Deutscher Menschenrechts-Filmpreis 2010

Deutscher Menschenrechts-Filmpreis 2010

Filme zum Schutz der Menschenrechte

Beim Deutschen Menschenrechts-Filmpreis wurden soeben wertvolle Produktionen über Menschenrechtsverletzungen im In- und Ausland ausgezeichnet.

Verantwortung für eine menschenwürdige Gesellschaft

Bereits zum siebenten Mal standen jetzt Filme zum Thema Menschenrechte Menschenrechtsfilmpreis 2010im Mittelpunkt. In fünf Kategorien (Profi, Kurzfilm/Magazinbeitrag, Filmhochschule, Amateure und Bildungspreis) würdigten der Veranstalterkreis (darunter das Deutsche Jugendherbergswerk) und die Jurys wertvolle Produktionen. Die Filme zeigen auf, wie wichtig der Schutz der Menschenrechte ist, erklären Zusammenhänge und ermutigen zum Handeln im Sinne der Wahrung der Menschenrechte. 500 Gäste aus Politik, Kultur, Kirchen und der Wirtschaft verfolgten die zweistündige Preisverleihung am 4. Dezember 2010 in Nürnberg.

Deutscher Menschenrechts-Filmpreis:
Zahl der Einreichungen weiter angestiegen
Bis zum Einsendeschluss am 15. September 2010 wurden insgesamt 284 Dokumentar- und Kurzspielfilme sowie Magazinbeiträge eingereicht – im Vergleich zu 2008 eine Steigerung um 25 Prozent. Diese Einreichungen verteilen sich auf:
  • 124 Profiproduktionen,
  • 73 Kurzfilme/Magazinbeiträge,
  • 45 Produktionen von Filmhochschulen und
  • 42 Amateurproduktionen.
Neben der quantitativen Veränderung wiesen die Filme wieder ein durchweg hohes Niveau sowohl hinsichtlich der Bearbeitung der Themen als auch in filmtechnischer Sicht auf. Damit konnte der Veranstalterkreis sein Ziel erreichen, dass sich weiterhin so zahlreiche Filmemacher möglichst vielen Aspekten der Menschenrechte annehmen. Insbesondere Kindersklavendie von den Filmhochschulen vorgelegten Produktionen weisen ein hohes Maß an Kreativität und inhaltlicher Tiefe auf.
Ein herausragendes Thema im Jahrgang 2009/2010 stellte die Behandlung der Situation von Kindern aus menschenrechtlicher Perspektive sowohl im In- wie im Ausland dar. Damit verstärkt sich ein Trend, der bereits vor zwei Jahren sichtbar wurde.

Kinder zentrales Thema der Produktionen
Wird die Lebenswelt von Minderjährigen in Deutschland nachgezeichnet und dokumentiert, steht oft das Schicksal von Kindern mit Migrationsgeschichte im Mittelpunkt des Plots. Eine Reihe von Produktionen beschäftigt sich mit dem rechtlichen Aufenthaltsstatus und den daraus erwachsenden massiven Problemen im Heranwachsen und in der Ausprägung individueller Persönlichkeitsprofile. Die Angst vor Abschiebung ist ein bestimmendes Motiv in den verschiedenen Porträts von Migrantenkindern. Weitere Aspekte kindlichen Lebens, die die Filmemacher aufgegriffen haben, sind Inklusion, Kinderarmut und Defizite im Bildungssystem der Bundesrepublik.

Die folgenden Filme werden in den jeweiligen Kategorien mit dem »Deutschen Menschenrechts-Filmpreis 2010« geehrt:

Kategorie Profifilm
Iran Elections 2009
Ali Samadi Ahadi; Dokumentarfilm; 52 Min.; WDR/arte
prämierter Film beim Deutschen Menschenrechtspreis 2010: Iran Elections 2009Inhalt: Im Iran werden Menschenrechte, Demokratie und die Freiheit von Millionen Menschen zurzeit mit Füßen getreten. Friedliche Demonstranten werden niedergeschossen. Und damit es niemand sieht, wird versucht, die Weltöffentlichkeit aus dem Land auszusperren. Die neue Dokumentation erinnert an die dramatischen Ereignisse um die Wahlen im Iran im Jahr 2009.

Kategorie Bildungspreis
Rückkehr ins Elend – Abschiebung der Roma ins Kosovo
Martina Morawietz; Reportage; 15 Min.; ZDF
Inhalt: Über Nacht werden Menschen aus ihrer gewohnten und vertrauten Umgebung in Deutschland herausgerissen und in eine für sie fremde und ungewisse Zukunft verfrachtet. Familienmitglieder, Freunde und Bekannte bleiben zurück, haben keine Möglichkeit, die Abschiebung ihrer Angehörigen und der lieb gewonnenen Menschen zu verhindern. Die Reportage schildert die unzumutbare Situation am Beispiel von Familien, die im Kosovo strandeten, ausgesetzt im Nirgendwo.

