Durch meine voranschreitende Muskelerkrankung mit den damit verbundenen Einschränkungen sind wir auf Jugendherbergen als ideale Urlaubsunterkunft gestoßen. Früher haben wir uns meist selbst versorgt, doch inzwischen hat sich einiges verändert. Eine ebenerdige Unterkunft in Kombination mit leckeren Mahlzeiten, die ich nicht mehr selbst kochen muss, lässt unser Urlaubsherz höherschlagen.
Als teilmobile Bloggerin bin ich auf barrierearme Unterkünfte angewiesen. Ich kann zwar noch eigenständig gehen, aber nur eingeschränkt. Deshalb ist es für mich immer ein großer Vorteil, wenn die Zimmer im Erdgeschoss liegen und genügend Platz für meine Hilfsmittel wie Rollstuhl, Rollator oder Elektromobil vorhanden ist.
Da wir noch viele schöne Ecken in Deutschland entdecken möchten, haben wir uns in diesem Jahr für eine kleine Schleswig-Holstein-Tour entschieden – mit Übernachtungen in den Jugendherbergen Plön und Dahme. Und weil wir schon viele Herbergen besucht haben, durfte natürlich auch ein Abstecher in unsere Heimat-Jugendherberge Gemünd in der Eifel nicht fehlen.

Plön – Kindheitsträume werden wahr
Als Kind habe ich die alten Immenhof-Filme geliebt. Besonders die wunderschöne Landschaft hat mich fasziniert. Damals war für mich klar: Plön und Malente möchte ich eines Tages unbedingt besuchen.
Die JUGENDHERBERGE PLÖN liegt mitten im Naturpark „Holsteinische Schweiz“, einer Region mit sanften Hügeln, Feldern, Wiesen und zahlreichen Seen. In diesem Jahr war es endlich so weit: Ein Jahr im Voraus buchte ich die Jugendherberge Plön, direkt am traumhaften Plöner See gelegen.
Ein Highlight für mich: die Rundum-Verpflegung. Durch meine Erkrankung ist Kochen für mich sehr anstrengend geworden, deshalb genieße ich es, im Urlaub einfach nur an den Tisch zu kommen.
Die Jugendherberge bietet zwei rollstuhlfreundliche Zimmer mit einem barrierefreien Bad, das sich beide teilen. Die Zimmer sind groß genug, sodass auch mein schwerer E-Rollstuhl genügend Platz hatte. Das WC war sehr geräumig und hatte sogar eine elektrische Spülung.

Unser Zimmer bot einen traumhaften Blick direkt auf den See – und das gesamte Team der Jugendherberge war herzlich und hilfsbereit. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Frühstücksbrötchen: frisch, fluffig und so leicht zu kauen, dass es selbst für mich mit Kau- und Schluckproblemen kein Problem war.
Nur wenige Gehminuten von der Jugendherberge entfernt liegt die wunderschöne Prinzeninsel. Ein grüner Rückzugsort, der sich auch mit dem Rollstuhl gut erkunden lässt. Der Weg dorthin ist etwa 5,5 km lang, führt durch den Schlosswald und bietet unterwegs 31 Infotafeln, die spannende Einblicke in die Natur geben.
Auf der Prinzeninsel gibt es eine herrliche Badestelle mit Sandstrand und immer wieder Ausblicke auf das Plöner Schloss. Besonders schön fand ich den „Alten Apfelgarten“ im Schlossgebiet mit über 160 Apfelbäumen alter Sorten. Für normale Rollstühle ist die Wiese dort eher ungeeignet, mit meinem Outdoor-Rollstuhl war es gut machbar.

Plön erleben
Der Ort selbst liegt eingebettet in eine traumhafte Seenlandschaft. Immer wieder laden Bänke oder kleine Sandecken am Ufer zum Verweilen ein.
Das Schlossgebiet ist allerdings schwierig zu erkunden: überall Kopfsteinpflaster. Mit meinem Hinterradantrieb-Rolli war es nur mit viel Geduld – und manchmal Hilfe – möglich, weiterzukommen.
Ein spannender Kontrast zur Natur ist die kleine Kormoraninsel Sterin. Sie ist zwar nicht zugänglich, vom Ufer aus aber gut sichtbar. Tausende Vögel haben dort ihre Brutplätze und die Spuren sind unverkennbar: kahle, silbrig-weiße Bäume, die durch den Kot der Tiere geschädigt sind. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie stark Tiere eine Landschaft verändern können.

Ein weiteres Ziel war das Freilichtmuseum Molfsee. Mit dem E-Rollstuhl konnte ich das gesamte Gelände befahren. Das Museum ist nicht komplett barrierefrei, eine Begleitperson ist daher empfehlenswert. Mit Outdoor-Rolli kam ich jedoch draußen überall hin, nur die Wege am See mit Rindenmulch sind mit einem manuellen Rollstuhl kaum machbar.

