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Kurzbiografien zentraler Figuren

Eine Reihe von Personen bestimmte die Entwicklung im Jugendherbergswerk Bayern zwischen den Weltkriegen und während der NS-Diktatur. Einige wurden zu opportunistischen Mitläufern und trugen damit auch nationalsozialistisches Gedankengut in den Verband; nur wenige widerstanden aktiv der Nazi-Ideologie. Die Historikerin Dr. Eva Kraus hat in der vorliegenden Untersuchung des bayerischen Jugendherbergsverbands Kurzbiografien zentraler Figuren dieser Zeit zusammengetragen, an denen sich ablesen lässt, welche Kräfte die Geschicke des Jugendherbergswerks bestimmten und welche weltanschaulichen und (partei-)politischen Positionen diese Personen vertraten. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – verweist jedoch in den angeführten Quellen auf weitere Fundorte für die historische Befassung mit diesem Personenkreis. Für mögliche Ergänzungen oder Konkretisierungen der Kurzbiografien steht die Redaktion unter service.bayern@jugendherberge.de zur Verfügung.


August Albrecht

*24.07.1890 in Hamburg, †22.07.1982 in Mittenwald; Buchhändler, Funktionär

Aus Hamburger Arbeiterfamilie; Transportarbeiter. Seit 1914 Angestellter der Volksfürsorge; Anf. 1915-Ende 1917 Kriegsdienst Erster Weltkrieg (Alpinkorps). 1918 Hamburg: Jugendarbeit beim Gewerkschaftskartell; Nov. 1918-April 1919 Leitung des Ausschusses für Arbeitsnachweise männlicher Jugendlicher beim Hamburger Arbeitsamt und Aufbau der Sozialistischen Arbeiterjugend. Mai 1919 Umzug nach Berlin: Jugendsekretär beim Vorstand der SAJ und der SPD; Mitbegründer des Arbeiterjugendverlags und der Sozialistischen Jugend-Internationale. 1929-1933 Geschäftsführer der soz. Buchgemeinschaft „Der Bücherkreis“; Betrieb eines Antiquariats, Herausgeber von Arbeiterzeitschriften und Arbeiter-Liederbüchern. 1933 Enteignung und Veröffentlichungsverbot; Widerstand, Inhaftierung; bis 1944 Buchhändler und Antiquar in Berlin. 1944 ausgebombt, Umzug nach Mittenwald, dort Betrieb einer Bücherei. 1947 Umzug nach Hannover: Leitung der Gruppe der sozialistischen Buchhändler und Verleger; ab 1951 Aufbau des Bund-Verlags und Leitung der Abteilung Buchhandel des DGB in Köln. Ruhestand in Mittenwald. Ehemann von Lisa Albrecht [u.a. MdB 1949-1958], 1 Tochter.

Mitgliedschaften: Hamburger Arbeiterjugend seit 1906, darin Jugend- und Distriktleiter und Ombudsmann im Spiel- und Wanderausschuss; SPD (seit 1908); Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ).

DJH: seit 1918/19 Mitarbeit im DJH-ZwA Nordmark; 1919 bis mind. 1926 Sitz im DJH-Verwaltungsausschuss für soz. Arbeiterjugendvereine; 1929/1930 2. stellv. Vorsitzender des DJH-Reichsverbands, 1931-1933 1. stellv. Vors. u. Vorstandsmitglied; Okt. 1946 bis ca. 1947/48: Beisitzer im Vorstand des DJH-Landesverbands Bayern; seit Okt. 1949: stellv. Vorsitzender des DJH-Hauptverbandes.

Quellen: Wikipedia: August Albrecht (Verleger) <https://de.wikipedia.org/wiki/August_Albrecht_(Verleger)> (06.01.2025) / Sozialistische Mitteilungen der London-Vertretung der SPD: Lebensdaten Albrechts, in: Nr. 95/96 [richtig: Nr. 96/97], Februar/März 1947, Editorische Anmerkungen, Nr. 66: <http://library.fes.de/fulltext/sozmit/1947-096.htm#P227_74331> (15.01.2009) / Wir Herbergsfreunde. Fachblatt für Herbergseltern und DJH-Mitarbeiter (Hg.: DJH-Hauptverband, Detmold), Nr. 122/1970: Lebenslauf August Albrechts / Dr. Kuno Bludau: „Zum Tod von August Albrecht. Ein Leben im Dienst für das sozialdemokratische Verlagswesen“, in: Sozialdemokratischer Pressedienst, 37. Jg., Nr. 149 vom 9. August 1982, S. 6 / Wikipedia: Lisa Albrecht <https://de.wikipedia.org/wiki/Lisa_Albrecht> (11.01.2025) / Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Lisa Albrecht <https://www.frauen-im-widerstand-33-45.de/biografien/biografie/albrecht-elisabeth-lisa> (11.01.2025) / Gabriele Rose: Von der „geistig-seelischen Struktur“ der Frauen: Lisa Albrecht und die Gleichstellung im Beamtenrecht<https://www.fes.de/archiv-der-sozialen-demokratie/artikelseite-adsd/albrecht> (11.01.2025).

Ernst Baur

*18.03.1907 in Offenburg, †29.09.1988 in Darmstadt; kaufmännisch-technischer Angestellter

Führer des HJ-Oberbanns Nordbaden; ab 1933 hauptamtlich für die Hitlerjugend (DJH) tätig.

Mitgliedschaften: NSDAP seit Juli 1929 (#143.193); Hitlerjugend.

DJH: vor 1933 Mitarbeiter in einer DJH-Ortsgruppe in Baden (Bündische Jugend); 1933 bis mind. 1939 Führer des DJH-Gaues Baden in Karlsruhe, ab Juni 1934 Inspekteur Süd, als solcher auch Führer der bayerischen DJH-Landesverbände; ab Ende 1934 zusätzlich Referent der Abteilung H in der Reichsjugendführung in Berlin; ab Juli 1941 kommissarischer Leiter des HJ-Gebiets Baden.

Quellen: Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, München 2003, Band 2, S. 1119 / Stadtarchiv Offenburg: Meldeunterlagen /
Archiv der deutschen Jugendbewegung: Bericht Schirrmanns: Hauptversammlung Gau Baden am 12.5.1933, in: Best. 201 DJH, A-529 / Staatsarchiv Freiburg: Spruchkammer Südbaden, D 180/2 Nr. 210675 [nicht gesichtet].

Hans Blanck

*19.04.1886 in Bayreuth, †27.01.1967 in Berlin; Kaufmann

1905/1906 Militärdienst als Zweijährig-Freiwilliger im 7. Infanterie-Regiment; 1907 Umzug nach Nürnberg: Kontorist. 1910 Heirat (keine Kinder nachgewiesen). 1914-1918 vermutlich Kriegsdienst. Seit mind. 1923 Jugendsekretär beim Gewerkschaftsbund der Angestellten (GDA); Aug. 1927 Versetzung nach Berlin-Zehlendorf: Jugendsekretär in GDA-Reichsgeschäftsstelle. 1933 Auflösung des GDA durch die Nationalsozialisten; 1933-1941 kaufmännischer Angestellter (Arbeitgeber unbekannt). 1941 Renteneintritt.

Mitgliedschaften: NSDAP ab Mai 1933 (#3.065.549), kommissarischer Blockleiter; Deutsche Arbeitsfront (DAF) ab Januar 1935; NS-Volkswohlfahrt (NSV) ab 1935.

DJH: bis Dez. 1926 Geschäftsführer des DJH-Zweigausschusses Nordbayern; Dez. 1926 bis ca. Aug. 1927: Beisitzer im Vorstand des DJH-Gaues Bayern.

Quellen: Stadtarchiv Bayreuth: Geburtsregister (Nr. 201/1886); Militärpapiere; Gesuch um Ausstellung von Verehelichungszeugnissen (StV BT, Nr. 9691/359) / Stadtarchiv Nürnberg: Passkarte (Stadtarchiv Nürnberg C21_VII_16_121) / Landesarchiv Berlin: Entnazifizierungsunterlagen (LA_C_Rep._031-02-19_Nr._58_(Vorgang_P_3889)) / Bundesarchiv Berlin: R 9361-I/252 (Personenbezogene Unterlagen der NSDAP).

Leonhard „Loni“ Burger

*21.12.1898 in Nürnberg, †05.06.1981 in Nürnberg; Maschinenbauer, Gewerkschaftsfunktionär

Sohn eines Spenglers, Volksschule, Lehre als Maschinenbauer. 1917-1918 Kriegsdienst. 1918-1926 Mechaniker und REFA-Fachmann bei den Siemens-Schuckert-Werken in Nürnberg. 1926-1933 Reichsjugendleiter der deutschen Naturfreunde (Organisation der Jugendarbeit), Redakteur, Schriftleiter der Verbandszeitschrift „Der Wanderer“; faktisch Geschäftsführer der Naturfreunde (einziger hauptamtlicher Mitarbeiter). Parallel ab 1927 ehrenamtl. Führer der Nürnberger SPD-Jugend. 1933 Liquidator der NF-eigenen Einkaufsgenossenschaft EKA (Wanderartikel und andere Reiseausrüstung, 14 Filialen in deutschen Großstädten). 1934-1936 Angestellter EKA-Sporthaus Nürnberg (Leiter: Xaver Steinberger). 1933 Beitritt zu Fränk. Alb-Verein und Reichsverband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine. Ab 1934 ehrenamtl. Herausgeber und Schriftleiter der Verbandszeitschrift „Deutsches Wandern“; auch im Fränk. Alb-Verein führende Positionen. Ab Sept. 1936 Werkmeister bei Siemens-Schuckert-Werken, parallel Reiseleiter für Nürnberger Reisebüro Hans Bauernfeind (von Gestapo als „politisch unzuverlässig“ eingestuft). Okt. 1936 Entzug des Auslandsreisepasses. Sept. 1938 Gestapo verhindert Versetzung in die Mailänder Zählerfabrik der Siemens-Schuckert-Werke („weiterhin ungeeignet für Verwendung im Ausland“). Einspruch gegen Ablehnung des Passantrags, Selbstdarstellung als „voll und ganz auf dem Boden der NSDAP stehe[nd]“. Ab 1945 hauptamtlicher Bildungsreferent im Deutschen Gewerkschaftsbund, Kreis Nürnberg. Im Juli 1964 Ruhestand. Verheiratet, eine Tochter (1928).

Mitgliedschaften: Touristenverein Die Naturfreunde: ab 1923; SPD: 1927-1933; Reichsverband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine; Fränkischer Alb-Verein: ab 1933, Schriftführer der Ortsgruppe Nürnberg; Wanderführer und Kassenprüfer des Gesamtvereins; Deutsche Arbeitsfront (DAF) ab 1933; Hauswart der NSDAP in seinem Wohnhaus mit 10 Parteien; Reichsluftschutzbund (RLB) ab 1936; NS-Volkswohlfahrt (NSV) ab 1936.

DJH: 1927-1933 Geschäftsführer der DJH-Ortsgruppe Nürnberg. 1946-1974 stellv. Vorsitzender des DJH-Landesverbands Bayern.

Quellen: Stadtarchiv Nürnberg: Passkarte (Stadtarchiv Nürnberg C 21/VIII Nr. 503) / „Loni Burger wird heute 65 Jahre alt. Der Jugend verbunden“, in: Nürnberger Nachrichten, 21./22.12.1963, S. 9 / „Loni Burger wird heute 70“, in: Fränkische Tagespost, 21./22.12.1968 / Todesanzeige, in: Nürnberger Nachrichten, 09.06.1981, S. 27 / Nachruf „Bildungsreferent Loni Burger ist gestorben, in: Nürnberger Nachrichten, 10.06.1981, S. 11 / Jochen Zimmer (Hg.): Mit uns zieht die neue Zeit. Die Naturfreunde. Zur Geschichte eines alternativen Verbandes in der Arbeiterkulturbewegung, Köln 1984, S. 115 / Eva Wächter: „… an der lauten Stadt vorüberziehen!“ Naturfreunde 1918-1933 zwischen Jugendbewegung und Jugendpflege, in: Heinz Hoffmann/Jochen Zimmer (Hg.): Wir sind die grüne Garde. Geschichte der Naturfreundejugend, Essen 1986, S. 16 / Wulf Erdmann: Mit dem Wandern fing es an. Kurze Geschichte der Naturfreunde, in: Wulf Erdmann/Jochen Zimmer (Hg.): Hundert Jahre Kampf um die freie Natur. Illustrierte Geschichte der Naturfreunde, Essen 1991, S. 10-36 / Viola Denecke: Der Touristenverein “Die Naturfreunde“, in: Franz Walter/Viola Dennecke/Cornelia Regin (Hg.): Sozialistische Gesundheits- und Lebensreformverbände. Solidargemeinschaft und Milieu: Sozialistische Kultur- und Freizeitorganisationen in der Weimarer Republik, Band 2, Bonn 1991, S. 241-291 / John Alexander Williams: Turning to Nature in Germany. Hiking, Nudism, and Conservation, 1900-1940, Stanford University Press 2007.

Max Busch

*04.02.1867 in Erfurt, †01.09.1942 in München; Kaufmann (?)

Längere Zeit Direktor in der Kleineisen- und Stahlindustrie in Düsseldorf. Jan. 1934 nach Pensionierung Umzug nach München mit von dort stammender zweiter Ehefrau. 

Mitgliedschaften: Laut Hans Preuß Mitglied „im 5. Grad“ der Düsseldorfer Freimaurerloge (?).

