Discoraum.

Am nächsten Morgen ging es für uns mit dem Bus nach Wittenberg, wo wir den ganzen Tag in den Dienst des wohl berühmtesten Bürgers der Stadt stellten. Martin Luther. Wir begannen unsere Tour im Panorama Luther 1517. Durch die kreisförmige Anordnung der Leinwand und die enorme Detailliebe kann man wirklich in die Geschichte eintauchen. Verschiedene Hörstationen führen durch den Raum und beleuchten nicht nur Luther, sondern die gesamte Gesellschaft der damaligen Zeit. Für uns war es ein idealer Einstieg in ein doch komplexes Thema, das im Augusteum gleich weitergeführt werden sollte. Die liebevoll gestaltete Sonderausstellung „der Mönch war`s!“ lädt Kinder auf allen Ebenen zum Mitmachen ein und so wurden Thesen gestempelt und natürlich stilecht an die Tür geschlagen, mit Federn geschrieben oder eine Brotbeschau durchgeführt. 

Die Kinder waren so vertieft in ihr Tun, dass wir den Rest der Ausstellung übersprangen und durch die Collegienstraße über den Marktplatz zur Schlosskirche schlenderten, um die wohl berühmteste Kirchentür Deutschlands zu besichtigen. Wo einst Martin Luther seine 95 Thesen angeschlagen haben soll, erinnert heute eine bronzene Tür mit den Texten ebendieser an das denkwürdige Ereignis.

Der Weg zurück führte uns durch den Luthergarten, in dem ein herrlicher Spielplatz in Sichtweite des Bahnhofs (heimwärts ging es mit dem Zug) zu einer letzten Toberunde des Tages einlud.

Am nächsten Morgen hieß es schon wieder Koffer packen. Ein letztes Mal aus den Dachfenstern in die noch kahlen Baumkronen blicken, ein letztes Mal in den Balken liegend ein paar Zeilen lesen, ein letztes Mal aus dem bunten Frühstückbuffet wählen und, das traf unsere Kinder am härtesten, ein letztes Mal die Außenanlagen nutzen. 

Wir winkten, stiegen in den Bus und waren froh, dass unser Abenteuer noch nicht ganz zu Ende war, denn sowohl das Bauhaus als auch der Tierpark standen noch auf unserer Liste.

Den Kindern zuliebe hielten wir uns bei Ersterem kurz, um den Bewegungsdrang vor der Zugfahrt noch einmal Rechnung zu tragen. Schon der Weg vom Bahnhof zum Zoo ist für die Kinder ein Abenteuer mit Hüpfekästchen, zu folgenden Tierspuren und Graffiti, die zum Entdecken einladen. 

Der Tierpark selbst lädt, eingebettet in eine wunderschöne Parklandschaft, zum Verweilen in der Frühlingssonne ein. Zwischen Tieren, Spielplätzen und Lehrpfaden ließen wir unseren abwechslungsreichen, wunderschönen und lehrreichen Kurzurlaub ausklingen und können guten Gewissens sagen, dass Dessau viel mehr bietet, als „nur“ Bauhaus und man sich besser eine Woche zeitnimmt, vor allem in den wärmeren Monaten, wenn dann auch noch Gartenreich Dessau-Wörlitz lockt.

Sehr zu empfehlen zu jeder Jahreszeit ist WelterbeCard Anhalt – Dessau – Wittenberg, denn nach dem Erwerb dieser Karte ist man einfach herrlich flexibel. Ob Museum, Bus, Bad oder Bauhaus. Wir haben während unserer Zeit in Dessau keine Einrichtung genutzt, die damit nicht kostenfrei gewesen wäre. 

Reiseangebot inkl. WelterbeCard

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Zur Autorin

Kerstin: “Dass die Kombination Zug und Jugendherberge für mich ideal ist, habe ich dank Interrail schon früh herausgefunden. Zum Glück ist die Begeisterung auch auf die Familie übergesprungen und so lassen wir uns gerne deutschlandweit von kleinen und größeren Städten verzaubern und freuen uns jedes Mal neue Bekanntschaften in den Jugendherbergen machen zu dürfen.”


Welche Reiseziele in Sachsen-Anhalt sollte man noch mit Kindern erkunden?

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