Zwischenstopp in Eutin
Von Plön aus lassen sich dank des barrierefreien Bahnhofs auch Ausflüge mit dem Zug nach Lübeck oder Kiel unternehmen. Die Niederflurzüge sorgen für stufenlosen Einstieg – für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ein echter Pluspunkt.
Nachdem unsere 4 Tage in Plön vorbei waren, fuhren wir weiter in Richtung Ostsee und legten einen Stopp in Eutin ein. Trotz Regen zeigte sich die Stadt von ihrer schönen Seite – und durch das abgeschliffene Kopfsteinpflaster konnte ich mit meinem Rollstuhl problemlos fahren. Das historische Flair blieb dabei trotzdem erhalten.
Besonders beeindruckt hat mich der Seepark Eutin, der nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt liegt. Die Wege sind barrierearm angelegt, sodass ich überall gut mit meinem Rollstuhl unterwegs war.

Jugendherberge Dahme – Steilküste
Nach vier Tagen in Plön führte uns unsere kleine Schleswig-Holstein-Tour weiter an die Ostsee, in die JUGENDHERBERGE DAHME. Auch hier hatte ich frühzeitig ein rollstuhlfreundliches Zimmer gebucht.
Die Herberge liegt oberhalb der Steilküste mit einem fantastischen Blick aufs Meer. Es gibt zwei rollstuhlfreundliche Zimmer mit eigenem Bad, einen ebenerdigen Zugang und ausreichend Platz für Hilfsmittel.
Der Aufenthaltsraum in blauen Tönen bot ebenfalls Panoramablicke auf die Ostsee, und auf der Terrasse konnten wir im Strandkorb unseren Morgenkaffee genießen.

Ein kleiner Wermutstropfen: Der direkte Weg zum Strand führt über eine steile Treppe, die für Rollstuhlnutzer*innen nicht zugänglich ist. Dennoch lohnt sich der Aufenthalt – allein der Blick von oben auf das weite Meer ist unvergesslich und schenkt gerade am Morgen eine besondere Ruhe.
Wer fit ist, findet in den oberen Etagen der Jugendherberge sogar ein Turmzimmer mit einem weiten Rundblick über die Küste. Für mich war allerdings die nahe Promenade das Highlight: Nur 900 Meter von der Jugendherberge entfernt, bietet sie einen barrierefreien Zugang zum Meer und zum lebendigen Strandgeschehen.
Wir waren täglich dort unterwegs – ob in Dahme oder im benachbarten Kellenhusen. Rollstuhlgerechte WCs gab es zahlreich, was den Aufenthalt zusätzlich entspannt machte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein ökumenischer Gottesdienst an der Seebrücke, bei dem sogar mein Rollstuhl gesegnet wurde – ein Moment, den ich nicht vergessen werde.

Jugendherberge Gemünd – Urlaub vor der Tür
Nach unserer kleinen Schleswig-Holstein-Tour zog es uns schließlich auch in die Eifel – quasi direkt vor die Haustür. Denn wir wollten endlich die JUGENDHERBERGE GEMÜND in unserem Ort besuchen.
Für uns war das der perfekte Ausgangspunkt, um unseren Wanderplan mit dem Elektromobil im Nationalpark Eifel umzusetzen. Besonders praktisch: die Wanderbar in der Jugendherberge. Sie wurde am Ostermontag eröffnet und steht allen offen, die nach einer Wanderung eine kleine Pause mit Erfrischung brauchen. Hier gibt es leckere kalte und warme Getränke – ein gemütlicher Ort, um neue Energie zu tanken.

Die Jugendherberge selbst ist zudem optimal für Rollstuhlfahrer*innen geeignet. Sie liegt direkt am Fuße des Urftsees, von wo aus der rund 10 km lange Urftseerandweg startet. Dieser barrierearme Weg lässt sich wunderbar mit dem Rollstuhl oder Elektromobil befahren.
Unterwegs passiert man die Victor-Neels-Brücke und erreicht kurz darauf eine barrierefreie Birdwatching-Station, bevor es weiter zur Urfttalsperre geht. Dort gibt es nicht nur eine Stärkung, sondern auch ein barrierefreies WC mit Euroschlüssel. Danach führt derselbe Weg wieder zurück – insgesamt also ein herrlicher Ausflug von rund 20 km.

Fazit
Unsere Reisen nach Plön, Dahme und Gemünd haben uns gezeigt, wie vielseitig und barrierearm Jugendherbergen heute sein können. Die Kombination aus passenden Unterkünften, wunderschöner Natur und der Nähe zu interessanten Sehenswürdigkeiten hat unsere Aufenthalte unvergesslich gemacht.
Gerade die großzügigen Zimmer mit ausreichend Platz für meine Hilfsmittel – Rollator, E-Rollstuhl und Elektromobil – haben dazu beigetragen, dass wir unsere Touren komfortabel und flexibel gestalten konnten.

Zur Autorin
Nadine ist teilmobile Reise- und Outdoor-Bloggerin. Mit ihrem Rollator, E-Rollstuhl und Elektromobil erkundet sie Deutschland, testet barrierearme und freie Unterkünfte und berichtet authentisch von ihren Erlebnissen.
Auf ihrem Blog sowie bei Instagram und YouTube zeigt sie, wie Reisen trotz Mobilitätseinschränkungen möglich ist – und wie man dabei die schönsten Orte entdecken kann.