DJH: ca. Herbst 1935 bis Okt. 1936 ehrenamtlicher Geschäftsführer des DJH-Landesverbands Hochland in München, kommissarischer Leiter und Geschäftsführer des Landesverbands ca. 1940-42.

Quellen: Stadtarchiv München: Auskunft aus den Meldeunterlagen / Staatsarchiv Nürnberg: Hans Preuß: Erklärung (29.1.1946), in: Spruchkammerakten, SK Gunzenhausen-Stadt, P-35, Preuß, Hans / Ernst Enzensperger: Von Jugendwandern und Bergsteigertum. Eine Geschichte des bayerischen Jugendherbergswerks, München 1951, S. 138 (= Bericht von Hans Preuß).

Hans Ritter von Drechsler

*30.12.1893 in Hintereben (Bayer. Wald), †01.11.1973 in Dießen am Ammersee; Turnlehrer

Lehrersohn, Volksschule und Oberrealschule in Passau, Abitur 1914, danach kurz Studium der Forstwissenschaft. August 1914 Kriegsfreiwilliger, Kriegsdienst bis Nov. 1918. 1916 Auszeichnung mit höchstem militärischem Verdienstorden in Bayern: Militär-Max-Joseph-Orden, mit Namenszusatz „Ritter von“ in Adelsstand erhoben. Frühjahr 1919 Freikorps Epp, Niederschlagung der Räterepublik in München; Führer der Münchner Hochschulkompagnie aus Professoren, Dozenten und Assistenten im Freikorps. Parallel Ausbildung zum Turnlehrer an Bayerischer Landesturnanstalt. Ab Sept. 1920 Turnlehrer am Münchner Wittelsbacher-Gymnasium. 1923 Heirat; zwei Söhne (1930er Jahre). Ab Herbst 1932 ehrenamtlicher Sachbearbeiter für vormilitärische Jugenderziehung im „Wehrpolitischen Amt“ der NSDAP (Führung: Franz Ritter von Epp, Geschäftsführer: Oberst Friedrich Haselmayr, = Kontakt aus Erstem Weltkrieg). Ab 1937 „Jugendwalter“ seiner Schule. 1938 Beförderung zum Studienprofessor, 1940 Beförderung zum Oberstudienrat. Sept. 1939 bis 1945 Kriegseinsatz in Militärverwaltung in München (ab Okt. 1943: Major der Reserve). Sept. 1941 Mitgliedschaft in „Gruppe Reichert“ (= Splittergruppe der Mitglieder des Militär-Max-Josef-Ordens aus jüngeren Reserveoffizieren, die den Ritterorden nationalsozialistisch und egalitär ausrichten wollten). Freundschaft mit Oberst Georg Hansen 
(= Beteiligter am Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944), in Attentatspläne eingeweiht („Zelle München“). April/Mai 1945: besorgt Benzin und Waffen für „Freiheitsaktion Bayern“. Jan. 1946 Dienstenthebung. Okt. 1947 Entnazifizierung: Spruch „Entlasteter“; Antrag auf Wiedereinstellung, parallel auf Versetzung in Ruhestand. Juli 1948 Pensionierung.

Mitgliedschaften: Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) ab ca. 1921; NSDAP ab 1. Mai 1933 (#2.942.400); NS-Lehrerbund (NSLB) ab September 1933; Reichsluftschutzbund (RLB) ab 1935; NS-Volkswohlfahrt (NSV) ab ca. 1936.

DJH: ab Okt. 1923 stellv. Vorsitzender im Ortsausschuss München, ab Ende 1926 stellv. Vorsitzender im DJH-Gau Bayern. Seit Feb 1927 1. Vorsitzender der DJH-Ortsgruppe München. Ab 1947 Kassenprüfer für den Landesverband.

Quellen: Staatsarchiv München, Spruchkammerakten, Karton 310, v. Drechsler, Hans / Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MK 45925 [= Personalakte Hans Ritter von Drechsler] / Bundesarchiv Berlin (ehem. BDC), PK Parteikorrespondenz, B 375 Drechsler Hans, 30.12.1893 / Rudolf von Kramer / Otto Freiherr von Waldenfels / Günther Freiherr von Pechmann: Virtuti pro patria. Der königlich bayerische Militär-Max-Joseph-Orden. Kriegstaten und Ehrenbuch 1914-1918, München 1966, S. 179f. / Andreas Haggenmiller: Der königlich Bayerische Militär-Max-Joseph-Orden. Die Geschichte und gesellschaftliche Stellung einer militärischen Elite im 20. Jahrhundert, 2005 [Diplomarbeit, Universität der Bundeswehr München].

Friedrich Ehrlicher

*26.06.1908 in Uffenheim, †19.05.1993; Gymnasiallehrer

Vater Gymnasiallehrer. Als Kind Umzug nach Landshut, dort 1926 Abitur. Studium in München und Berlin: Alte Sprachen, Deutsch und Geschichte. 1931 Staatsprüfung für das Lehramt an höheren Schulen in Bayern, 1931-1933 Studienassessor in München und Augsburg. 1933 HJ-Bannführer für Schwaben in Augsburg. Ab Juni 1933 Führer des DJH-Gaues Bayern in München. Ab Oktober 1933 hauptberuflich Stadtjugendamt München (Jugendamtmann), Nov. 1938-1945 Direktor des Stadtjugendamts. 1934 Heirat, vier Kinder. 1939-1945 Kriegsdienst (Gebirgsjäger), Feldzüge in Frankreich, Jugoslawien und Russland. Ende April 1945 als Mitglied des Volkssturms Tötung des Widerstandskämpfers Dr. Thomas Max in München-Grünwald. Mai 1945-Dez. 1948 Kriegsgefangenschaft, anschließend Internierung. Entnazifizierung, Spruch: „Minderbelasteter“. 1949 bis 1950 Gefängnishaft wegen Totschlags an Dr. Max. 1950-1954 Werbetexter im Haushaltswaren-Geschäft seines Cousins in München. 1954-1970 Angestellter im Bildungszentrum des Bayerischen Handels, 1971-1976 selbständiger Unternehmensberater. 

Mitgliedschaften: Jung-Bayern 1922-1929; NSDAP seit 1.9.1930 (#296.974); HJ seit Oktober 1930; SS Frühjahr 1931 bis Frühjahr 1933. Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft seit 1949, darin Gemeindeleiter, Landesgemeindeleiter, Mitglied des Geistigen Rates sowie Präsent der Gesamtgemeinschaft.

DJH: Juni 1933 bis Juli 1935 Führer des DJH-Gaues Bayern und Inspekteur Süd des DJH.

Quellen: Stadtarchiv München: Friedrich Ehrlicher: Das Stadtjugendamt München 1933-1945, darin Lebenslauf Ehrlichers, in: Best. Jugendamt, 129 a / Staatsarchiv München, Spruchkammerakten, Karton 342, Ehrlicher, Friedrich / Bundesarchiv Berlin (ehem. BDC), PK Parteikorrespondenz, C 22, Ehrlicher Fritz, 26.6.1908 / Wikipedia: Friedrich Ehrlicher <https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ehrlicher> (08.09.2025) / Ernst Enzensperger: Von Jugendwandern und Bergsteigertum. Eine Geschichte des bayerischen Jugendherbergswerks, München 1951, S. 75, 111f., 127f., 135 / Bernhard Lohr: Heldenkinder, Verräterkinder, in: Süddeutsche Zeitung, 07.04.2018 <https://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/zweiter-weltkrieg-heldenkinder-verraeterkinder-1.3930349> (08.09.2025) / o.V.: Naziverbrechen in Grünwald. Versuch der Versöhnung, in: Münchner Merkur, 11.10.2017 <https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/gruenwald-ort28770/nazi-verbrechen-in-gruenwald-versuch-versoehnung-8759756.html> (08.09.2017).

Ernst Enzensperger

*31.05.1877 in Spalt (Franken), †05.03.1975 in München; Gymnasiallehrer

Kindheit im Allgäu, ambitionierte Bergwanderungen und Erstbesteigungen mit älterem Bruder Josef. Volksschule im Ort Schwaben, ab 1886 Ludwigsgymnasium in München. Ab 1895 Studium der Mathematik und Physik für das Lehramt an der Technischen Hochschule München. 1901-1903 Tätigkeit bei der meteorologischen Zentralstation in München. Ab Herbst 1903 Lehrer am Münchner Wilhelms-Gymnasium. 1909 nach kurzer Station in Bamberg Wechsel an die Münchner Gisela-Kreisrealschule (Engagement im Bayerischen Realschulmännervereins für Gleichstellung der Oberrealschulen mit den Gymnasien). Befreiung vom Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg wegen Gehörfehler. 1920 Versetzung an Wittelsbacher-Gymnasium. 1925-1933 Teilfreistellung durch Kultusministerium für Aufbau des bayerischen Jugendherbergswerks. Ab 1934 ehrenamtl. Mitglied des Kuratoriums der Reisestiftung des Deutschen Museums, ab 1935 Verwaltungsausschuss des Deutschen Museums. Nov. 1944 Pensionierung. 1928-1936 1. Ehe, ab 1940 2. Ehe; beide kinderlos.

Mitgliedschaften: Deutscher und Österreichischer Alpenverein (DÖAV), Sektion Hochland, seit 1895; Akademischer Alpenverein München seit 1895 (2. Vorstand); Geografische Gesellschaft München seit 1905 (korrespondierendes Mitglied); Bund Naturschutz Bayern seit 1924; Stahlhelm: Dezember 1932 bis 1935; Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) („lange vor 1933“); DNVP seit April 1933; NS-Volkswohlfahrt (NSV) ab Juni 1934; NS-Lehrerbund (NSLB) ab 1936, davor Bayerischer Realschulmännerverein ab 1909 (2. Vorstand); Reichskolonialbund (RKB) ab 1938; Reichsluftschutzbund (RLB) ab 1935.

DJH: 1913 Gründer des Ortsausschusses München für Jugendalpenwanderungen. 1924-1926 1. Vorsitzender des DJH-Zweigausschusses Südbayern. 1926-1933 1. Vorsitzender des DJH-Gaues Bayern. 1945 Beauftragter für Jugendherbergen in Bayern; 1946-1949 1. Vorsitzender des DJH-Landesverbands für Jugendwandern und Jugendherbergen.

Quellen: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. V, DJH Lv Bayern, u.a. Nr. 87 (enthält Fragebogen des Military Government zur Entnazifizierung) / „Ein Leben für die Jugend. Professor Ernst Enzensperger zum 90. Geburtstag“, in: Jugend am Berg, 6 (1967) Heft 2, S. 64ff. / Ernst Enzensperger: Mein Leben mit den Bergen, München 1972 / Florian Bischof: Erziehung als Lebensaufgabe. Ernst Enzensperger, Gründervater der Jugendarbeit im Alpenverein, in: Berg. Alpenvereinsjahrbuch (143) 2019, S. 120-127.

Maria Fellner

*07.05.1883 in Furth bei Landshut, †16.12.1968 in Bad Tölz; Volksschullehrerin

Tochter eines Gendarmerie-Sergeanten, seit 1906 Volksschullehrerin in München. Leitung einer Mädchenwandergruppe in München-Thalkirchen. Okt. 1943 Umzug nach Bad Tölz, dort ab 1945 Ruhestand. Unverheiratet.

Mitgliedschaften: NS-Lehrerbund (NSLB) ab 1933; NS-Volkswohlfahrt (NSV) ab 1936; Verein für das Deutschland im Ausland (VDA) 1936-1939; NS-Frauenschaft (NSF) ab 1940.

DJH: seit mind. 1922 Ortsausschuss München für Jugendalpenwanderungen; 1927-1933 Beisitzerin im Vorstand der DJH-Ortsgruppe München; Mai 1932 bis Juni 1933 Beisitzerin im Vorstand des DJH-Gaues Bayern als Vertreterin des weiblichen Jugendwanderns.

Quellen: Staatsarchiv München: Spruchkammerakten, Karton 3617, Fellner, Maria / Stadtarchiv München: Meldekarte (EWK `65 F 91) / Stadtarchiv Bad Tölz: Meldekarte und Sterbeurkunde / Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. V, DJH Lv Bayern, Nr. 104: Vereinsregisterauszug des Ortsausschusses München für Jugendalpenwanderungen, 28.10.1922.

Eugen Fischer

*23.08.1910 in Blaubeuren, †11.03.1994 in Osterhofen; Kaufmann

Kindheit / Jugend unbekannt. Sept. 1933 Umzug nach München: Schreinergehilfe. April 1934-1939 in Werneck bei Schweinfurt, dort 1937 Heirat. Nov. 1939 Rückkehr nach München: kaufmännischer Angestellter, ab 1940 DJH-Landesverband Hochland: Leiter der Buchhaltungsabteilung bis 1942 (Liquidation Landesverband). Unklar, ob Kriegseinsatz im Zweiten Weltkrieg. März 1946-April 1948 erster Geschäftsführer des neu gegründeten DJH-Landesverbands Bayern, Kündigung auf eigenen Wunsch. Herbst 1947 Scheidung, Bezug einer Dienstwohnung in der Münchner Jugendherberge. Sept. 1950 Umzug nach Parsdorf, dort 2. Heirat. März 1961 3. Heirat. 1970 Umzug nach Osterhofen.

DJH: 1940-1942 kaufmännischer Angestellter beim DJH-Landesverband Hochland. März 1946-April 1948 Geschäftsführer des DJH-Landesverbands Bayern.

