Die Anfänge der Jugendherbergen (1900-1926)
- Schirrmanns Idee
- Nachzügler Südbayern
- Zusammenschluss zum Landesverband Bayern
Der DJH-Landesverband Bayern blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück – geprägt von gesellschaftlichen Umbrüchen, politischen Herausforderungen und kontinuierlichem Wandel. Diese Seite dokumentiert die Entwicklung des Verbands von den Anfängen bis zur Nachkriegszeit und stellt zentrale Akteure vor.
Dieser Satz stammt von Max Mannheimer. Der Appell des Holocaust-Überlebenden an heutige und folgende Generationen hat sich auch in das Selbstverständnis des Jugendherbergswerks Bayern (DJH Bayern) tief eingegraben. Mannheimer hatte sich bis zu seinem Tod kompromisslos gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus – für die freiheitlich-demokratische Grundordnung engagiert.
Die enge inhaltliche und strukturelle Verbindung zwischen der Jugendherberge Dachau und dem angeschlossenen Max-Mannheimer-Studienzentrum ist ein erster Beleg dafür, dass das DJH Bayern es nach 1945 sehr ernst meinte mit der Reflexion seiner eigenen Geschichte und der Verpflichtung, sich als außerschulischer Bildungsort konsequent für Frieden und internationale Solidarität, für Gleichberechtigung und Teilhabe, Vielfalt und Inklusion einzusetzen. Diese Bildungsarbeit war in den letzten Jahrzehnten auch von der Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus geprägt; Herabwürdigung und Hass, Benachteiligung und Ungleichbehandlung, Intoleranz und Demokratiefeindlichkeit sind die Gegenpole zur Arbeit des DJH Bayern.
Mit der Aufarbeitung und Veröffentlichung der Geschichte des DJH Bayern zwischen 1926 und 1949 stellen wir uns unserer historischen Verantwortung – mehr jedoch noch unserer Aufgabe als zivilgesellschaftlicher Akteur im 21. Jahrhundert. Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit der Historikerin Dr. Eva Kraus soll und wird mehr sein als ein kurzes Schlaglicht auf Vergangenes, mehr sein als eine Chronologie der Ereignisse zwischen Weimarer Republik und der neu gegründeten Bundesrepublik. Wir haben verstanden – nicht erst seit Vorlage dieser Analyse!
Und um noch ein Zitat der jüngeren Geschichte zu bemühen: „Nie wieder ist jetzt!“ Auch diese Aufforderung hat das DJH Bayern seit 1946 als Handlungsanleitung verstanden. Dabei blieb es nie bei freundlich gemeinten Absichtsbekundungen, sondern die in Teilen ernüchternden Befunde zur eigenen Vergangenheit – Stichwort (Selbst-)Gleichschaltung der Herbergsleitungen – hat konsequent zu pädagogischen Programmen für Schulklassen oder zur klaren gesellschaftspolitischen Positionierung des DJH Bayern im Sinne der Demokratie geführt.
Das begann bereits mit der Änderung der Satzung des DJH und der Aufnahme entsprechender Formulierungen zum Ziel des Vereins: „… Vor allem ist es Zweck des Vereins, die individuelle und soziale Entwicklung junger Menschen zu fördern, […], die Begegnung von Menschen verschiedener Herkunft und Kultur zu ermöglichen und zur Verständigung der Völker beizutragen.“ … bzw. Ergänzungen zum Vereinszweck: „… Zur Verwirklichung seines Zwecks dient der Verein jungen Menschen und Erziehern aus aller Welt, unabhängig von Geschlecht, Abstammung, religiösen, weltanschaulichen und politischen Überzeugungen, soweit diese den Zielen des Vereins nicht entgegenstehen.“
Eine Reihe von Personen bestimmte die Entwicklung im Jugendherbergswerk Bayern zwischen den Weltkriegen und während der NS-Diktatur. Einige wurden zu opportunistischen Mitläufern und trugen damit auch nationalsozialistisches Gedankengut in den Verband; nur wenige widerstanden aktiv der Nazi-Ideologie. Die Historikerin Dr. Eva Kraus hat in der vorliegenden Untersuchung des bayerischen Jugendherbergsverbands Kurzbiografien zentraler Figuren dieser Zeit zusammengetragen, an denen sich ablesen lässt, welche Kräfte die Geschicke des Jugendherbergswerks bestimmten und welche weltanschaulichen und (partei-)politischen Positionen diese Personen vertraten. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – verweist jedoch in den angeführten Quellen auf weitere Fundorte für die historische Befassung mit diesem Personenkreis.
Zu den KurzbiografienHinter allen Regelaufgaben, Projekten und Zukunftsperspektiven steht im DJH Bayern eine grundsätzliche Haltung, die sich aus den Erfahrungen der eigenen Geschichte während der NS-Diktatur und dem Neubeginn nach 1945 speist: Das DJH Bayern verweigert verfassungsfeindlichen Personen und Gruppierungen die Aufnahme in den Verband. Daraus entstand ein Verhaltenskodex für Mitarbeitende im Umgang mit demokratiefeindlichen Bestrebungen. Der internationale Austausch von (jungen) Menschen liegt dem Verband am Herzen, um Weltoffenheit zu fördern und Stigmatisierungen abzubauen. Nachhaltigkeit und Diversität im Rahmen eines Unternehmenskonzeptes prägen die tägliche Arbeit und den Umgang mit Gästen und Kolleg*innen.
Jugendherbergen im Umfeld von Täter- und Opferorten des NS-Regimes (Dachau, Nürnberg, München City, Falkenberg) beziehen ihre Arbeit stark auf die entsprechenden Erinnerungsorte und bieten politische Bildung, sowie Soziales Lernen im Kontext von Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit.
Das DJH Bayern bringt sich zudem aktiv in zivilgesellschaftliche Debatten und Bündnisse ein (z.B. Wertebündnis Bayern, Bayerisches Bündnis für Toleranz) und unterstützt Initiativen anderer Akteure (das DJH Bayern ist z.B. Partner beim Deutschen Menschenrechts-Filmpreis) oder fördert die historisch-politische Auseinandersetzung junger Menschen mit geschichtlichen Entwicklungen im Rahmen des Projekts „Erinnerungszeichen“ des Bayerischen Kultusministeriums.
„Engagement für die politische Bildung ist Engagement für die Demokratie.“ **
Die jetzt vorliegende wissenschaftliche Arbeit von Dr. Eva Kraus ist ein notwendiger, wenn auch mitunter schmerzvoller Blick auf die Vergangenheit des DJH Bayern und dessen Verstrickungen in das totalitäre NS-Regimes. Die Schlussfolgerungen und Verpflichtungen, die sich aus diesen Befunden ergeben, hat das DJH Bayern schon seit Jahrzehnten selbst identifiziert und seine Arbeit daran ausgerichtet. Insofern ist die Studie auch eine Bestätigung des demokratischen und friedliebenden Grundkonsenses, den die Haltung, die Positionierung und die konkrete (pädagogische) Arbeit des Jugendherbergswerks in Bayern prägt. Wir sehen darin zudem eine Bekräftigung unserer Aufgaben, die mit Blick auf Kinder, Jugendliche und deren Familien vor uns liegen.
*NS-Dokumentationszentrum München (Titel eines Podcast des Hauses) – bezieht sich darauf, dass nur allein die Beschäftigung mit der Vergangenheit nicht die Herausforderungen der Gegenwart/Zukunft löst
**Thomas Krüger, Präsident Bundeszentrale für politische Bildung
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