Kategorie Kurzfilm
Wegschauen und vertuschen? Die Geschichte einer Exekution in Afghanistan
Markus Zeidler, Markus Schmidt; Magazinbeitrag; 10 Min.; WDR
Inhalt: Im August 2002 wurden vor den Toren Kabuls zehn entflohene Kriegsgefangene getötet. Recherchen haben ergeben, dass sie offensichtlich aufgereiht und anschließend durch Kopfschüsse umgebracht wurden. Das Magazin MONITOR hat dieses Kriegsverbrechen nach jahrelanger Recherche gemeinsam mit dem holländischen Radiosender Argos aufgedeckt. Der Beitrag von Markus Zeidler und Markus Schmidt geht der Frage nach, warum Bundeswehr und niederländische Militärs den Vorfall offenbar bis heute vertuschen wollen.

Kategorie Filmhochschule
Talleres Clandestinos
Catalina Molina; Drama; 40 Min., Wien
Inhalt: Die junge Bolivianerin Juana bekommt Arbeit als Näherin in einer Schneiderei im Nachbarland Argentinien, muss dafür jedoch ihre Kleinfamilie zurücklassen. Angekommen im fremden Buenos Aires wird die versprochene Werkstatt jedoch zu einem Gefängnis. Unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen wird Textilware für Luxusmarken herzgestellt. Als sie erfährt, dass ihr Kind schwer erkrankt ist, versucht sie, mit allen Mitteln aus der Werkstatt zu fliehen.

Kategorie Amateurfilm
Reise ohne Rückkehr – Endstation Frankfurter Flughafen
Güclü Yaman; Kurzspielfilm; 25 Min.; Frankfurt a.M.
Inhalt: Der Kurzspielfilm zeichnet das Schicksal des sudanesischen Flüchtlings Aamir Ageeb nach, der 1999 während seiner Abschiebung ums Leben kam.

Zuschauerpreis vergeben
Das Deutsche Jugendherbergswerk hat zum Deutschen Menschenrechtsfilmpreis einen Zuschauerwettbewerb ausgelobt. Mit ihrem Vorschlag hat Birgit Setzer aus Michelfeld gewonnen. Sie und eine Begleiterin waren ein Wochenende lang Gäste der Jugendherberge Nürnberg und nahmen als Ehrengäste an der feierlichen Verleihung des Filmpreises teil.
Im Fernsehen hat Birgit Setzer den Film »Schutzlos« von Rene Heisig gesehen und war ergriffen. Die Dokumentation schildert das Leben einer Mittelamerikanerin, die in ihrer Heimat verfolgt wird und in Deutschland lebt und arbeitet als Illegale. »Die Geschichte ist exemplarisch für Hunderttausende«, schrieb Birgit Setzer. »Der Film zeigt eindringlich, wie ausgeliefert, einsam und hilflos man ist, wenn selbst grundlegende Dinge des Lebens nicht ohne weiteres zur Verfügung stehen. Er fördert das Verständnis für die Betroffenen.«
Auf Grund der Zuschauerempfehlung lief auch der Film »Schutzlos« im Wettbewerbsprogramm.

Jurymitglieder bewerten Filme für die Bildungsarbeit
Dem Veranstalterkreis gehören 18 bundesweit tätige Organisationen an, darunter das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH). Drei unabhängige Jurys haben die Filme gesichtet und bewertet. Jurymitglied Gerhard Koller, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Jugendherbergswerkes, begrüßte, dass sich ausgezeichneten Filme sehr gut zum Einsatz in der Jugendbildung eignen. Da sich die Jugendherbergen für die friedliche Begegnung von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen einsetzten, fördere das DJH auch den Filmpreis gern.

Prof. Dr. Jutta Limbach bleibt Schirmfrau
Nach 2006 und 2008 hatte Prof. Dr. Jutta Limbach auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft über den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis übernommen. Mit der ehemaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und früheren Präsidentin des Goethe-Instituts konnte der Veranstalterkreis abermals eine international anerkannte Streiterin für den Schutz der Menschenrechte und eine herausragende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gewinnen, die zugleich mahnend und ermutigend in der Beschäftigung mit diesem Thema auftritt.
Aus dem Grußwort von Prof. Dr. Jutta Limbach: »(…) Die Grundrechte – vorne an die Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit – geben den Menschen in der Bundesrepublik die Mittel in die Hand, sich für die Wirksamkeit der Menschenrechte einzusetzen. Der im Grundgesetz verbriefte Katalog der Menschen- und Bürgerrechte schafft für sich allein noch keine humanistische Tradition. Auch die beste Verfassung ist auf die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger angewiesen, Verantwortung für eine menschenwürdige Gesellschaft zu übernehmen (…).«

Deutscher Menschenrechts-Filmpreis on Tour
In Kürze geht der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis on tour: Um die Filme möglichst vielen Zuschauern zugänglich zu machen, werden dezentrale Filmvorführungen bzw. Filmgespräche in Bonn, Berlin und München angeboten.

Die Termine für die »Lange Nacht des Menschenrechtsfilms«:
Bonn, 9. Dezember 2010 (LVR-Landesmuseum),
Berlin, 16. Dezember2010 (Haus der Kulturen der Welt) und
München, 20. Januar 2011 (Hochschule für Philosophie).

Ausführliche Informationen unter www.menschenrechts-filmpreis.de im Internet.

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