Mitgliedschaften: NSDAP seit April 1941 (# 8.284.917)

Quellen: Stadtarchiv München: Meldeunterlagen / Bundesarchiv Berlin: NSDAP-Mitgliedskartei; R 9361-II/240768 (Parteikorrespondenz) / Ernst Enzensperger: Von Jugendwandern und Bergsteigertum. Eine Geschichte des bayerischen Jugendherbergswerks, München 1951, S. 158f. / Bayerisches Hauptstaatsarchiv: Brief Ernst Enzenspergers an Dr. Meinzolt (Bayerisches Ministerium für Unterricht und Kultus), 6. März 1946, in: Abt. V: DJH-Lv Bayern, 87 / Staatsarchiv München, Spruchkammerakten, Karton 958, Krebs, Karl Christian: Eidesstattliche Erklärung von Eugen Fischer / Staatsarchiv Nürnberg, SK Gunzenhausen, Preuß, Hans: Eidesstattliche Erklärung von Eugen Fischer.

Dr. Anton Graßl

*22.03.1909 in Kaiserslautern, †16.05.1990 in München; Lehrer, Ministerialbeamter

Vater Gymnasiallehrer aus München, seit 1907 in Kaiserslautern tätig. 1919 Umzug der Familie nach Passau, dort Humanistisches Gymnasium. Führer der Passauer „Neudeutschland“-Gruppe (= Jugendbund für kath. Schüler an Gymnasien unter jesuitischer Führung). 1928 Abitur und Prüfung für Kurzschriftlehramt; 1928-1933 Lehramtsstudium (Germanistik, Geschichte, Geografie) in München. Als Student zahlreiche Reisen in ganz Europa. 1933 2. Staatsprüfung und Promotion in Bayerischer Landesgeschichte. Mai 1933-Mai 1935 Vorbereitungsdienst an Münchner Rupprecht-Oberrealschule und Polizeihauptschule Fürstenfeldbruck. Parallel 12 Std./Woche Unterricht an der Heeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft München. Ab Juni 1935 Lehrer in Vollzeit an der Heeresfachschule, damit Beamter der Wehrmacht. Anf. 1937 u. Sommer 1938 jew. mehrmonatiger Wehrdienst. Ab Okt. 1938 Planstelle als Studienrat an der Heeresfachschule. Ab April 1939 Militärdienst; Kriegsdienst: 1939/40 Rückführung der Wolhyniendeutschen, 1940-42 Aufbau der Abt. Heerwesen im Oberkommando des Heeres (OKH), ab Mai 1942 Ostfront (Infanterie). Feb. 1944 Schussverletzung, bis Kriegsende Lazarett. 1945-1948 Wiss. Mitarbeiter bei Historischer Kommission (Akademie der Wiss.) in München, u.a. „Bayerische Biographie“ und NDB; ehrenamtlich Aufbau Bayer. Landesjugendring und DJH. Ab Juli 1948 Führung des „Referats für Jugendpflege, Jugendbewegung sowie Turnen und Sport“ im bayer. Kultusministerium, ab 1961 dort zusätzlich Leitung des Fachreferats für Erwachsenenbildung; zahlreiche Ehrenämter. April 1974 Pensionierung als Ministerialrat. Unverheiratet.

Mitgliedschaften: Jungdeutschland: Führer der Gruppe in Passau; Kath. Stud.verein „Südmark“; 1946 Mitgründer Bayer. Landesjugendring; 1952 Gründer und Leiter Dt. Jugendarchiv; 1949-1957 Landesvors. Bayer. Jugendrotkreuz; 1955-1957 Vors. Dt. Ganghofer-Gesellschaft; ab 1956 korresp. Mitglied Gesellschaft der Freunde Brasiliens.

DJH: ab Okt. 1946 stellv. Vors., 1949-1983 Vors. DJH-Landesverband Bayern. Ab 1949 stellv. Vors. DJH-Hauptverband. 1962-1976 Präsident Internat. Jugendherbergsverband (IYHF). Darin bereits ab 1952 deutscher Vertreter sowie ab 1957 Vize-Präsident.

Quellen: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MK Abgabe 2022/19, lfd. Nr. 8 (vorl.): Personalakte Dr. Anton Graßl / Staatsarchiv München, PA 21439: Personalakte Dr. Anton Graßl / Bundesarchiv Berlin, WASt (Wehrmachtauskunftsstelle), B 563-1 KARTEI/G-781/178 / Gerhard J. Bellinger und Brigitte Regler-Bellinger: Schwabings Ainmillerstraße und ihre bedeutendsten Anwohner. Ein repräsentatives Beispiel der Münchner Stadtgeschichte von 1888 bis heute, Norderstedt 2021, S. 215f.

Rudolf Gugel

*14.02.1908 in Nürnberg, †Jan./Feb. 1945; Kaufmann

Städtische Höhere Handelsschule in Nürnberg und kaufmännische Ausbildung. 1927-1931 kaufmännischer Angestellter (Firma unbekannt). Seit 1928 parallel politisch für die Hitlerjugend aktiv: Führer des HJ-Gaues Südfranken, ab Jan. 1933 hauptamtl. Führer des HJ-Gebiets Franken (ab 1937 Obergebietsführer). Seit April 1933 Mitglied des Reichstags, seit August 1933 Ratsherr der Stadt Nürnberg. Juli 1939 Entlassung als Obergebietsführer nach einer Reihe von Verfehlungen. Ab Kriegsbeginn als Unteroffizier (später Leutnant) in der Wehrmacht eingesetzt. Tod im Jan./Feb. 1945 bei Kampfhandlungen gegen die Rote Armee oder durch Suizid. Seit Juni 1933 verheiratet, mehrere Kinder.

Mitgliedschaften: NSDAP seit 1. Mai 1928 (#87.373); Hitlerjugend seit Juli 1926; ab 1. April 1928 Gauführer, ab 1.1.1933 Gebietsführer.

DJH: ab April 1933 Geschäftsführer der DJH-Ortsgruppe Nürnberg. 1934-1941 nomineller Führer des DJH-Landesverbands Franken (Nürnberg).

Quellen: Stadtarchiv Nürnberg: Auskunft aus den Meldeunterlagen / Bundesarchiv Berlin: Bestand R 9361-II/332570 (Parteikorrespondenz) / Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, München 2003, Band 2, S. 1149 / Wikipedia: Rudolf Gugel <https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Gugel> (08.09.2025).

Franz Xaver Hartmann

*04.11.1883 in Lorch (Württemberg), †14.03.1983; Volksschullehrer

Lehrerseminar in Mindelheim und Lauingen, ab 1901 Volksschullehrer in Schwaben, ab 1904 in München. Dort 1908-1914 ehrenamtlicher Schatzmeister des Münchner Lehrerverbands (MLV) und Herausgeber der „Merkblätter zur Berufsberatung“ des Pädagogisch-Psychologischen Instituts des MLV. Vermutlich 1914-1918 Kriegseinsatz. 1944 Rektor einer Münchner Volksschule. Organisatorische Leitung der Kinderlandverschickung (KLV) in Bayern. Nach Kriegsende Rückführung der Kinder in ihre Heimatorte, finanzielle und vermögensrechtliche Abwicklung der Lagerauflösung. Juli 1946 Beteiligung an Wiederbegründung des Bayerischen Lehrervereins. Ca. 1948 Pensionierung. Unverheiratet.

Mitgliedschaften: Münchner Lehrerverband (MLV); Bayerischer Lehrerverband (BLV) (seit 1951 Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV): 1946-1955 Präsident, danach Ehrenpräsident.

DJH: Oktober 1946-1953 Mitglied des Vorstands im DJH-Landesverband Bayern als Vertreter des BLLV.

Quellen: Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV): Ehrenmitglieder, URL: <https://www.bllv.de/bllv/geschichte/ehrentafel/ehrenmitglieder> (06.01.2025) / Stadtarchiv München: Auskunft aus den Meldeunterlagen / Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. V: DJH-Lv Bayern, 001 (= Niederschriften über Vorstandssitzungen des DJH-LV Bayern e.V., 1946-1960) / Ernst Enzensperger: Von Jugendwandern und Bergsteigertum. Eine Geschichte des bayerischen Jugendherbergswerks, München 1951, S. 145, 160, 165, 169.

Jakob Hartmann

*08.05.1871 in Speyerdorf, †10.03.1938; Volksschullehrer, Schulrat

Lehrerseminar, ab 1898 Volksschullehrer in Ludwigshafen, u.a. an Berufsfortbildungsschule (Bezirksoberlehrer, später Schulleiter). Mai 1917: Kreisschulinspektor in Speyer, April 1920: Regierungsschulrat. Ehrenamtliches Engagement in Heimatpflege sowie im Pfälzerwald-Verein. Mitbegründer der Schülerwanderungen im Pfälzerwald-Verein, Einrichtung von Jugendherbergen. Ab 1931 mehrfach länger krank. Sept. 1933 vorzeitige Pensionierung. Verheiratet, ein Sohn.

Mitgliedschaften: Pfälzerwald-Verein: 2. Vorsitzender

DJH: 1921-1926 1. Vorsitzender des DJH-Zweigausschusses Rheinpfalz (zunächst „Pfalz-Rheinhessen“). 1926-1933 stellv. Vorsitzender des DJH-Gaues Bayern.

Quellen: Landesarchiv Speyer: Kgl. Regierung der Pfalz, Personalakte Jakob Hartmann (H 2 Nr. 254) / Friedrich Burger: Nachruf auf Jakob Hartmann, in: Wanderbuch 1939 des Pfälzerwald-Vereins, Neustadt an der Weinstraße 1939, S. 9f. / Fritz Steegmüller: Schulen in Speyer früher und heute. Ein Abriß der 1200jährigen Schulgeschichte der 2000 Jahre alten Stadt Speyer, Speyer 1990, S. 193f.

Dr. Fritz Hilpert

*23.02.1893 in Neu-Offendingen, †31.12.1956 in München; Geschäftsführer

Sohn eines Bahnbeamten. Volksschule, Oberrealschule. 1915-1918 Kriegsdienst, Rückkehr als Pazifist. Nov. 1919-1922 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München, Promotion. Als Student Mitglied von USPD und Deutscher Friedensgesellschaft; Artikel gegen Militarismus, Kriegshetze und Nationalismus in USPD-Tageszeitung „Der Kampf“. Nach Zusammenbruch der Räterepublik Engagement im Republikanischen Studentenbund und im Club demokratisch gesinnter Studenten (= öfftl. Vorträge prominenter Redner zur Stützung des Verfassungsstaates). Ab 1919 ehrenamtlich Aufbau des Lehrmittelamts des AStA der Münchner Hochschulen (= kostenloser Lehrbuchverleih an bedürftige Studenten). 1922-April 1927 hauptamtliche Leitung des Lehrmittelamts. Aug. 1925-Jan. 1926 Teilzeit-Praktikum bei Zweigstelle München des Auswärtigen Amtes für Außenhandel (Ziel: Aufnahme in den diplomatischen Dienst des Deutschen Reiches). Ausscheiden aus familiären Gründen, Feb. 1926 Heirat, ein Sohn. April 1927-Ende 1928 Geschäftsführer Reichsverband akademischer Kriegsteilnehmer (= Wohlfahrts- und Lobbyorganisation für junge Kriegsteilnehmer). 1927 in engerer Wahl als Geschäftsführer des Österreichischen Alpenvereins. Freundschaft mit Berthold Feuchtwanger (= Bruder des Schriftstellers Lion Feuchtwanger), Mitglied des Kreises um den jüdischen Arzt Dr. Max Klar (= Leiter der Ortsgruppe München der Deutschen Friedensgesellschaft); beide ab 1933 im Widerstand. Ab Jan. 1929 unbefristete Stelle als Geschäftsführer beim DJH-Landesverband Bayern. 1933 Übernahme durch HJ. Juni 1935 fristlose Entlassung wegen erfundener Vorwürfe. Mehrere Monate arbeitslos. Mitglied der Widerstandsgruppe um Münchner Reisebüroinhaber Maximilian H. Fuchs: Schmuggel verbotener Schriften aus dem Ausland. Ab Dez. 1935 Buch- und Betriebsprüfer in der Devisenstelle des Landesfinanzamts München. 1937 Qualifikation zum Devisenprüfer, Kündigung, um sich nicht an Judenverfolgungen zu beteiligen. Ab April 1938 Sachbearbeiter für Wirtschafts- und Devisenrecht beim Fachamt Druck und Papier der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Sept. 1939 bis Kriegsende 1945 Kriegsdienst in der Lazarettverwaltung, u.a. in Wörgl in Tirol. Dort Teil von lokaler Widerstandsbewegung. Juni 1947 Entnazifizierung, Spruch: „Entlasteter“, trotzdem keine Wiederanstellung als Geschäftsführer im DJH-Landesverband Bayern. Neue Stelle als Syndikus (Rechtsberater), Arbeitgeber unbekannt. 1951 Herzinfarkt, Silvestertag 1956 erneut Herzinfarkt.

Mitgliedschaften: Jungdeutschland; Studentenverbindung Markomannia München; USPD (ca. 1919 bis 1923); Deutsche Friedensgesellschaft; Liga für Menschenrechte seit 1920; Deutscher Republikanischer Studentenbund; Club demokratisch gesinnter Studenten (gegründet 1922); Widerstandsgruppe Fuchs seit 1933; NSDAP: 1. Mai 1933 (#1.926.845) [nach eigener Aussage rückwirkend auf Betreiben von Emil Klein nach Aufnahmeantrag im Herbst 1933]; Hitlerjugend (HJ): Juli 1933 bis Juni 1935; NS-Kraftfahrerkorps (NSKK): seit Juni 1933; NS-Volkswohlfahrt (NSV); NS-Rechtswahrerbund (NSRB) 1935-1939; Deutsche Arbeitsfront (DAF) 1938-1939; Reichsluftschutzbund (RLB); NS-Altherrenbund der Deutschen Studenten; Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA); Reichskolonialbund (RKB).

