Richard Schirrmann - Ideengeber für die Jugendherberge zur Einkehr wandernder Jugendlicher

1909

1909: Geburtsjahr des Deutschen Jugendherbergswerks

Im Sommer 1909 veranstaltete der an der Nette-Schule im sauerländischen Altena tätige Lehrer Richard Schirrmann eine achttägige Wanderfahrt von Altena nach Aachen. In der ersten Nacht war die Gruppe in einer Scheune untergekommen, wo ein freundlicher Bauer sie mit Decken versorgt und Pflaumen und frische Milch gespendet hatte. In der zweiten Nacht erreichten sie das Bröltal, wo sich gerade ein Gewitter zusammenbraute. Ein Bauer, den sie um Erlaubnis gebeten hatten, in seiner Scheune schlafen zu dürfen, war wenig entgegenkommend, gab ihnen aber schließlich ein bißchen Stroh, das sie zur leerstehenden Dorfschule mitnahmen, wo sie mit Erlaubnis der Lehrersfrau die Nacht verbrachten. "Das Unwetter tobte während der ganzen Nacht mit Blitz und Donnerschlag, mit Sturm und Wolkenbruch und Hagelprasseln, als wenn die Welt untergehen sollte. Während die wandermüden Jungen fest schliefen, lag ich hellwach...

Plötzlich überfiel mich der Gedanke: Jedem wanderwichtigen Ort in Tagesmarschabständen gleich Schule und Turnhalle auch eine gastliche Jugendherberge zur Einkehr für die wanderfrohe Jugend Deutschlands ohne Unterschied.

Jener 26. August 1909 also war der eigentliche Geburtstag der deutschen Jugendherbergsbewegung - und der Jugendherbergsbewegung in aller Welt. 1910 schrieb Schirrmann einen Aufsatz, in dem er seine Gedanken über "Volksschülerherbergen" darlegte. Zunächst lobte er Guido Rotters Unterkünfte für Gymnasiasten und Studenten, fuhr aber fort: "Auch die Knaben und Mädchen des gemeinen Mannes müssen frischfröhliches Wandern als Gegengewicht für die Stubenhockerzeit ihrer Schuljahre üben. ... Wie denke ich mir nun zweckmäßige und ausreichende Herbergen für das gewaltige Heer der Volksschüler?

... Jede Stadt und fast jedes Dorf hat eine Volksschule, die in den Ferien mit leeren Räumen geradezu darauf wartet, in einen Schlaf- und Speisesaal für wanderlustige Kinder verwandelt zu werden. Zwei Klassenzimmer genügen, eins für Buben, eins für Mädel. Die Bänke werden teilweise übereinander gesetzt. Das gibt freien Raum zur Aufstellung von 15 Betten. ... Jede Lagerstatt besteht aus einem straff mit Stroh gestopften Sack und Kopfpolster, 2 Bettüchern und einer Wolldecke... Jedes Kind wird angehalten, seine Lagerstatt wieder fein säuberlich in Ordnung zu bringen..." Nach der Veröffentlichung dieses Aufsatzes in der "Kölnischen Zeitung" kamen Unterstützungsangebote, Geld- und Sachspenden aus ganz Deutschland. Schirrmann konnte seine Netteschule bald wunschgemäß ausstatten.

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