DJH: Jan. 1929-Frühjahr 1935 hauptamtlicher Geschäftsführer des DJH-Gaues Bayern

Quellen: Staatsarchiv München, Spruchkammerakten, Karton 708: Dr. Hilpert Fritz / Bundesarchiv Berlin (ehem. BDC), PK Parteikorrespondenz, E 216, Hilpert Fritz; NSDAP-Mitgliedskartei.

Rudolf Hirschmann

*19.04.1911 in Nürnberg, †07.12.1965 in Kiel; Kaufmann

Volksschule, bis 1928 Städtische Höhere Handelsschule in Nürnberg. Seit 1921 Jugendführer in evang. Arbeiterjugend. Anfang 1931 arbeitslos (Konkurs des Arbeitgebers). Feb.-Nov. 1931 Kontorist bei „Kraftverkehr Bayern“, Stellenverlust wegen Arbeitsmangel, wieder arbeitslos. Okt. 1932 Übertritt mit evang. Arbeiterjugend zur Hitlerjugend, dort Scharführer. Mai 1932-März 1934 Kontorist bei jüdischer Import-Export-Firma Hugo Rosenfeld. Ende des Arbeitsverhältnisses wg. „Umzug der Firma“. Ab April 1934 Geschäftsführer des DJH-Landesverbands Franken. Ab Aug. 1939 Wehrmacht, Kriegsdienst in Frankreich und Russland. Dazwischen 1940-1944 für Hitlerjugend im Gebiet Franken Organisation der Kinderlandverschickung. Nach drei Verwundungen nur noch „garnisonsverwendungsfähig“, von Hitlerjugend dauerhaft für Organisation der Kinderlandverschickung angefordert. Ab Juli 1944 Dienststelle KLV in Berlin. Feb. 1945 Dienststelle KLV in Böhmen-Möhren, Kriegsende in Bad Podiebrad bei Prag. In Nürnberg ausgebombt, deshalb Juni 1945 Umzug mit Frau zu deren Verwandten nahe Eckernförde; dort zunächst Landarbeiter. Dez. 1945-Dez. 1946 Internierung in Neuengamme; Jan. 1949 Entnazifizierung, Spruch „Entlasteter“; wieder Landarbeiter. Weiterer Werdegang unbekannt.

DJH: 1934 bis mind. 1939, vermutlich bis 1941 (Auflösung der Landesverbände) Geschäftsführer des DJH-Landesverbands Franken mit Sitz in Nürnberg.

Mitgliedschaften: HJ seit Oktober 1932; 1944: Ernennung zum Stammführer; NSDAP seit 1. Mai 1937 (#4.444.404); Deutsche Arbeitsfront (DAF) seit 1934; Kraft durch Freude (KdF) seit 1934; NS-Volkswohlfahrt (NSV) seit 1934; Reichsluftschutzbund (RLB) seit 1938.

Quellen: Stadtarchiv Nürnberg: Auskunft aus Meldeunterlagen / Landesarchiv Schleswig-Holstein: Entnazifizierungsunterlagen Rudolf Hirschmann, Abt. 460.1, Nr. 318.

Siegfried von Jan

*05.02.1881 in Frankenthal (Pfalz), †07.10.1970; Jurist, Ministerialbeamter

Volksschule, Gymnasium in Zweibrücken, Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger. 1900-1904 Jura-Studium in München und Berlin, Staatsexamen, Rechtsreferendariat. 1909 Staatsdienst: Bezirksamt Obernburg am Main in Unterfranken. 1909 Heirat, drei Kinder. Nov. 1912 Wechsel ins bayerische Innenministerium nach München. Während des Ersten Weltkriegs zunächst Soldat an der Front, dann Beamter im Kriegsministerium, im Grenzschutz in Passau und Salzburg sowie im Innenministerium. Feb. 1920 Wechsel an Bezirksamt Rothenburg ob der Tauber. Ab April 1922 bayer. Kultusministerium, dort 1922-1939 Referent für Turnen, Sport und Jugendpflege. Ab Juli 1939 Leiter der Hochschulabteilung im Ministerium, 1944 Leiter Zentralabteilung. Aug. 1945 Dienstenthebung. April 1948 Entnazifizierung, Spruch „Mitläufer“. Sept. 1948 Wiederanstellung, gleichzeitig Versetzung in den Ruhestand. Wieder ehrenamtliches Engagement im DJH-Landesverband Bayern.

Mitgliedschaften: Tennisklub St. Anna München, 1901-1906; Tennisklub Iphitos München, 1907-1939; Deutscher und Österreichischer Alpenverein (DÖAV), Sektion München seit 1907; Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA) seit 1927; Akademie zur Wissenschaftlichen Erforschung und Pflege des Deutschtums (Deutsche Akademie) seit ca. 1925/26; Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) seit 1933; Reichskolonialbund (RKB) seit 1934; NS-Rechtswahrerbund (NSRB); Reichsbund der deutschen Beamten (RDB) seit 1933; NS-Volkswohlfahrt (NSV) seit April 1934; NSDAP ab 1.5.1937 (rückwirkend; Anwärterschaft ab Okt. 1937, Aufnahme Juni 1939; Mitgliedsnummer 5.229.027); NS-Altherrenbund seit 1937; Reichsluftschutzbund (RLB) seit 1937.

DJH: seit 1922 ehrenamtl. Engagement im bayerischen Jugendherbergswerk. 1927-1933 Vorstand DJH-Reichsverband: Vertreter der Länderregierungen. 1929-1933 Beisitzer Vorstand DJH-Gau Bayern, seit 1931 Ehrenmitglied. Ab 1946 ehrenamtlicher Kassenprüfer des DJH-Landesverbands Bayern, 1951-1956 Landesschatzmeister und Vorstandsmitglied des DJH-Landesverbands Bayern.

Quellen: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MK 43077 [= Personalakte Siegfried von Jan] / Staatsarchiv München, Spruchkammerunterlagen, Karton 807, v. Jan, Siegfried / Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. V: DJH, Lv Bayern, Nr. 91. „Beitrag zum 80. Geburtstag von Herrn Ministerialrat von Jan“, Beilage eines Briefes von Ernst Enzensperger an Dr. Hanns Schröder, 3.1.1961 / DJH-Landesverband Bayern, Lv B 11_0: „Dem Landesschatzmeister des Jugendherbergswerkes in Bayern, Ministerialrat a.D. Siegfried von Jan, zum 75. Geburtstag“ (Verfasser vermutlich Ernst Enzensperger).

Eberhard Kaatz

*09.07.1905 in Berlin, †unbekannt; HJ-Funktionär

Zum Werdegang wenig bekannt: Sept. 1935-April 1939 wohnhaft in Neustadt a. d. Weinstraße: Tätigkeit für DJH, danach Berlin: Mitarbeiter der Reichsjugendführung. Ab Jan. 1942 kommiss. Verwaltungsleiter der Adolf-Hitler-Schule Köln-Aachen. Verheiratet, zwei Kinder (Stand 1942).

Mitgliedschaften: NSDAP seit 1. Mai 1933 (#2.768.753); Hitlerjugend; Deutsche Arbeitsfront (DAF); NS-Volkswohlfahrt (NSV); Reichsluftschutzbund (RLF); Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA).

DJH: ca. Sept. 1935-März 1939 Leiter und Geschäftsführer DJH-Landesverband Saarpfalz.

Quellen: Bundesarchiv Berlin: R 9361-I/1509 Personenbezogene Unterlagen der NSDAP (Parteistatistik), R 9361-II/482220 Parteikorrespondenz; Stadt Neustadt a.d. Weinstraße: Auskunft Melderegister.

Emil Klein

*03.12.1905 in Oldenburg, †22.02.2010 in München; Kaufmann

Volksschule in Innsbruck, Meran und München; 1920-1923 kaufmännische Ausbildung, parallel Städtische Höhere Handelsschule in München. Bankbeamter und Prokurist, ab 1929 Mitinhaber der Revisions-Kanzlei-Gemeinschaft Eugen Klein & Sohn. Okt. 1920 NSDAP-Beitritt, dort Propagandaleiter und Redner. Ab Sept. 1922 außerdem Mitglied der SA. 8./9. Nov. 1923 Beteiligung am Hitler-Ludendorff-Putsch. Während Verbot der NSDAP Kassenwart der Großdeutschen Volksgemeinschaft. Ab 1927 vor allem Hitlerjugend, dort ab 1928 Führer für München bzw. Südbayern. Ab 1935 Obergebietsführer der HJ für die Gebiete Hochland, Schwaben, Franken und Pfalz. Seit 1936 Mitglied des Reichstags. Während Novemberpogrom 1938 Erpressung von Geldzahlungen von jüdischen Hauseigentümern in München, durch Zwang notarielle Überschreibung von deren Häusern auf die HJ. Dabei Tod des jüdischen Justizrats Emil Krämer und dessen Frau unter nicht final geklärten Umständen. Ab Dez. 1937 Adjutant des Münchner Gauleiters Adolf Wagner sowie Beauftragter in dessen politischem Stab. Ab 1943 Leiter des Politischen Stabs im bayer. Kultusministerium, ab 1944 kommissarischer Leiter des Ministeriums. Parallel 1939-1942 Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg (Gebirgsjäger, Einsatz in Jugoslawien und UdSSR). Mai 1945-Mai 1948 Internierung. Entnazifizierung, Spruch „Hauptbelasteter“ (drei Jahre Arbeitslager, Beschränkungen bei Berufswahl). 1950er Jahre Tätigkeit in München Möbelgeschäft (Inhaber = Cousin des früheren HJ-Gebietsarchitekten Carl Vessar).

Mitgliedschaften: NSDAP seit Okt. 1920 bzw. Sept. 1925 (#47.014); zahlreiche Parteiauszeichnungen, u.a. goldenes Parteiabzeichen, Blutorden und goldenes HJ-Ehrenzeichen / SA seit 1922 / HJ: seit 1927 Führer der HJ München bzw. Südbayern

DJH: 1933 „Beauftragte für die Gleichschaltung des bayerischen Jugendherbergswerks“ seitens der Hitlerjugend.

Quellen: Bundesarchiv Berlin (ehem. BDC), PK Parteikorrespondenz, G 0001 Klein, Emil / Bayerisches Hauptstaatsarchiv, RSTH Reichsstatthalter Epp, 157 / Irene Struif: "Jugendführer" Emil Klein – vom Parteimitglied der NSDAP zum Stabsleiter des Kultusministeriums, in: Marita Krauss: Rechte Karrieren in München. Von der Weimarer Zeit bis in die Nachkriegsjahre, München 2010, S. 133-151 / Joachim Lilla (Hg.): Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Ein biographisches Handbuch, Düsseldorf 2004, S. 313f. / Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, München 2003, Band 2, S. 1166 / Andreas Heusler: „Kristallnacht“. Gewalt gegen die Münchner Juden im November 1938, München 1998, S. 95-111.

Martin Kretzschmar

*20.01.1895 in Dresden, †28.01.1949 in Neustadt/Waldnaab; Jugendpfleger

Handelsschule der Dresdener Kaufmannschaft, kaufmännische Ausbildung. 1914 Kriegsfreiwilliger, bis 1918 Kriegsdienst. Danach Hospitant an Dresdner Hochschule. Ab März 1919 Erzieher in der „Arbeitslehrkolonie und Beobachtungsanstalt“ Steinmühle bei Homburg: Betreuung von kriminellen bzw. verhaltensauffälligen Jugendlichen. Mai 1921 Heirat, keine Kinder. Herbst 1921 Umzug nach Nürnberg: Beamtenstelle als Jugendpfleger beim Jugendamt Nürnberg. Ab Mai 1926 Leiter der Abteilung Jugendpflege und Jugendbewegung, u.a. Verbindungsmann des Jugendamts zu den Nürnberger Jugendverbänden sowie zum Jugendherbergswerk. Privat Führer in Jugendbewegung, ehrenamtlicher Leiter der Arbeitsstelle der Nürnberger Jugendbewegung. Mai 1934 Beförderung zum Jugendinspektor, zum 15. März 1935 („Straf“-)Versetzung zum Wohlfahrtsamt auf Betreiben von Rudolf Gugel (= HJ-Obergebietsführer und Stadtrat). Fällige Beförderung zum Oberinspektor abgelehnt wg. früherer Mitgliedschaft in Friedensgesellschaft und fehlender NSDAP-Mitgliedschaft. Ab Aug. 1939 Kriegsdienst. Mai 1945-Aug. 1945 amerikan. Gefangenschaft; Ende August 1945 zurück im Dienst, wieder Jugendamt Nürnberg: Aufbau und Leitung der neuen Abteilung Kinderhilfe. Daneben wieder zuständig für Jugendwandern und Jugendherbergen. Tod durch Schlaganfall während einer Dienstreise.

Mitgliedschaften: Deutsche Friedensgesellschaft Herbst 1930 - März 1933, darin 1932/33 Jugendführer; Reichsbund der deutschen Beamten (RDB) ab 1934; NS-Volkswohlfahrt (NSV) ab 1935; Reichsluftschutzbund (RLB) ab 1935.

DJH: ab ca. 1927-1933 Beisitzer im Vorstand des DJH-Gaues Bayern (Nachrücker für Hans Blanck). Okt. 1946-Jan. 1949 Vorstandsmitglied des DJH-Landesverbands Bayern für Jugendwandern und Jugendherbergen.

Quellen: Stadtarchiv Nürnberg: Personalakte (Stadtarchiv Nürnberg C 18/II Nr. 3954).

Karl Krebs

*08.06.1904 in Gunzenhausen, †25.05.1978 in Gunzenhausen; Kaufmann

Sohn eines Hafnermeisters. Bankbeamter bei Firma Heimann in Gunzenhausen. Nov. 1923 Entlassung wegen NSDAP-Mitgliedschaft. 1925-1932 in Windhoek / Südwestafrika (heute: Namibia), dort Buchhalter und Kassier für „Rudolf Schuster Ltd.“ (Handel mit Windmühlen). 1932 Entlassung wegen polit. Aktivitäten (Leiter NSDAP-Landesgruppe Südwestafrika).Dez. 1932 Rückkehr nach Gunzenhausen da in Windhoek keine andere Stelle. „Heimbau“ Siegen: Bezirksvertreter für Bayern, nach wenigen Monaten Entlassung. Mai 1933 Heirat. Freiberuflicher Vertreter; ab 1934 Aushilfsstelle bei Bezirksamt Gunzenhausen. Mai 1935: Frau stirbt nach Geburt des Sohnes. Ende Okt. 1936 Umzug nach München, ab Nov. Geschäftsführer und Buchhalter des DJH-Landesverbands Hochland; Chef: Hugo Preuß (= Schwager durch Ehe mit Krebs‘ Schwester Emma). Sept. 1937 2. Heirat; fünf Kinder (1938-1946). Ab Juli 1940 Kriegsdienst (Bau-Bataillon der Luftwaffe). Um 1941/42 Sonderurlaub für Liquidation des DJH-Landesverbands Hochland. Sept. 1946 Umzug nach Gunzenhausen, dort Hilfsarbeiter und Betreiber einer Kleintierzucht. Entnazifizierung, Spruch „Mitläufer“ (angeblich Parteiausweis verloren, Mitgliedsnummer vergessen, Mitglied in NSDAP erst seit Nov. 1934). Weiterer Werdegang unbekannt.

Mitgliedschaften: NSDAP: 1922 bis November 1923 (Parteiverbot), ca. Juli 1930 bis Dezember 1932, dabei Leitung der NSDAP-Landesgruppe Südwestafrika; 1934-1945 (1933/34 rückwirkend; #270.977); SA (Sturm R21/13, Brigade 78); Hitlerjugend: 1937- Feb. 1942 (Austritt).

DJH: Nov. 1936-1941 Geschäftsführer und Revisor im DJH-Landesverband Hochland in München.

Quellen: Staatsarchiv München, Spruchkammerakten, Karton 958, Krebs, Karl Christian (08.06.1904).

Dr. Heinrich Lades

*04.07.1914 in Nürnberg, †04.08.1990 in Erlangen; Verwaltungsjurist, Politiker

Sohn eines Bankdirektors. Gymnasium in Erlangen. Herbst 1933 bis Frühling 1935 Studium Jura und Volkswirtschaftslehre in Erlangen. Ein Semester als Stipendiat Universität London (als Sieger eines Reichsberufswettkampfs). Studienunterbrechung für zweijährigen Heeresdienst. Herbst 1937-Jan. 1940 Studium in München. 1940 Heirat, mehrere Kinder. März 1940-Sept. 1941 Kriegsdienst in Frankreich und Russland. Nach Hörschaden juristisches Referendariat, 1942 Promotion. Zunächst Gerichtsreferendariat, ab März 1943 Wechsel als Regierungsreferendar zu Reg. von Oberbayern. Ab Juni 1945 Mitarbeiter (Referent) von Staatssekretär Dr. Hans Meinzolt im bayer. Kultusministerium. 1950 Wechsel nach Bonn: Jugendabteilung des Bundesinnenministeriums, ab 1953 Bundesfamilienministerium. 1959-1972 Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, 1962-1982 Mitglied des Bezirkstags Mittelfranken, ab 1965 darin Fraktionsvorsitzender der CSU.

Mitgliedschaften: Großdeutscher Bund von 1924 bis 1933, darin Unterführer; SS von Februar 1933 bis April 1934; Hitlerjugend seit April 1934, darin Schulungsleiter und Gebietsreferent für Grenz- und Auslandsfragen im Gebiet Hochland; NS-Studentenbund seit Nov. 1937; NSDAP seit Januar 1938 
(#7.036.331); Christlich-Soziale Union (CSU).

DJH: 1946-1949 Mitglied des Vorstands des DJH-Landesverbands Bayern.

Quellen: Bundesarchiv Berlin: R 9361-II/608475 (NSDAP-Parteikorrespondenz), R 9361-III/368930 (Personenbezogene Unterlagen der SS und SA) sowie VBS 1012 (R 1501)/ZA VI 0080 A. 09 (Reichsinnenministerium) / Felix Lieb: Tradition und Demokratie. Das bayerische Kultusministerium, seine Schulpolitik und die NS-Vergangenheit 1945-1975, München 2025 / Ernst Enzensperger: Von Jugendwandern und Bergsteigertum. Eine Geschichte des bayerischen Jugendherbergswerks, München 1951, S. 155, 165, 169f. / Geschichte der CSU. Ein Portal der Hanns-Seidel-Stiftung e.V.: Heinrich Lades, https://www.csugeschichte.de/personen/detail/heinrich-lades (06.01.2025).

Karl Maly

*1905 in Nürnberg, †Okt. 1985 in Nürnberg; Kaufmann, Jugendpfleger

Kaufmännische Ausbildung. Mit 16 Jahren zu Sozialistischer Arbeiterjugend und SPD. Engagement beim Aufbau der „Kinderfreunde" (= Vorläuferorganisation des sozialistischen Kinder- und Jugendverbands „Die Falken“). 1933 noch in den Nürnberger Stadtrat gewählt; nach der zweiten Sitzung Verhaftung und Konzentrationslager. 1945 neuer Beruf: Erzieher und Jugendpfleger beim Nürnberger Jugendamt. 1954-1967 Leiter des Jugendamts, dann vorzeitiger Ruhestand wegen Krankheit. Großvater des Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly.

Mitgliedschaften: SPD seit 1921; Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) seit 1921.

DJH: ab 1948 Vorstandsmitglied des DJH-Landesverbands Bayern (Nachrücker für Martin Kretzschmar)

Quellen: „Helfer und Erzieher. Der Leiter des Jugendamtes, Karl Maly, ist in den Ruhestand gegangen“, in: Nürnberger Nachrichten, 1./2. April 1967 / Nachruf, in: Nürnberger Nachrichten, 5. Oktober 1985.

Karl Otto Melchior

*10.01.1885 in Ebnath (Oberpfalz), †30.07.1944 in Regensburg; Kaufmann

Vater aus Hessen (Fürstlich Castell‘scher Forstmeister), Mutter aus Bayreuth. Gymnasium bis Einjährigen-Zeugnis, danach kaufmännische Lehre in Hof. April 1905-April 1906 Militärdienst, anschließend Textiltechnikum in Reutlingen und längerer Aufenthalt in England und Holland. Dez. 1909-Feb. 1914 diverse kaufmännische Stellen in München und Oberstdorf. Ab Frühling 1914 wieder in München, Heirat, keine Kinder. Selbständig mit Vertrieb für pharmazeutisch-kosmetische Präparate. Ab Aug. 1914 Kriegsdienst. Ende Aug. 1914-Nov. 1918 franz. Kriegsgefangenschaft. Ende 1918-Dez. 1922 Tätigkeit bei Bayerischer Verwertungsstelle für Heeresgut, danach bei Reichstreuhandgesellschaft. Dez. 1922-Sept. 1923 diverse kaufmännische Stellen in München. Freizeit: Engagement für Bergwacht und Alpenverein. Hierüber Bekanntschaft mit Ernst Enzensperger. Ab 1919 ehrenamtl. Ortsausschuss München für Jugendalpenwanderungen. Jan. 1925-Dez. 1929 hauptamtlicher Geschäftsführer DJH-Zweigausschuss Südbayern, ab Dez. 1926 Geschäftsführer DJH-Gau Bayern. Ende 1928 Kündigung durch Verband, offiziell „aus persönlichen Gründen“, tatsächlich wegen sexuellem Fehlverhalten (unsittliche Annäherung an minderjähriges Lehrmädchen im Büro der Gau-Geschäftsstelle; dafür zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt). Juni 1929 Umzug nach Regensburg, dort Buchhalter in landwirtschaftlicher Gutsverwaltung. Ende 1933 arbeitslos durch Aufgabe des Stadtbüros des Guts. Nov. 1931 Beitritt zur NSDAP; April 1933 Nachrücker im Regensburger Stadtrat. Nach Stellenverlust Bitte um Anstellung bei Regensburger NS-Stadtverwaltung. Als Personalchef vorgesehen, bis Vorstrafe bekannt wird. Da „alter Kämpfer“ ab Jan. 1934 Leiter des Hilfsbundes für Arbeitsbeschaffung und Zuständiger für Beschaffung, Verwaltung und Abgabe des Schreib- und Brennstoffbedarfs für sämtliche städtischen Ämter, Anstalten und Schulen bei Stadtverwaltung Regensburg. Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft gesundheitlich schwer angeschlagen: Okt. 1934 Aufgabe des Amts als Ratsherr, Juli 1943 dauerhaft dienstunfähig (Herzleiden).

Mitgliedschaften: Deutscher und Österreichischer Alpenverein (DÖAV), Sektion Bergland seit 1911, darin 2. Vorsitzender von 1920 bis 1922, Gründungsvors. „Jung-Bergland“; NSDAP seit 1. November 1931 (#691.474), für sie April 1933 bis Okt. 1934 im Regensburger Stadtrat; NS-Volkswohlfahrt (NSV); NS-Kriegsopferversorgung (NSKOV); Reichsbund der Deutschen Beamten (RDB); Reichsluftschutzbund (RLB).

DJH: 1919-1924 ehrenamtlicher Geschäftsführer des Ortsausschusses München für Jugendalpenwanderungen; Jan. 1925-Nov. 1926 hauptamtlicher Geschäftsführer des DJH-Zweigausschusses Südbayern; Dez. 1926-Dez. 1928 erster hauptamtlicher Geschäftsführer des DJH-Gaues Bayern.

Quellen: Stadtarchiv Regensburg: Meldekarte, Familienbogen und Personalakte (PA-p 5881) / Bundesarchiv Berlin: R 9361-II/701867 (NSDAP-Parteikorrespondenz) / Archiv des Deutschen Alpenvereins e.V.: Auskunft / Halter, Helmut: Stadt unterm Hakenkreuz. Kommunalpolitik in Regensburg während der NS-Zeit, Regensburg 1994, S. 65, 106 und 111. / Bayerisches Hauptstaatsarchiv: Brief von Martha Benz an Siegfried von Jan vom 29.6.1929 sowie Abschrift eines Urteils des Amtsgerichts München vom 23.10.1929, in: Bestand MK 13974.

Fritz Münch

*12.12.1876 in Elversberg, †06.02.1956 in Saarbrücken; Turnlehrer

Zum Werdegang wenig bekannt: lebte vor 1907 in Dudweiler, dann in Saarbrücken.

Mitgliedschaften: unbekannt.

DJH: ca. 1922-1935 Geschäftsführer des DJH-Gaues Saar bzw. Saarpfalz.

Quellen: Stadtarchiv Saarbrücken: Auskunft Melderegister.

Dr. Josef Pfeifer

*24.03.1884 in Mörslingen/Schwaben, † (unbekannt; nach Okt. 1948)

Volksschule, Lehrerseminar, Volksschullehrer. 1906/07 Einjährig-Freiwilliger Militärdienst in Augsburg, 1908 Umzug nach Nürnberg, dort wieder Lehrer. 1912 Heirat, ein Sohn. 1914/15 Kriegsdienst bis Verwundung. Ab 1919 Studium der Volkswirtschaftslehre in Erlangen und Frankfurt/Main, parallel Berufsschullehrer in Nürnberg. Seit April 1932 NSDAP; ab 1933 Direktor einer Nürnberger kaufmännischen Berufsschule. Ab 1933 ehrenamtlicher Redner für Partei. Ab 1934 Referent im NS-Lehrerbund zu Berufsschulfragen, Frühgeschichte und Wandern. Ab 1942 innere Distanz zu NS-Weltanschauung. Feb. 1945 in Nürnberg ausgebombt, mit Frau Umzug in deren Heimat Langenneufnach bei Augsburg. Juni 1945-Aug. 1946 Internierungslager, z.T. Lazarett; Jan. 1948 Entnazifizierung: zun. „Minderbelasteter“, nach Ablauf einer 6-monatigen Bewährungsfrist „Mitläufer“. Da schwer herzkrank keine Rückkehr in den Schuldienst, vermutlich Pensionierung. Weiterer Werdegang unbekannt.

Mitgliedschaften: NSDAP seit 1.2.1932 (#1.041.261), darin Ortsgruppenschulungsleiter und Redner; NS-Lehrerbund (NSLB) seit 1.10.1932, darin 1934-Dez. 1942 Gaufachschaftsleiter für Berufsschulen und Redner; Hitlerjugend Mai 1933-1934; Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA); Deutscher Jägerbund.

DJH: 1929 Beisitzer im Vorstand DJH-Ortsgruppe Nürnberg; ab März 1933 stellv. Vorsitzender. Ca. Sommer/Herbst 1933 bis circa Frühling 1934 „Oberkreisvertreter“ des DJH-Untergaus Franken, gleichzeitig Leiter der Abteilung H (= Herbergen und Wandern) innerhalb fränkischer HJ-Gebietsführung.

Quellen: Bundesarchiv Berlin: R 9361-II/804282 (NSDAP-Parteikorrespondenz) / Staatsarchiv Augsburg: Spruchkammer Schwabmünchen Akten P 80 (Entnazifizierungsakte) / Stadtarchiv Nürnberg: Personalakte [nicht gesichtet].

Hans Preuß

*16.09.1902 in Charlottenburg, †? (nach Juni 1984); Kaufmann

Sohn eines Berliner Hausverwalters; kaufmännische Ausbildung. Seit 1924 CVJM-Sekretär im Bayerischen Jungmännerbund (CVJM) in Treuchtlingen. 1926 ein Jahr Studium an Evang. Jugendhochschule Hainstein (Eisenach), danach längere Orientreise. April 1928-Mai 1933 hauptamtl. Jugendsekretär und Sportbetreuer im Verein „Treufreund“ (CVJM) in Augsburg: Zusammenfassen div. evang. Jugendvereine Augsburg zu evang. Gesamtjugend sowie zum Evang. Sportkreis. Ab März 1930 für Evang.-Luth. Gesamtkirchenverwaltung Augsburg Leiter beider Gruppen. Ehrenamtlich: Paritätischer Jugendfürsorgeverband bei Augsburger Stadtjugendamt: Jugendgerichtshilfe. Sept. 1928 Heirat in Eisenach: Emma Krebs aus Gunzenhausen; vier Kinder (1929-1938). Mai 1933 Wechsel zur Hitler-Jugend „im Einvernehmen mit den maßgebenden kirchlichen Stellen“. Auftrag: innerhalb HJ Weiterbetreuung der bisher von ihm geführten evang. Jugendlichen, bis Ende März 1934 dafür von Evang. Gesamtkirchenverwaltung bezahlt. Tats. ab Okt. 1933 Stabsführer bei HJ-Oberbann Schwaben unter Friedrich Ehrlicher: Büro- und Verwaltungstätigkeiten. Parallel weiter Jugendgerichtshilfe: Referent für Jugendfragen bei NS-Volkswohlfahrt in Schwaben. Zusätzlich ab Sommer 1933: DJH-Kreisvertreter für Schwaben und Leiter DJH-OG Augsburg. Juni 1934: Auflösung des HJ-Oberbanns Schwaben; Umzug mit Familie nach München, dort Adjutant von Emil Klein (Obergebietsführer beim HJ-Gebiet Hochland), gleichzeitig stellv. Leiter des DJH-Gaues Bayern unter Friedrich Ehrlicher. Nach Ausscheiden von Ehrlicher und Hilpert ab Juni/Juli 1935 Führung des DJH-Landesverbands Bayern (= Oberbayern und Schwaben) und Geschäftsführung. Nach Vertretungslösung (Max Busch) zum Nov. 1936 neuer Geschäftsführer und Stellvertreter: Karl Krebs (= Bruder seiner Frau). April 1938 Austritt aus evang. Kirche; keine Taufe mehr für 4. Kind. Ab Herbst 1939 Kriegsdienst in Polen und Frankreich. Ab 1941 Liquidator des DJH-Landesverbands Hochland, parallel Aufbau der Organisation für „Kinderlandverschickung“ (KLV) im Gebiet Hochland. 1. Jahreshälfte 1942: HJ-internes Gerichtsverfahren: Vorwurf HJ-Obergericht: Hat einem KLV-Leiter nicht gekündigt, der schwarz geschlachtetes Fleisch für das KLV-Lager besorgt und Geld unterschlagen hatte. Strafe für Preuß: Degradierung und Beförderungssperre. Juni 1942: NSDAP-Gaugericht stellt Verfahren ein, denn: Verband für Deutsche Jugendherbergen hat „mit der HJ nichts zu tun“, HJ darf Preuß in Personalfragen nichts vorschreiben. Trotzdem Ausscheiden aus HJ und ab Nov. 1942 Rückkehr zur Wehrmacht. Anfang 1943 Umzug mit Familie nach Gunzenhausen; wieder Wehrmacht. 1945 nach Entlassung aus Armee Hilfsarbeiter auf Fuchsfarm des Schwagers Karl Krebs in Gunzenhausen. April 1948: Entnazifizierung, Spruch: „Mitläufer“. April 1950-April 1957 Herbergsvater der Jugendherberge in Urfeld. Kündigung aus gesundheitlichen Gründen. Danach mit Frau noch fast drei Jahrzehnte am Walchensee, Beschäftigung unbekannt. Juni 1984 Umzug nach Leonberg in Baden-Württemberg.

Mitgliedschaften: NSDAP seit 1. Mai 1933 (#2.242.380); Hitlerjugend seit Mai 1933; NS-Volkswohlfahrt (NSV) 1933-1936; Reichsluftschutzbund (RLB); Reichsbund der Kinderreichen.

DJH: ab Sommer 1933 Kreisvertreter für Schwaben und Leiter der DJH-Ortsgruppe Augsburg. Ab Juni 1934 stellv. Leiter des DJH-Gaues Bayern, ab Juni 1935 dessen Geschäftsführer; Okt. 1935 bis Ende 1942 Leiter des DJH-Landesverbands Hochland. April 1950-April 1957 Herbergsvater der Jugendherberge in Urfeld am Walchensee. 

Quellen: Staatsarchiv Nürnberg, Spruchkammerakten, SK Gunzenhausen-Stadt, P-35, Preuß, Hans / Bundesarchiv Berlin (ehem. BDC), OPG Oberstes Parteigericht / H 54, Preuss, Hans

Karl Riegel

*1867 in Retzstadt, † 1969 in Bad Kissingen; Gymnasialturnlehrer

Gymnasium in Würzburg; Volksschullehrer, dann Ausbildung zum Fachturnlehrer an Bayerischer Landesturnanstalt in München; ab 1890er Turnlehrer Humanistisches Gymnasium Münnerstadt. Ab 1902 Gymnasialturnlehrer Altes Gymnasium Würzburg. Gründet gymnasialen Ruderclub, organisiert Schulsportfeste und Wandertage, Ab 1929 Seminarlehrer für Turnlehrer in Würzburg. 1932 Pensionierung. Frühling 1945 in Würzburg ausgebombt, Umzug nach Retzstadt, 1949 nach Bad Kissingen. Verheiratet, zwei Söhne.

Mitgliedschaften: nicht bekannt.

DJH: 1924 Mitgründer und 1. Vorsitzender des DJH-Zweigausschusses Unterfranken. 1926-1933 Mitglied des Vorstands im DJH-Gau Bayern. Mitverantwortlich für Einrichtung von Jugendherbergen in Würzburg, Retzstadt und Bad Kissingen-Garitz.

Quellen: o.V.: Studienprofessor Karl Riegel vollendet 100. Lebensjahr. Täglich noch drei Stunden unterwegs – Zahlreiche Glückwünsche für den Jubilar, in: Kissinger Saale-Zeitung. General-Anzeiger für Bad Kissingen und Umgebung, 28.10.1967 / o.V.: Studienprofessor Riegel †. Er war fast 102 Jahre alt geworden – Pionier des Schulturnens, in: Fränkisches Volksblatt. Tageszeitung für Unterfranken, 23. September 1969.

Johannes Rodatz

*4.10.1905 in Hamburg, †27.09.1992 in Lüneburg; HJ-Funktionär

Sohn eines Hamburger Farbenfabrikanten. Lehrzeit in der Fabrik des Vaters; seit Okt. 1927 Zuhörer (da ohne Abitur) in Chemie an der TH München. Bekanntschaft mit Baldur von Schirach (ab 1928 Führer des NS-Studentenbunds; wohnen zeitweise im gleichen Haus). Juli 1928 Rückkehr in die väterliche Fabrik, Tätigkeit in Lüneburg; 1929-1932 Aufbau von Filialfabriken des väterlichen Betriebs in Mailand und Rumänien. Nach Konkurs wieder in Firma des Vaters in Hamburg. Seit Mai 1933 HJ; Juni 1933-1945 Leiter DJH-Reichsverband und Amt H der Reichsjugendführung. Aug. 1939-Aug. 1940 Kriegsdienst. 1940/41 Vertreter für Friedhelm Kemper als Chef des HJ-Gebiets Baden; Mai 1941 Generalbevollmächtigter des RJF für Holland; ab Feb. 1941 Inspektionsbeauftragter der RJF für KLV im gesamten Reichsgebiet. Seit Nov. 1941 ehrenamtl. Tätigkeit für Reichsminister Todt. Ab Juni 1942 wieder Kriegsdienst; ab ca. 1943 Einsatz in der Verwaltung des Reichskommissariats Ostland. Okt. 1945-Juni 1947 Internierung. Nach 1945 Betätigung in rechten Parteien, zuletzt NPD. Verheiratet (2 Kinder). 

Mitgliedschaften: NSDAP seit Januar 1928; SA bis 1933; NS-Studentenbund; HJ ab Mai 1933.

DJH: Juni 1933-1945 Leiter DJH-Reichsverband und Amt H der Reichsjugendführung. 1938 Vize-Präsident Internat. Jugendherbergswerk; ab Feb. 1941 Inspektionsbeauftragter der RJF für KLV im gesamten Reichsgebiet.

Quellen: Bundesarchiv Berlin (ehem. BDC), NSDAP-Zentralkartei, 31xx/N 0026, Rodatz Johannes / Hauptstaatsarchiv Hannover, Nds 171 Lüneburg H-VE-Lbg-S, Nr. 9670 (Entnazifizierung) / Historisches Archiv TU München, Bestand Stud.A, Rodatz / Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, München 2003, Band 2, S. 1202 / Lebenslauf [5.5.1942], zur Verfügung gestellt von Hinrich Rodatz.

Karl Schäfer

*01.03.1908 in Glasofen b. Marktheidenfeld, †14.06.1940 in Maulette (Frankreich); Zuchtwart

Sohn des Landwirts Zacharias Schäfer, Neffe des Gastwirts und Bürgermeisters Andreas Schäfer. Ausbildung zum Zuchtwart. Seit März 1928 NSDAP. Seit mind. 1930 (landwirtschaftliche?) Tätigkeit im Raum Fürstenzell bei Passau. Während mehrerer Heimaturlaube (v.a. Sommer 1930) Auftritt als Redner für NSDAP auf öfftl. Veranstaltungen im Kreis Marktheidenfeld. Feb. 1932 Wahlversammlung der NSDAP in Glasofen: Nach Schäfers Rede 13 Parteibeitritte durch Zuhörer (incl. Onkel). Ab Jan. 1932 in Fürstenzell hauptamtlich für NSDAP tätig, ab Juni 1932 Propagandaleiter der NSDAP in Passau. Ab Nov. 1932 Führer des HJ-Gaues Niederbayern-Oberpfalz in Regensburg. Ab Dez. 1933 Oberbannführer des HJ-Oberbannes Niederbayern-Oberpfalz. Mai 1935 Heirat in Fürstenzell, ein Sohn (1937). Ab 1936 zusätzlich Leiter des DJH-Landesverbands Bayerische Ostmark. Kriegseinsatz, Tod während Frankreich-Feldzug nahe Paris.

Mitgliedschaften: NSDAP seit März 1928 (#99.016), darin ab Sept. 1928 ehrenamtlicher Gauredner; Hitlerjugend; SA seit mind. 1928.

DJH: 1936 bis mind. 1939 (vermutlich bis Tod) Leiter des DJH-Landesverbands Bayerische Ostmark.

Quellen: Bundesarchiv Berlin: R 9361-II/879284 (NSDAP-Parteikorrespondenz) / Gemeinde Glasofen: Auskunft des Heimatpflegers Leonhard Scherg (April 2025) / Stadtarchiv Passau: Auskunft aus Meldeunterlagen / Stadtarchiv Regensburg: Auskunft aus Meldeunterlagen / Maximilian Vissers: Aufstieg und Kampfzeit des Nationalsozialismus im Amtsbezirk Marktheidenfeld (1918-1933), in: Wertheimer Jahrbuch 2015, S. 135-178, v.a. 154f., 164, 175 / Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, München 2003, Band 2, S. 1204 (Achtung: Der Eintrag bezieht sich überwiegend auf die Biografie von „Schäfer, Karl Georg“. Buddrus mischt hier die biografischen Angaben von zwei verschiedenen Personen namens „Karl Schäfer“).

Lorenz Schmidt

*23.09.1911 in London, †14.01.1992; Bäckergehilfe, Kaufmann

Sohn eines Nürnberger Kaufmanns; Aug. 1913 Umzug der Familie von Travemünde nach Nürnberg. Nach der Schule Bäckergehilfe. 1928 Hitlerjugend, ab mind. 1932 (ehrenamtlicher) Geschäftsführer der Nürnberger HJ. 1929 NSDAP. 1932 arbeitslos. (1933?) Besuch einer HJ-eigenen Verwaltungsschule; ab 1934 hauptamtlicher Gebietsgeldverwalter des HJ-Gebiets Franken unter Rudolf Gugel. Parallel in Vertretung Gugels Leiter des DJH-Untergaues bzw. DJH-Landesverbands Franken. April 1936 auf eigenen Wunsch Verlassen der HJ-Gebietsführung und Wechsel zum DJH-Landesverband Franken (wg. wiederholter Zusammenstöße mit Rudolf Gugel um Verwendung der Gelder des Jugendherbergsverbands für Hitlerjugend), zun. offiziell als stellv. Leiter; ab 1938 Landesverbandsleiter. Ab Aug. 1939 Kriegsdienst. März 1941 Beurlaubung wg. Augenentzündung, Rückkehr zum DJH-Landesverband Franken. Parallel Beauftragter für Kinderlandverschickung. 1941 Heirat (Fabrikantentochter aus Saal an der Donau), keine Kinder. Sept. 1944 Wiedereinberufung zur Wehrmacht auf eigenen Wunsch wg. wiederholter Reibereien mit Parteidienststellen. April 1945 Gefangennahme durch Amerikaner, Überstellung als Kriegsgefangener nach Frankreich. Dort drei Jahre Arbeiter: Landwirtschaft, Produktion und Bahn. Juni 1948 Freilassung und Rückkehr zu Frau nach Saal an der Donau. Sommer 1949 Entnazifizierung, Spruch: „Mitläufer“. Ursprünglich verhängte Geldstrafe wg. „Heimkehrer-Amnestie“ im Berufungsverfahren fallen gelassen. Weiterer Werdegang nach 1949 unbekannt (möglicherweise Tätigkeit im Betrieb der Schwiegereltern in Saal an der Donau).

Mitgliedschaften: NSDAP seit Oktober 1929 (#157.432); Dienstauszeichnung; Hitlerjugend seit 1928; ab 1943 Hauptbannführer; HJ-Ehrenzeichen; NS-Volkswohlfahrt (NSV) seit 1935; Reichsluftschutzbund (RLB) seit 1935.

DJH: 1934-1939 Leiter des DJH-Landesverbands Franken mit Sitz in Nürnberg (in den Reichsherbergsverzeichnissen bis 1938 offiziell nur als stellvertretender Führer genannt).

Quellen: Stadtarchiv Nürnberg: Auskunft aus Melderegister (C 21/IX Nr. 299_820) / Staatsarchiv Landshut, Spruchkammer Kelheim, A 1604 / Bundesarchiv Berlin: R 9361-II/1113198 (NSDAP-Parteikorrespondenz) / Landesarchiv Schleswig-Holstein: Entnazifizierungsunterlagen Rudolf Hirschmann, Abt. 460.1, Nr. 318.

Georg Schneider

*17.06.1889 in Bamberg, †03.07.1961 in München; Turnlehrer

Sohn eines Buchdruckereibesitzers. Volksschule und Gymnasium in Bamberg, letztes Schuljahr in Erlangen. Herbst 1908-1911 Studium Neue Sprachen; drei Semester in Erlangen, drei Semester in München, mehrwöchiger Sprachkurs in Paris, Lehramtsprüfung für Stenografie. Herbst 1911 Abbruch des Studiums, Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger (in Metz/Lothringen). Okt. 1912-Juli 1914 Ausbildung zum Turnlehrer an höheren Schulen an Bayer. Landesturnanstalt in München. Ende Juli 1914 Heirat, 1 Tochter (1923). Aug. 1914-Nov. 1918 Kriegseinsatz. 1918 Hilfsbeamter beim Münchner Kriegswucheramt, März 1919 Turnlehrer an Münchner Schule. Einige Monate SPD-Mitglied. Herbst 1919 freiwilliger Wechsel in Rheinpfalz: Turnlehrer in Speyer. Dafür Angebot Kultusministerium: schnellere Beförderung und baldige Rückkehr nach München. April 1920 Beförderung zum Studienrat, aber keine Rückversetzung nach München. April 1921 durch Tausch Wechsel an Realschule in Traunstein. Dort Einwohnerwehr, ab Nov. 1922 NSDAP: Mitgründer und Leiter OG Traunstein, ab Jan. 1923 außerdem SA-Führer. Während NSDAP-Verbot im Untergrund aktiv; Mai 1924 Landtagskandidatur für Völkischen Block (ohne Erfolg). Nach Wiederzulassung der Partei ab März 1925 wieder NSDAP und SA, v.a. Auf- und Ausbau der SA im Chiemgau. Parallel Engagement für Jugendherbergswerk, Turnerbund und Wehrkraftverein Jung-Bayern (1918 Schrift „Anleitung zum Wehrturnen“). 1921-1931 Anträge auf Versetzung nach München; Sept 1931 Wechsel nach Nürnberg (Realgymnasium) und Umzug mit Familie nach Fürth, aber Ziel weiter München. Ab Ende März 1933 Beurlaubung für Dienste als SA-Standartenführer, Sonderkommissar des Bezirksamts Fürth, kommissarischer Leiter des Stadtamtes für Leibesübungen in Nürnberg und Ratsherr in Fürth. Kandidatur für Reichstag (Wahlkreis Franken), scheitert knapp. Juni 1933 Wechsel nach München: Leiter des gemeinsamen akademischen Instituts für Leibesübungen der Universität und der Technischen Hochschule München auf Vorschlag von Ministerialrat Siegfried von Jan. Zusätzlich ab Juli 1933 ehrenamtl. Beauftragter des Reichssportkommissars für Bayern, später des Führers des Gaues Bayern im Reichsbund für Leibesübungen. Juni 1934: bevorzugte Beförderung für „alte Kämpfer“: Studienprofessor mit Planstelle am Wittelsbacher-Gymnasium; faktisch aber weiter Leiter des Hochschulinstituts für Leibesübungen. Rückwirkend zum April 1936: Beförderung „Direktor“; Juli 1939: Oberregierungsrat. Okt. 1938 Tod 1. Ehefrau nach langer Krankheit. Mitte Sept. 1939 2. Ehe, ein Sohn (1941). Anf. Sept. 1939 Unfallverursacher (Trunkenheit am Steuer): zwei verletzte Radfahrer. Innenminister Adolf Wagner betreibt Suspendierung als Direktor des Hochschulinstituts und Parteiausschluss; letztlich beides erfolglos (u.a. nach Gnadengesuch an Hitler persönlich). Ab Kriegsbeginn Wehrdienst, zuletzt (1943) Major der Reserve in Landesschützenbataillon (u.a. in München und Berchtesgaden). 1945 Kriegsgefangenschaft; Feb. 1946-Ende Aug. 1947 Internierung. Außerdienststellung durch Kultusministerium und Streichen der Bezüge. Ab Sept. 1948 Hilfsarbeiter in chemischem Betrieb, Frau und Sohn mehrere Jahre als Evakuierte auf dem Land. Okt. 1948 Entnazifizierung, Spruch: „Belasteter“ (Gruppe II), März 1949 Bestätigung durch Berufungskammer. Antrag auf Wiederaufnahmeverfahren und neues Entlastungsmaterial; Jan. 1950 Hauptkammer München: finale Einstufung: „Mitläufer“. Wiederanstellung als Beamter, gleichzeitig vorzeitige Versetzung in Ruhestand nach Antrag wg. Dienstunfähigkeit. 1952-1956 Rechtsstreit mit bayer. Kultusministerium um Höhe der Pension (Berechnung mit oder ohne Beförderungen aus NS-Zeit); Schneider gewinnt.

Mitgliedschaften: SPD: Juni-Sept. 1919 (andere Quellen: Mai-Nov.); Einwohnerwehr Mai-Sept. 1919, Bund Bayern und Reich Herbst 1922-Sept. 1923; Jung-Bayern: 1921-1931 Führer Gruppe Traunstein; seit 1921 Bayerischer Turnerbund: Gau-/Bezirksjugendwart und Gauspielwart Turngau Traunstein; NSDAP: Nov. 1922-Nov. 1923 (Parteiverbot) bzw. ab März 1925 (#1.121); Herbst 1922 Gründer NSDAP-OG Traunstein und OG-Leiter. Inhaber der NSDAP-Dienstauszeichnungen in Bronze, Silber und Gold, Goldenes Parteiabzeichen, grüner Dauerausweis (= Berechtigung zum Besuch der jährlichen Parteiveranstaltungen am 8./9. Nov.); SA seit Jan. 1923 bzw. März 1925: SA-Führer in Traunstein, seit 1927 „Organisator der SA im Chiemgau“, 1929 Standartenführer, 1932 in Fürth, 1933 in Nürnberg, zuletzt Brigadeführer; NS-Lehrerbund (NSLB) seit Juli 1933, davor Verband Bayerischer Philologen bzw. Realschulmännerverein sowie Verein der Fachturnlehrer an den Höheren Lehranstalten Bayerns; NS-Kraftfahrerkorps (NSKK) seit 1929; NS-Reichsbund für Leibesübungen, darin Bereichssportführer 1939-1940; Reichskolonialbund (RKB).

DJH: seit Anfang 1920er Leiter DJH-Ortsgruppe Traunstein, bis 1931 DJH-Kreisvertreter für Oberbayern. Seit 31. März 1933 Leiter der DJH-Ortsgruppe Nürnberg. April-Juni 1933 als Nachrücker im Vorstand des DJH-Gaues. 

Quellen: Staatsarchiv München, Spruchkammerakten, Karton 1668, Schneider, Georg / Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Bestand MK 44623 [= Personalakte Georg Schneider] / Stadtarchiv Traunstein: Auskunft aus Einwohnermelde-Kartei / Bundesarchiv Berlin: R 9361-III/569355 (Personenbezogene Unterlagen der SS und SA).

Hans Sedlmair

*23.06.1915 in Augsburg, †19.12.1942 in Rostow am Don; Kaufmann

Ab circa Jan. 1938 Tätigkeit in der Geschäftsstelle des DJH-Landesverbands Hochland in München. Im Frühjahr 1939 Abteilungsleiter für Organisation und Propaganda. Ab Herbst 1939 kommissarischer Landesverbandsleiter. Heirat im März 1940. Kriegseinsatz, Tod.

Mitgliedschaften: NSDAP seit 1. Mai 1937 (#4.965.140), Hitlerjugend

Quellen: Bundesarchiv Berlin: R 9361-II/926382 (NSDAP-Parteikorrespondenz) / Stadtarchiv Augsburg: Auskunft aus Meldekarten, Abgabe 2, Sedlmeir, Johann, 23.06.1915.

Xaver Steinberger

*17.01.1877 in Schwaben b. Kelheim, †04.09.1956 in Nürnberg; Kaufmann, Funktionär

1897 kurz München. Ab 1898 Nürnberg: Kaufmann bei Siemens-Schuckert-Werken (Elektroindustrie). Ab 1907 Touristenverein „Die Naturfreunde“ (= in Arbeiterbewegung verwurzelter Wanderverein). 1908 Mitgründer Naturfreunde-OG Nürnberg. Ab 1921 Leiter deutsche NF-Geschäftsstelle, ab 1923 NF-Reichsvorsitzender im Deutschen Reich (damals 100.000 Mitglieder). 1933 Auflösung und letztlich Verbot der Naturfreunde durch Nationalsozialisten (trotz Versuch Steinbergers, in Denkschrift deren „Bedeutung […] für Volk, Staat und Nation“ aufzuzeigen). 1933 Verlagerung der ehrenamtl. Aktivitäten zu Fränk. Albverein: Kassenwart und Hausverwalter im FAV-Führerrat. Überführt sechs nordbayer. NF-Häusern auf Fränkischen Albverein. Ab 1934 Betrieb eines Sporthauses (war Filiale der NF-eigenen, liquidierten Einkaufsgenossenschaft EKA). Nach Kriegsende erneut ehrenamtl. Tätigkeit für Naturfreunde: Bundesvorsitzender. 1954 Rücktritt wg. Unterschlagung von Geldern aus Verbandskasse für Sportartikelgeschäft. Verheiratet, eine Tochter.

Mitgliedschaften: Touristenverein Die Naturfreunde ab 1907; 1908 Mitgründer der Ortsgruppe Nürnberg, 1923-1933 Reichsleiter, 1945-1955 1. Bundesvorsitzender der Naturfreunde in Westdeutschland; Mitglied des internationalen Vorstands der Naturfreunde; SPD vor 1933 (nicht gesichert); Fränkischer Albverein (FAV): 1914 Mitbegründer; seit 1933 Kassenwart, Hausverwalter und Mitglied des Führerrats; Deutscher und Österreichischer Alpenverein (DÖAV).

DJH: 1920- ca. 1923 2. Vorsitzender, ca. 1923-1926 1. Vorsitzender DJH-Zweigausschuss Nordbayern. 1922-1933 Vertreter der Naturfreunde im Verwaltungsausschuss des DJH-Reichsverbands. 1926-1933 Beisitzer im Vorstand des DJH-Gaues Bayern und (stellv.) Vorsitzender der DJH-Ortsgruppe Nürnberg. 1946-1953 erneut Mitglied des Vorstands im DJH-Landesverband Bayern.

Quellen: Stadtarchiv Nürnberg, Auskunft aus Passakte (StadtAN C 21/C 21/VIII Nr. 4229), Einwohnermeldekartei (StadtAN C 21/IX Nr. 273), Stadtchronik (StadtAN F 2 Nr. 51), Verwaltungsbericht der Stadt Nürnberg für das Jahr 1956 / Jochen Zimmer (Hg.): Mit uns zieht die neue Zeit. Die Naturfreunde. Zur Geschichte eines alternativen Verbandes in der Arbeiterkulturbewegung, Köln 1984, S. 114-116 / Wulf Erdmann: Mit dem Wandern fing es an. Kurze Geschichte der Naturfreunde, in: Wulf Erdmann/Jochen Zimmer (Hg.): Hundert Jahre Kampf um die freie Natur. Illustrierte Geschichte der Naturfreunde, Essen 1991, S. 10-36 / Viola Denecke: Der Touristenverein “Die Naturfreunde“, in: Franz Walter/Viola Dennecke/Cornelia Regin (Hg.): Sozialistische Gesundheits- und Lebensreformverbände. Solidargemeinschaft und Milieu: Sozialistische Kultur- und Freizeitorganisationen in der Weimarer Republik, Band 2, Bonn 1991, S. 241-291 / John Alexander Williams: Turning to Nature in Germany. Hiking, Nudism, and Conservation, 1900-1940, Stanford University Press 2007.

Rudolf Taschinger

*27.01.1897 in Regensburg, †14.10.1983 in Regensburg; Kaufmann

Sohn eines Bahnstationsmeisters, kaufmännische Ausbildung. März 1916-Okt. 1918 Kriegseinsatz. 1931 Heirat, keine Kinder; Ehefrau Luise („Halbjüdin“) ab 1933 Betreiberin eines Tabakwarengeschäfts. Anfang 1930er Jahre Prokurist bei Auto-Gesellschaft Regensburg, dann arbeitslos. Ab 1935 Buchhalter beim DJH-Landesverband Bayerische Ostmark, ab 1938 Geschäftsführer. Ab Aug. 1939 Kriegseinsatz (Unteroffizier); nach einem Jahr Entlassung möglich, aber freiwillige Meldung für Zahlmeister-Kurs; kein Abschluss wg. jüdischer Abstammung seiner Frau. Wieder Geschäftsführer des DJH-Landesverband Bayerische Ostmark. Anf. 1942 Wechsel zur HJ-Gebietsführung in Bayreuth (nach Auflösung DJH-Landesverbände): Jugendherbergen und KLV-Lager. 1943 auf Betreiben der HJ uk-Stellung. Frühling 1945 kommiss. Verwaltungsleiter HJ-Gebiet 22 (= Bayreuth, vormals Bayerische Ostmark). Ab Aug. 1945 Mitarbeit im Tabak- und Zeitungsladen seiner Frau. Sept. 1947 Entnazifizierung, Spruch: „Minderbelasteter“ (Gruppe III), Geldstrafe 5.000 Reichsmark, 3 Jahre Berufseinschränkung. Wiederaufnahmeverfahren, Mai 1948 finale Eingruppierung „Mitläufer“ (Gruppe IV). Mit Frau Ausbau des Tabak- u. Zeitungsladens zu Gemischtwarenladen für Zeitungen, Wein, Obst, Back- und Zuckerwaren, zusätzlich Kiosk für Zigaretten. Laden und Kiosk bis 1968.

Mitgliedschaften: NSDAP ab 1. März 1933; darin seit Oktober 1934 Blockleiter, März 1937 bis ca. August 1943 Zellenleiter; Hitlerjugend ab September 1938; zuletzt Hauptgefolgschaftsführer; Deutsche Arbeitsfront (DAF) seit 1934; NS-Volkswohlfahrt (NSV); Reichsluftschutzbund (RLB).

DJH: 1935-1938 Buchhalter, 1938 bis Ende 1941 Geschäftsführer des DJH-Landesverbands Bayerische Ostmark. Danach innerhalb der Hitlerjugend weiter für Jugendherbergen.

Quellen: Stadtarchiv Regensburg: Familienbogen und Meldeschein / Staatsarchiv Amberg, Spruchkammer Regensburg II 3410.

Friedrich Thimel

*27.08.1909 in Wuppertal-Elberfeld, †unbekannt; HJ-Funktionär

Volksschule, 1918-1928 Realgymnasium, 1928-1932 Studium Geschichte, Rechts- u. Staatswissenschaften in Köln und Bonn (ohne Abschluss); Dez. 1932-Aug. 1933 Arbeitsdienst. Ab Sept. 1933 hauptamtl. HJ-Funktionär: Jungvolksachbearbeiter in HJ-Oberbannführung Essen / HJ-Gebiet Ruhr-Niederrhein, Führer Dt. Jungvolk im HJ-Gebiet Westfalen, März 1935-Juli 1938 Führer HJ-Gebiet Pfalz-Saar (später Saarpfalz) in Neustadt; Dez. 1936 Heirat, drei Kinder; Juli-Sept. 1938 Sonderinspekteur der RJF; Gau- und Reichsredner der NSDAP; Sept. 1938-April 1942 und ab 1944 Führer HJ-Gebiet Bayerische Ostmark in Bayreuth; Aug. 1939-Mai 1941 Kriegseinsatz (Panzerjäger) in Polen und Frankreich; uk-Stellung. Juni 1941 Untersturmführer bei SS-Leibstandarte „Adolf Hitler", Kriegseinsatz in Russland. Ab April 1942 Allg. SS; SS-Führer beim Stab des SS-Oberabschnitts Alpenland; ab April 1942 stellv. Gauleiter Gau Kärnten. Weiterer Werdegang unbekannt.

Mitgliedschaften: NS-Studentenbund ab Nov. 1928; NSDAP seit Juli 1930 (#266.027); SA Dez. 1929-Aug. 1930; HJ seit Sept. 1930, darin HJ-Einheitenführer, ab Sept. 1933 hauptamtlicher HJ-Funktionär; ab April 1942 SS.

DJH: 1935-1938 Leiter des DJH-Landesverbands Saarpfalz.

Quellen: Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, München 2003, Band 2, S. 1221.

Emmi Trautmann

*11.06.1907 in München, †01.03.1990 in Erding; Erzieherin

Hortnerin, d.h. Erzieherin für jüngere Schulkinder. Als „städtischer Amtmann“ Beamtin der Stadt München im gehobenen Dienst: Leitung der Kindergärten und Kinderhorte der Stadt München. 1978 Umzug nach Erding, dort Altenheim. Unverheiratet.

Mitgliedschaften: NSDAP seit 1. April 1942 (#8.803.285).

DJH: Okt. 1946 bis Juni 1965 Mitglied des Vorstands des DJH-Landesverbands Bayern, als „weibliche Vertreterin, die dem Schulwesen nahesteht“.

Quellen: Stadtarchiv München: Meldeunterlagen / Stadt Erding, Einwohneramt: Sterberegister / Bundesarchiv Berlin: NSDAP-Mitgliedskartei / Mitgliedskarte / Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. V: DJH-Lv Bayern, 001 (= Niederschriften über Vorstandssitzungen des DJH-LV Bayern e.V., 1946-1960) / Ernst Enzensperger: Von Jugendwandern und Bergsteigertum. Eine Geschichte des bayerischen Jugendherbergswerks, München 1951, S. 170.

Karl Weber

*18.06.1908 in Großsteinhausen (Pfalz), †02.11.2001 in München; Kaufmann

Vater Schuhmacher. Früher Werdegang unbekannt. Ab 1928 in Kaserne in der Münchner Infanteriestraße gemeldet: vermutlich Berufssoldat oder in der Militärverwaltung tätig. Ab 1940 Kriegseinsatz. Ab April 1946 wieder in München. Ab ca. Jan. 1948 Verwalter der Geräteabteilung im DJH-Landesverband Bayern; ab April 1948 Geschäftsführer des bayerischen Jugendherbergswerks. Oktober 1974 Ruhestand. 

Mitgliedschaften: NSDAP seit 1. Mai 1939 (#7.054.676).

DJH: April 1948 bis Oktober 1974 Geschäftsführer des DJH-Landesverbands Bayern.

Quellen: Stadtarchiv München: Meldeunterlagen / Bundesarchiv Berlin: NSDAP-Mitgliedskarte / Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. V: DJH-Lv Bayern, 001 (= Niederschriften über Vorstandssitzungen des DJH-LV Bayern e.V., 1946-1960) / Ernst Enzensperger: Von Jugendwandern und Bergsteigertum. Eine Geschichte des bayerischen Jugendherbergswerks, München 1951, S. 171.

Otto Wirthensohn

*14.08.1902 in Gossersdorf (Kr. Bogen), †06.01.1980 in Passau

Aus Passauer Lehrersfamilie, Sohn eines Volksschullehrers. 1912 Tod des Vaters. Volks- und Handelsschule in Passau, Tätigkeit bei Elektrofirma. 1921 Arbeitsunfall: Schädelverletzung u. Verlust des rechten Unterarms. Mehrjährige Genesungsphase, danach in derselben Firma kaufmännische Tätigkeiten. 1931 durch Betriebsauflösung arbeitslos. Ab Mai 1932 Verkehrsbüro des Passauer Fremdenvereins, ab Feb. 1933 Stadtverwaltung Passau: Magazinaufseher im Bauhof, ab April 1934 Städtisches Wohlfahrtsamt. Begeisterter Wanderer. Ab 1923 ehrenamtl. Führer bei „Jung-Bayern“. Seit 1925 ehrenamtl. DJH, seit 1930 Bergwacht; Wanderwart im Bayerischen Waldverein. Mai 1933 vom Passauer NSDAP-Bürgermeister Moosbauer zum Führer der Passauer Hitlerjugend bestimmt, gleichzeitig Auflösung bzw. Eingliederung von „Jung-Bayern“ in die HJ. Ab Jan. 1934 Führung des HJ-Bannes Passau. Ab Okt. 1935 dafür von Stadt Passau beurlaubt. Ende 1937 Ausscheiden aus aktivem HJ-Dienst und Rückkehr zu Stadtverwaltung Passau. Grund: Weigerung, aus der Kirche auszutreten, und Taufe seines Sohnes im Juli 1937; wird deshalb von HJ-Obergebietsführer Heinrich Emsters abgesetzt. April 1938 Verbeamtung. Ab Kriegsbeginn Führung des DJH-Landesverbands Bayerische Ostmark (zun. i.V. für Karl Schäfer, nach dessen Tod im Juni 1940 ganz). April 1940-April 1943 dafür erneut von Stadt Passau beurlaubt. Mai 1941 Beförderung zum Stadtassistenten, Mai 1943 Rückkehr in aktiven Dienst und Beförderung zum Stadtsekretär im Passauer Jugendamt: Jugendschutz und Jugendfürsorge. Juni 1945 Dienstenthebung, Juli 1945-Juli 1946 Internierung. April 1948 Entnazifizierung, Spruch: „Mitläufer“. Weiterer Werdegang nicht bekannt.

Mitgliedschaften: Jung-Bayern e.V.: Führer von 1923-1933; Bergwacht ab 1930, Gründer und bis 1945 Leiter der Passauer Bergwachtgruppe; NSDAP: Aug.-Dez. 1925 und wieder seit 1. Mai 1933 (# 2.663.112); Hitlerjugend seit 15. Juni 1933; am 31.12.1937 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden; Reichsluftschutzbund (RLB) seit 1.1.1934; NS-Volkswohlfahrt (NSV) seit 1.2.1936; Reichsbund der deutschen Beamten (RDB) seit 1.6.1938.

DJH: 1925-1931 Geschäftsführer DJH-Ortsgruppe Passau, 1931-1939 (stellvertretender) Kreisvertreter für Niederbayern, 1939-1943 (kommissarischer) Leiter des DJH-Landesverbands Bayerische Ostmark.

Quellen: Staatsarchiv Landshut, Spruchkammer Passau, A 6755 / Bundesarchiv Berlin (ehem. BDC), Parteikorrespondenz PK T 0151 / Ernst Enzensperger: Von Jugendwandern und Bergsteigertum. Eine Geschichte des bayerischen Jugendherbergswerks, München 1951, S. 136f.

Anton Ziegler

*15.11.1877 in Amberg, †15.06.1954 in München; Volksschullehrer, Rektor

Sohn eines Volksschullehrers. Volksschule, bis 1895 Lehrerbildungsanstalt in Amberg. Seit 1897 Volksschullehrer in München. Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg. Seit 1923 Rektor: zunächst Volksschule an der Flurstraße, später Gebele-Schule in Bogenhausen. 1925 Heirat, keine Kinder. Ab 1931 Vorsitzender der Freien Vereinigung der Münchner Schulleiter. 1935 Verlust dieses Amts wg. fehlender NSDAP-Mitgliedschaft; ab Nov. 1936 erneut Vorsitz. Sept. 1938 NSDAP-Beitritt. 1945 als Parteimitglied automatisch des Amts enthoben. Oktober 1946 Entnazifizierung: „Mitläufer“. Im Juni 1946 wieder als Lehrer zugelassen, Unterricht an der Lehrerbildungsanstalt Freising. 

Mitgliedschaften: Deutscher und Österreichischer Alpenverein (DÖAV), Sektion Hochland ab 1902, darin „Freie Vereinigung der Sektion Hochland des DÖAV für Jugendbergfahrten“; Freie Vereinigung der Münchner Schulleiter: Vorsitzender 1931-1941 (nicht 1935/36); Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) ab 1931; Deutsche Volkspartei (DVP) vor 1933; NSDAP ab 1. Mai 1937 (rückdatiert; tatsächlich: Sept. 1938; #5.018.875); NS-Lehrerbund (NSLB) ab 1934, davor Bayerischer Lehrerverein; NS-Volkswohlfahrt (NSV) ab 1936; Reichskolonialbund (RKB) ab 1937; Reichsluftschutzbund (RLB); Reichsbund für Leibesübungen.

DJH: 1920 Leiter i.V. des Ortsausschusses München. 1921-1923 dessen 2. Vorsitzender. Ab 1927 2. Vorsitzender DJH-Ortsgruppe München. Ab 1932 Kreisvertreter für Oberbayern. Häufiger Gast bei Vorstandssitzungen des DJH-Gaues Bayern. Neben Enzensperger führende Persönlichkeit im DJH-Landesverband Bayern bis 1933.

Quellen: Staatsarchiv München, Spruchkammerakten, Karton 2038, Ziegler, Anton / Stadtarchiv München: Sterberegister [dort auch Personalakte, nicht gesichtet].

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